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Übernahmepläne Wie China die Megafusion der Chipriesen Qualcomm und NXP ausbremste

Die Chipriesen Qualcomm und NXP galten als perfektes Paar. Dann gerieten die Chipfirmen in den Strudel der Weltpolitik unter US-Präsident Trump.
26.07.2018 - 16:34 Uhr Kommentieren
Qualcomm ist eines der ersten Opfer des Handelskrieges zwischen China und den USA. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Qualcomm-Chip

Qualcomm ist eines der ersten Opfer des Handelskrieges zwischen China und den USA.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Schanghai, München Steve Mollenkopf ist gescheitert, das lässt sich nicht leugnen. Die Schuld dafür sieht der Chef des amerikanischen Chipherstellers Qualcomm aber bei anderen. „Wahrscheinlich waren größere Kräfte am Werk als wir“, sagt der Ingenieur.

Das ändert zwar nichts am Ergebnis, dürfte aber zumindest der gekränkten Managerseele etwas schmeicheln. Tatsache ist: Die 44 Milliarden Dollar schwere Übernahme des niederländischen Halbleiterkonzerns NXP durch Qualcomm kommt nicht zustande. 21 Monate lang hatte Mollenkopf für den Deal geworben.

Damit ist Mollenkopf eines der ersten und prominentesten Opfer des Handelskrieges zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Welt, China und den USA. Für die Übernahme fehlte am Ende nur die Freigabe chinesischer Wettbewerbsbehörden. Acht andere Kartellämter hatten den Deal bereits abgenickt. Doch die Zustimmung aus Peking blieb aus.

Mollenkopf konnte die Chinesen nicht einfach ignorieren. Sein Geschäft – und das von NXP – steht und fällt mit den Umsätzen in dem riesigen Land. Bis zuletzt hatten Mollenkopf und NXP-Chef Rick Klemmer gehofft, die Chinesen würden sich noch bewegen. Dafür hatte der Qualcomm-CEO die Frist, den Deal abzuschließen, im Frühjahr verlängert.

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    Doch zuletzt habe er nicht mehr daran geglaubt, „dass sich das jetzige geopolitische Umfeld ändern“ werde. So verstrich der von ihm selbst gesetzte Termin am 25. Juli, und er musste aufgeben.

    Im März wurde der Deal zum Politikum

    Selbst Fürsprecher wie der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin und Handelsminister Wilbur Ross konnten Peking nicht erweichen – vielleicht scheiterte der Deal auch gerade wegen ihnen. Denn spätestens Mitte März war die geplante Übernahme zum Politikum geworden. Da hatte US-Präsident Donald Trump den 117 Milliarden Dollar teure Kauf Qualcomms durch den zu jener Zeit noch in Singapur ansässigen Wettbewerber Broadcom verhindert.

    Als Begründung für die Intervention hieß es, dass Qualcomms Technologie wichtig für die Sicherheit Amerikas sei. Damit wurde das Unternehmen quasi zum nationalen Champion im Wettbewerb mit China um die Vormacht bei der nächsten Mobilfunkgereration 5G. 

    Ende März eskalierte der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Trump drohte Peking mit Strafzöllen in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar. China kündigte an, entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Während eine Fraktion in Washington vor allem auf die Reduzierung des Handelsdefizits fixiert war, sollen andere den Konflikt als einen Kampf um die Technologie-Vormacht verstanden haben. 

    Anfang Juli traten die Strafzölle in Kraft und wurden von China in gleicher Höhe beantwortet. In der Folge drohte Trump mit weiteren Einfuhrabgaben in Höhe von 500 Milliarden Dollar. Da China vergangenes Jahr nur rund 130 Milliarden Dollar an US-Waren importiert hatte, müsste es auf andere Methoden zurückgreifen, um Trumps Schlag zu erwidern. Wie solche Methoden aussehen können, erfuhr nun Qualcomm.

    Wenig hilfreich für den Konzern war auch der Umgang der US-Behörden mit dem chinesischen Netzwerkausrüster und Handyproduzenten ZTE. Die Amerikaner untersagten der Firma, Komponenten aus ihrem Land einzukaufen. Es wäre das Aus gewesen: 70 Prozent aller Chips in ZTE-Smartphones stammen von Qualcomm, weitere vom US-Rivalen Intel. Im letzten Augenblick einigte sich ZTE mit den Amerikanern auf eine Strafzahlung über eine Milliarde Dollar und durfte weitermachen.

    Zuvor hatte sich Trump im Juni persönlich für ZTE eingesetzt. Beobachter gingen davon aus, dass Staatspräsident Xi Jinping sich mit einer Intervention im Sinne von Qualcomm bedanken würde. Doch dazu kam es nicht.

    Alles eine Frage des Kartellrechts

    In China hieß es, die Kartellbehörde hätte den Deal ursprünglich genehmigen wollen. Dann sei der Handelsstreit dazwischen gekommen und der Fall ZTE. Ein Sprecher des Handelsministeriums bestritt dies. Alles sei nur eine Frage des Kartellrechts. Weitere Angaben machte er nicht.

    Die gescheiterte Übernahme ist ein Rückschlag für Qualcomm und NXP. Es sei „unglücklich“, dass es nicht dazu gekommen sei, meinte NXP-Boss Clemmer. Die beiden Konzerne hätten sich ideal ergänzt. Qualcomm ist der weltgrößte Anbieter von Mobilfunk-Chips. NXP führend bei Halbleitern für Autos. In autonomen Fahrzeugen hätte sich das Know-how perfekt verbinden lassen.

    In der gesamten Chipindustrie fragen sich die Manager nun, inwiefern künftig überhaupt noch Zukäufe möglich sind. Auf ihren zwei wichtigsten Märkten, China und den USA, existieren jetzt gewaltige Hürden.

    Er sei „sehr enttäuscht“, betonte Finanzminister Mnuchin. Dabei wolle die US-Regierung doch nichts anderes, als dass amerikanische Firmen fair behandelt werden.

    Darauf möchte sich Mollenkopf nicht verlassen – und von Zukäufen vorerst Abstand nehmen. Stattdessen werde Qualcomm Aktien für 30 Milliarden Dollar zurückkaufen, sagte er.

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