Übernahmepoker Niedrige Gebote für Thyssen-Werk in Brasilien

Thyssen-Krupp will sich von verlustreichen Stahlwerken in Brasilien und USA trennen. Das wissen auch die Hauptinteressenten – sie haben deswegen bisher nur relativ niedrige Gebote abgegeben.
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ThyssenKrupp hat die Stahlwerke in den USA und Brasilien nach hohen Abschreibungen noch mit 3,9 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Quelle: Reuters

ThyssenKrupp hat die Stahlwerke in den USA und Brasilien nach hohen Abschreibungen noch mit 3,9 Milliarden Euro in den Büchern stehen.

(Foto: Reuters)

Rio de JaneiroDie zum Verkauf stehenden Stahlwerke von Thyssen-Krupp drohen zum Ladenhüter zu werden. Das Werk in Brasilien habe nur niedrige Gebote erhalten, berichtete die Nachrichtenagentur Agencia Estado am Samstag. Thyssen-Krupp versuche nun in Gesprächen, die Offerten in die Höhe zu treiben.

Die beiden Hauptinteressenten, Brasiliens Cia Siderurgica Nacional (CSN) und der italienisch-argentinische Stahlkonzern Ternium, setzen darauf, dass der Essener Mischkonzern das verlustreiche Werk so schnell wie möglich loswerden wolle, zitierte die Agentur eine mit der Angelegenheit vertraute Person. CSN bietet demnach 3,8 Milliarden Dollar für das Werk in Brasilien sowie ein weiteres im US-Bundesstaat Alabama.

Thyssen-Krupp hat die Stahlwerke in den USA und Brasilien nach hohen Abschreibungen noch mit 3,9 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Analysten hatten sich zuletzt skeptisch gezeigt, ob Thyssen-Krupp diesen Preis erzielen kann. Ein Konzern-Sprecher wollte sich nicht näher zu dem Bericht äußern. „Der Prozess verläuft planmäßig. Zu Namen und anderen Details machen wir keine Angaben.“

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Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte Anfang März erklärt, dass die Prüfung der Bücher für die Stahlwerke in Übersee weitgehend abgeschlossen sei und die Angebot nun einliefen. Eine Vereinbarung zum Verkauf hatte er bis Mai in Aussicht gestellt. Wie lange der anschließende Genehmigungsprozess dauere, habe der Konzern nicht in der Hand. Hiesinger hält aber einen Abschluss der Transaktion bis Ende des Geschäftsjahres 2012/13 (per Ende September) für möglich.

Reuters hatte von Insidern jüngst erfahren, dass im Rennen um die Werke einige Bieter Bündnisse schmieden. Der japanische Stahlkocher JFE Steel und der Konkurrent U.S. Steel wollten eine gemeinsame Offerte vorlegen. Damit folgten sie einem Vorgehen von ArcelorMittal mit Nippon Steel aus Japan und den Bemühungen des brasilianischen Stahlkonzerns CSN um finanzielle Schützenhilfe der staatlichen Entwicklungsbank BNDES.

Die Werke hatten maßgeblichen Anteil an den Milliardenverlusten von Thyssen-Krupp. Nach dem Verkauf der amerikanischen Stahlsparte werde der Mischkonzern Ende des Kalenderjahres nur noch weniger als 30 Prozent seines Geschäfts mit Stahl machen, hatte Hiesinger jüngst erklärt. 70 Prozent seien Industriegüter und Materialdienstleistungen.

  • rtr
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5 Kommentare zu "Übernahmepoker: Niedrige Gebote für Thyssen-Werk in Brasilien"

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  • Die Klagen gegen TK-Management und Aufsichtsrat werden wahrscheinlich schon verfasst, sollten die Werke tatsächlich verlustreich aufgegeben werden.

    Ihre Frage des Weiterbetriebs ist vollkommen gerechtfertigt. Alles andere wäre ein Eingeständnis des Versagens auf ganzer Linie. Verantwortliche müssen somit finanziell zur Rechenschaft gezogen werden. Dies kann nicht allein auf dem Rücken der Beschäftigten und Aktionäre ausgetragen werden.

    Konzernlenker müssen sich ihrer Verantwortung stellen und zwar ohne sich aus dem Staub machen zu können und womöglich vorher auch noch einen goldenen Handschlag aushandeln. Dabei sollte es keine Tabus geben. Denkbar sind ist auch die Pensionsverpflichtungen für Topmanager auf dem Klageweg zu streichen. Dies ist der einzige Weg Boni und Missmanagement einen Riegel vorzuschieben!

  • Weshalb die Standorte nicht behalten? Werden sie verkauft, gibt es wenig Cash und hohe Abschreibungen. Wenn sie nun tatsächlich inzwischen technisch gesehen vernünftig funktionieren, warum dann nicht ebenfalls eine dicke Abschreibung vornehmen (die ja auch beim Verkauf kommt) und anschließend auf einer Kostenstruktur produzieren und kalkulieren, die der entspricht, wenn das Unternehmen von Anfang an vernünftig geplant und gebaut hätte. So würde wenigstens vermieden, dass auf Kosten der Aktionäre auch noch die Konkurrenz gestärkt wird. Etwas anders sieht es natürlich aus, wenn die zwei Werke so dämlich geplant wurden, dass sie nie vernünftig produzieren. Dann wäre es geradezu genial sie der Konkurrenz günstig anzubieten und sie so in die geplante Katastrophe zu locken. Aber so viel Klugheit kann man dem TK Management + AR eigentlich nicht zutrauen. Aber eventuell sitzen dort doch bessere Schauspieler als bisher gedacht ...

  • And as usual, the management has given the PR-dept another turd to polish, and the PR-dept does it magnificently: "„Der Prozess verläuft planmäßig. Zu Namen und anderen Details machen wir keine Angaben."

    Next-to-last step in selling this disaster: "Um die heisse Brei redden," die preise in die Holle zu treiben.

    Last-step: 500M € abschreiben.

  • Brasil oferece ajuda ao desenvolvimento por muito tempo para Portugal, os brasileiros ricos vêm para fazer compras na Europa. Por que não deveria economia empresa brasileira com sede e menor o preço de acordo.
    Tempo que lemos do Brasil com a sua mensagem e aprender com seus erros. Europa, mais cedo ou mais tarde, precisam de nossa ajuda. Tudo apenas uma questão de tempo.

  • Na, der Bau in Brasilien und Alabama war doch mal zukunftsorientiert. Man gebe für zwei neue Standorte 12 Mrd. Euro aus, mache die Belegschaften fit und verhökere dann die beiden Standorte für umgerechnet 3 Mrd. Euro an die Konkurrenz. Die können dann bei den entsprechend geringeren Kapitalkosten im Wettbewerb bestehen, und, vermutlich den Lieferungen von ThyssenKrupp in die USA den Garaus machen. Folge: zusätzliche Absatzprobleme in Duisburg mit weiterem Kapazitätsabbau und Personalabbau. Fazit: Das Konzernmanagement versagt seit 10 Jahren auf breiter Frot. Sie können es einfach nicht. Sollte sich die Weltstahlnachfrage nicht in den nächsten zwei Jahren erheblich bessern wird der Standort Duisburg wohl bald Geschichte sein.

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