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Antonow An-225

Die Ukraine will den größten Transportflieger der Welt endlich in die Serienproduktion geben.

(Foto: AFP)

Ukraine kontra Russland Konflikt um das größte Frachtflugzeug der Welt verschärft sich

Die Ukraine und Russland streiten über die Wartung der Frachtflugzeuge des Herstellers Antonov. Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel.
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MoskauNeues Kapitel im russisch-ukrainischen Konflikt: Die Ukraine hat die russische Flugaufsicht Rosaviazija vor der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO verklagt. Es geht um die Frage, ob Russland seine Frachtflugzeuge des Typs Antonow weiter betreiben darf. Denn der ukrainische Flugzeugbauer müsse an der Wartung der Maschinen beteiligt werden, so die Forderung.

Nach Ansicht der Ukraine schafft die russische Luftfahrtbehörde einen „gefährlichen Präzedenzfall, der eine Gefahr für Leben und Gesundheit, Umwelt und Infrastruktur“ der Länder bedeute, die von russischen Antonows angesteuert würden.

Der Streit schwelt bereits seit vergangenem Sommer. Damals hatte Rosaviazija das Patent für die Wartung und Sicherheitsüberprüfung an das staatliche Forschungsinstitut für zivile Luftfahrt in Moskau übergeben.

Für die superschweren Transporter An-124-Ruslan, die auch Nato-Güter befördern, ging das Patent an die in Frankfurt basierte Amtes GmbH, eine Tochter der russischen Luftfrachtlinie Volga-Dnepr. Moskau begründete den Schritt damit, dass Antonow selbst überhöhte Forderungen für seine Dienstleistungen stelle und es „systematische“ Verzögerungen bei notwendigen Arbeiten gegeben habe.

Größte Transportmaschine der Welt

Antonow ist ein ukrainischer Staatsbetrieb, auch wenn der Flugzeugbauer ursprünglich in der Sowjetunion unter dem Chefkonstrukteur Oleg Antonow in Nowosibirsk in Leben gerufen worden war. Bereits 1952 siedelte das Büro nach Kiew um, wo es auch heute noch ansässig ist.

Flugzeuge der Modellreihe Antonow sind immer noch weitverbreitet. Sie werden in der Landwirtschaft genutzt, als Passagierflugzeuge eingesetzt sowie als Frachtflugzeuge, die zu den größten Transportmaschinen der Welt zählen.

Der Konzern befindet sich allerdings seit Jahren in einer schweren Krise. Im Juni 2015 wurde das bisher letzte Flugzeug verkauft. Feste Aufträge gibt es gerade einmal für 18 neue Maschinen. Dabei handelt es sich um den neuen Passagierflieger An-148 und die Frachtmaschine An-178.

Serienproduktion der An-225 als Ziel

Vorvereinbarungen soll es über immerhin rund 70 Flugzeuge geben. Unter anderem träumt die Ukraine davon, zusammen mit China den größten Transportflieger der Welt, die An-225 „Mrija“ („Traum“), endlich in die Serienproduktion zu geben. Bisher gibt es von dem „Traum“ erst ein fertiges Exemplar. Mit der Türkei plant die Ukraine die Konstruktion eines neuen Militärtransporters auf Basis der An-70. Aber auch hier sind die Bedingungen noch nicht restlos geklärt.

Die Aufträge für die Wartung schon fertiger Flugzeuge sind daher für Antonow überlebenswichtig. Aber auch für Russland ist der Rechtsstreit unangenehm. Sollte die ICAO den russischen Antonows das Sicherheitszertifikat verweigern, dürften diese – zumindest außerhalb der Heimat – nicht mehr eingesetzt werden.

Russlands neuer Stolz hebt ab
Premiere in 30 Minuten
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Das neue russische Mittelstreckenflugzeug MS-21 – auf Kyrillisch MC-21 – hat am Sonntag seinen Jungfernflug erfolgreich absolviert. Der Flug habe 30 Minuten gedauert, teilten der Hersteller Irkut und die Muttergesellschaft UAC am Sonntag mit.

(Foto: Reuters)
Rivale für Airbus und Boeing
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Mit einer Reichweite von bis zu 6000 Kilometern konkurriert die MS-21 mit der Boeing 737 und dem Airbus A320, die den weltweiten Markt in diesem Segment dominieren.

(Foto: Reuters)
Glückwunsch von Putin
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Testpilot Oleg Kononeko ließ sich nach dem erfolgreichen Flug feiern. Präsident Wladimir Putin gratulierte dem Unternehmen und dessen Mitarbeitern; sein Amt sprach von einem bedeutenden Ereignis.

(Foto: Imago)
Produktion läuft bald an
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Die Produktion der zweimotorigen MS-21 soll in den kommenden zwei Jahren aufgenommen werden. Sie soll in zwei Varianten mit 160 bis 211 Sitzplätzen und 130 bis 165 Sitzplätzen auf dem Markt kommen. Bislang gebe es feste Bestellungen für 175 Flugzeuge, teilte Irkut mit.

(Foto: Imago)
Schubkraft für die heimische Industrie
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Angesichts von Wirtschaftssanktionen des Westens bemüht sich Russland um eine Verjüngung der heimischen Industrie. Damit soll das Land unabhängiger von ausländischen Firmen werden.

(Foto: Imago)
Viel Potenzial auf dem Jet-Markt
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Ursprünglich war der Jungfernflug bereits für das Jahr 2016 geplant. Nach Schätzungen von Boeing werden in den kommenden zwei Jahrzehnten 27.000 Mittelstreckenjets benötigt. Von diesem Markt hofft Russland, sich mit der neuen MS-21 etwa fünf Prozent zu sichern.

(Foto: Imago)
Tupolew-Nachfolger
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Im Juni 2016 hatte Hersteller Irkut den Jet bei einer Zeremonie mit vielen Showeffekten vorgestellt. Das Flugzeug soll Nachfolger für die zu Sowjetzeiten gebaute Tupolew Tu-204 werden

(Foto: Reuters)

Russland hat rund 400 Antonow-Maschinen im Einsatz, die meisten davon sind die inzwischen in die Jahre gekommenen An-24 (Passagierflugzeug) und An-26 (Militärtransporter). Von den Frachtflugzeugen des Typs An-124 sind 36 in russischem Bestand.

Gerade das Luftfrachtbusiness ist lukrativ. Zwar will Volga-Dnepr den bis Januar 2019 geltenden Frachtvertrag mit der Nato über die Beförderung von Militärgütern nicht mehr verlängern. Doch auch so ist die An-124 mit ihrer Zuladung von 120 Tonnen für die Beförderung von großem Stückgut gefragt. Im vergangenen Jahr hat Volga Dnepr laut Medienberichten durchschnittlich 56.000 Euro pro Flugstunde verlangt. Ein Grounding wäre ein empfindlicher Schlag für das Geschäft.

Russische Maschinen ohne Wartungsvertrag im Einsatz

Doch Moskau hat ein Ass im Ärmel. Auch die Ukraine nutzt russische Flugzeuge ohne die entsprechende Lizenzwartung vom Originalhersteller. Hier handelt es sich zwar zum Großteil um Militärflugzeuge der Typen MiG und Su, die kaum im Ausland zum Einsatz kommen. Allerdings hat die Ukraine bei der Erfüllung internationaler UN-Missionen auch Mi-Hubschrauber in Betrieb.

Nach Ansicht des russischen Luftfahrtexperten Oleg Pantelejew dürfte die russische Luftfahrtbehörde aufgrund der großen Erfahrung zwar viele ihrer Kunden von der Sicherheit eigener Prüfungs- und Wartungsarbeiten überzeugen können. Ganz auf die Zusammenarbeit mit der Ukraine könne Moskau – beispielsweise bei der Generalüberholung der Triebwerke für die An-124 – allerdings nicht verzichten, meint er. Pantelejew erwartet daher einen Kompromiss.

Tatsächlich gab es in den vergangenen Monaten immer wieder inoffizielle Informationen darüber, dass Moskau und Kiew trotz aller politischen Differenzen unter der Hand über eine Wiederaufnahme der Kooperation bei den An-124-Großraumtransportern verhandeln. Kiews Klage vor der ICAO könnte daher vor allem als Mittel gedacht sein, die eigene Position in den Verhandlungen zu stärken - und diese zu beschleunigen.

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