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Umstrittener Lieferwagen Mercedes legt den Citan neu auf

Der Van galt als Streichkandidat. Nun bleibt er im Portfolio – auch um das Bündnis von Daimler mit Renault-Nissan am Leben zu halten.
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Der Mercedes Citan wird bei Renault in Maubeuge gebaut. Quelle: Reuters
Gebaut in Frankreich

Der Mercedes Citan wird bei Renault in Maubeuge gebaut.

(Foto: Reuters)

München Die Modellpalette von Daimler wächst unaufhörlich. Mehr als 40 Pkw und Vans hat der Mercedes-Hersteller mittlerweile im Angebot. Doch Konzernchef Ola Källenius will den Trend angesichts des derzeit knappen Kapitals in Stuttgart abmildern und die Ressourcen des Dax-Schwergewichts künftig „auf die vielversprechendsten Produkte und Technologien fokussieren“.

Soll heißen: Investiert wird nur noch in jene Modelle, die die beste Rendite versprechen. Längst nicht jedes Modell erhält einen Nachfolger. Underperformer wie der Pick-up X-Klasse werden aussortiert.

Ein weiterer logischer Streichkandidat im Daimler-Portfolio war eigentlich der Citan. In seiner jetzigen Form sei der Kastenwagen „grauenhaft“ und „nicht markenstärkend“, ätzt ein Daimler-Veteran: „Das ist kein Mercedes“.

Tatsächlich ist der Citan eng verwandt mit dem Renault Kangoo und das erste Fahrzeug, das im Herbst 2012 aus der strategischen Partnerschaft von Daimler mit Renault-Nissan hervorgegangen ist. Produziert wird das Modell im französischen Renault-Werk in Maubeuge.

Die Verkaufszahlen des Citan sind dürftig. Im ersten vollen Absatzjahr 2013 wurden lediglich 20.200 Stück ausgeliefert. 2018 waren es mit 26.300 nur um 6.100 Einheiten mehr. Ein Bestseller wie der Sprinter oder ein Wachstumstreiber wie die V-Klasse ist der Citan unter den Vans mit Sternenlogo ergo keineswegs.

Dennoch wird der Transporter jetzt neu aufgelegt. „Mercedes-Benz wird sein Engagement im Segment der Small Vans konsequent fortführen und hat in diesem Zuge den Nachfolger des Stadtlieferwagens Citan als Teil des Mercedes-Benz Vans Produktportfolios beschlossen – inklusive einer vollelektrischen Variante“, teilte Daimler am Freitag mit.

Die Entscheidung ist intern umstritten – auch deswegen, weil die Transportersparte die derzeit größte Baustelle von Daimler ist. Im Halbjahr steht ein operativer Verlust von 2,1 Milliarden Euro bei der Division in den Büchern. Marcus Breitschwerdt, seit Mai der neue Chef von Mercedes-Benz Vans, hat der Einheit ein Sparprogramm namens „Boost“ verordnet. Der Manager will Stellen und Hierarchieebenen streichen. Am Citan hält er aber fest – wenngleich mit einigen Änderungen.

„Produktpolitik goldrichtig“

Statt den Renault Kangoo wie bisher nachträglich zum Citan zu „mercedifizieren“ will Breitschwerdt den kleinen Kastenwagen künftig selbst entwickeln – mit einem „eigenständigen Äußeren“, wie der Manager betont. Schon beim ersten Hinsehen soll der neue Citan klar als Mercedes erkennbar sein. „Wir glauben an dieses Segment“, sagt Breitschwerdt. Anders als der Pkw-Geschäft boomt der Van-Sektor tatsächlich nach wie vor. Die Marktforscher von IHS prophezeien alleine in Europa ein Wachstum von mehr als fünf Prozent bis 2025.

Daimler will bei den Transportern weiterhin als Komplettanbieter auftreten. Neben dem Sprinter mit großer Ladekapazität sowie der V-Klasse und dem Vito im Mid-Size-Segment soll der Citan als kleiner Lieferwagen das Angebot der Sternenflotte abrunden.

Gerade für die Zustellungen von Onlinebestellungen binnen weniger Stunden (Same-day Delivery) brauche es kleine und kostengünstige Kastenwagen. „Hier glauben wir, dass wir mit der Fortsetzung unserer Produktpolitik goldrichtig liegen“, begründet Breitschwerdt den Entschluss, den Citan neu aufzulegen. Zudem sei das Modell für Betreiber von Mobilitätsdiensten eine „interessante Option“.

Mit dem Citan-Nachfolger hält Daimler seine Kooperation mit Renault-Nissan am Leben. Zuletzt war das Bündnis eher in Abwicklung begriffen. Beim Kleinwagen Smart kooperiert Daimler künftig mit dem chinesischen Autobauer Geely anstatt Renault und verlagert die Produktion nach Fernost. Die X-Klasse, die auf dem Nissan Navara basiert, ist ein Auslaufmodell. Und beim Hochlauf des Gemeinschaftswerks im mexikanischen Aguascalientes, in das Daimler und Renault-Nissan gemeinsam eine Milliarde Dollar investiert haben, prallen die unterschiedlichen Kulturen eines Massen- und Premiumhersteller aufeinander. Die Folge: Über Monate hinweg stimmten weder Stückzahlen noch Qualität.

Die Kooperation beim Citan zeigt nun, dass es zwischen Daimler und Renault-Nissan doch noch einen gemeinsamen Nenner gibt. Nur allzu groß ist er nicht.

Mehr: Die Transporter-Sparte ist die größte Baustelle von Daimler. Um wieder profitabel zu werden, will der neue Chef Breitschwerdt Stellen streichen.

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