Unerlaubte Preisabsprache „Schienenfreunde“ trafen sich im Bordell

Stahlhart haben Lieferanten und Deutsche Bahn-Mitarbeiter verhandelt – für 71.276 Euro im Rotlichtmilieu. Zuerst legten die Mitglieder des Schienenkartells die Preise fest, dann ging es in zwielichtigen Lokalen weiter.
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Der Frankfurter Hauptbahnhof. Die „Schienenfreunde“ trafen sich zu illegalen Preisabsprachen auch in Rotlicht-Etablissements. Quelle: dapd

Der Frankfurter Hauptbahnhof. Die „Schienenfreunde“ trafen sich zu illegalen Preisabsprachen auch in Rotlicht-Etablissements.

(Foto: dapd)

DüsseldorfDer Skandal um das Schienenkartell, bei dem Stahlhersteller um Voestalpine und Thyssen-Krupp Preise und Mengen auf dem deutschen Gleismarkt abgesprochen haben, erhält eine neue Dimension: Mitarbeiter der Stahlhersteller und Angestellte der Deutschen Bahn mehrfach zu Bordellbesuchen getroffen und vorher beim Abendessen die Preise abgesprochen, berichtet das Handelsblatt (Dienstagausgabe) unter Berufung auf einen Teilnehmer dieser Treffen.

Ein früherer Geschäftsführer der deutschen Voestalpine-Tochter von Voestalpine Kloeckner Bahntechnik hat in den Jahren von 2005 bis 2009 insgesamt 35 Abrechnungen über 71.276,24 Euro eingereicht. Das geht aus Urteilen des Landgerichts Duisburg hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Die Mitglieder des Kartell nannten sich „Schienenfreunde“.

Der Geschäftsführer hatte seinen früheren Arbeitgeber nach einer fristlosen Kündigung verklagt, unterlag aber unter Vorgericht. Im Zentrum der Abrechnungen stand das Berliner Nobelbordell „Bel Ami“.

Voestalpine und Plattes bestätigten die Existenz der Rechnungen. Beide betonten indes, dass diese nicht im Zusammenhang mit dem Schienenkartell stünden. Die Bahn und Thyssen-Krupp GfT Gleistechnik erklärten, sie hätten davon keine Kenntnis.

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hatte für seine Beteiligung an dem Kartell teuer bezahlen müssen. Das Bundeskartellamt verhängte im Juli ein Bußgeld in Höhe von 103 Millionen Euro gegen das Unternehmen. Die ebenfalls an dem illegalen Verbund beteiligten Firmen Vossloh und Voestalpine mussten dreizehn Millionen und 8,5 Millionen Euro an die Staatskasse zahlen. Die Firmen hatten über Jahre hinweg Preise und Mengen auf dem Schienenmarkt abgesprochen. Da sie geständig waren, fiel die Strafe geringer aus. Das abgeschlossene Verfahren betrifft das Kartell gegen die Deutsche Bahn, Europas größten Schienenkunden. Der Eisenbahnkonzern verlangt Schadensersatz von den Kartellbeteiligten.

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17 Kommentare zu "Unerlaubte Preisabsprache: „Schienenfreunde“ trafen sich auch im Bordell"

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  • Dann rufen Sie durch oder schreiben eine Mail. M. Murphy

  • Ich kopiere mal von bild.de, ein durchaus Interessanter Kommentar:Stanley Redmann • vor 7 Stunden

    Höchst interessant ist, dass bei der WAZ zwei Kommentare, die sich an den Journalisten David Schraven richten mit der berechtigten Frage, warum er sich von dem angeblichen Insider, der als sein Facebook-Freund Richard Pöllmann entlarvt wurde, so vor den Karren spannen und für diese Hetzkampange ausnutzen lässt, direkt zensiert und gelöscht wurden! Soviel zur Wahrheitsfindung bei der WAZ... hier geht es doch nicht um die Wahrheit, sondern um die Rache einen kleinen Mannes und Storys und Auflagen. Ich habe in meinem letzten, auch von der WAZ gelöschten Kommentar versprochen, diesen überall zu wiederholen...

  • Interessanter und realistischer als jede Vorabendserie...

    bei welchem Teil der Serie Kartelle sind wir jetzt eigentlich? Ach ja: Schienenkartell 1, Weichenkartell, Schienenkartell 2. Okay, dann fehlen noch die Schienen- und Weichenkartelle im restlichen Europa, und nicht zu vergessen, dann folgt ja noch Draht und Tubulars. Es ist an der Zeit, Rückstellungen zu bilden, damit die österreichischen Aktionäre keine all zu grosse Enttäuschung erleben!

  • Hey Herr Murphy,

    nur zur Info: Die richtig heissen Partys wurden von den Bossen aus Österreich gefeiert, falls sie Namen wollen, ICH hab welche...

  • Klarer Fall von Durchfall...

  • Ich versteh die Aufregung nicht, solche Läden sind Abend für Abend voll mit solchen Gästen, ob da nun die Bahn, Thyssen Krupp oder die Ergo "verkehrt" ist doch völlig egal, legal, scheissegal... Mir persönlich ist es lieber, sie machen solche Geschäfte "bei uns" als auf irgendner Hüpfburg, macht weniger blaue Flecken und hat definitiv mehr Stil, ausserdem leben wir von solchen Geschäften... Lieber ein Gläschen guten Champagner dazu, als ne Apfelschorle... Ich habe in den letzten Jahren mehr Leute ein- und ausgehen sehen als sich jeder von euch vorstellen kann, also macht doch nicht so einen Wind wegen ein paar "Schienenfreunden", das sind auch nur ein paar wenige von sehr, sehr vielen...

  • Solange Industrie- und Finanzmagnaten mit dem Rotlichtmilieu verwickelt sind, muss die Urbanität und Obszönität des öffentlichen Lebens zunehmen.
    Wer soll noch an Geschäftsmoral und soziales Gewissen glauben, wenn die Manager dort verkehren und sich obendrein erpressbar machen?

  • Das eigentlich Interessante wäre ja das Aktenzeichen der Verfahren beim Landgericht Duisburg - die Urteile dürften sich wohl wie ein schmieriger Krimiroman lesen lassen. Danke im Voraus an den Verfasser!

  • Was ist neu an der Meldung? Auftraggeber der Bahn und anderer
    öffentlichen Auftraggeber wurden doch schon immer und seit
    Jahrzehnten in irgendwelche Etablissements eingeladen.

  • das ist ganz normal und gehört, genauso wie sonstige Korruptionen, zum Geschäftemachen dazu. Das fängt im kleinen an (Geschenke, Zuwendungen) und fördert das Zusammenleben.

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