Unkrautvernichter Kläger im Glyphosat-Prozess gegen Bayer-Tochter Monsanto akzeptiert niedrigeren Schadenersatz

Dewayne Johnson macht Monsanto-Mittel für seine Krebserkrankung verantwortlich. Nun stimmte er einer deutlich reduzierten Schadenersatzsumme zu.
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Unter anderem dieser Unkrautvernichter soll bei Dewayne Johnson Krebs verursacht haben. Quelle: dpa
Roundup

Unter anderem dieser Unkrautvernichter soll bei Dewayne Johnson Krebs verursacht haben.

(Foto: dpa)

Frankfurt/New YorkDer erste Glyphosat-Prozess gegen Bayer in den USA ist vorerst beendet. Kläger Dewayne Johnson, der unheilbar an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist und Produkte der Konzern-Tochter Monsanto dafür verantwortlich macht, hat eine niedrigere Strafzahlung akzeptiert.

Johnsons Anwälte teilten am Mittwoch mit, ihr Mandant stimme der Absenkung des Schadenersatzes von 289 Millionen Dollar auf rund 78 Millionen Dollar zu. Der ehemalige Platzwart war 2016 vor Gericht gezogen, weil er während seiner Tätigkeit an einer kalifornischen Schule jahrelang mit Monsanto-Mitteln hantiert hatte und den darin enthaltenen Unkrautvernichter Glyphosat als Grund für seine Krebserkrankung sieht.

Monsanto und Bayer verweisen ihrerseits auf „mehr als 800 wissenschaftliche Studien, die US-Umweltbehörde EPA, die Nationalen Gesundheitsinstitute und Aufseher weltweit“, die den Unternehmen zufolge besagen, dass Glyphosat keine Krebsrisiken birgt. Die WHO hatte die Chemikalie allerdings 2015 als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft.

Monsanto war im August von einem Gericht zunächst zu einer Zahlung von 289 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt worden. Vor anderthalb Wochen lehnte die zuständige Richterin Suzanne Bolanos die Forderung von Monanto nach einem neuen Prozess ab. Zugleich erklärte sie aber, der Schadenersatz müsse von 289 Millionen auf 78 Millionen Dollar reduziert werden.

Für Bayer ist die Strafminderung nur auf den ersten Blick ein Erfolg. Denn damit hatte Bolanos das Urteil der Jury vom August nicht vollständig gekippt. Stattdessen bestätigte sie damit indirekt, dass sich vor Gericht ein Zusammenhang zwischen dem Unkrautvernichter und Krebserkrankungen durchsetzen lässt.

Als Reaktion auf das Urteil vor anderthalb Wochen verlor die Bayer-Aktie 9,5 Prozent und fiel damit auf ein Fünfjahrestief von etwa 69,27 Euro je Aktie. Viele Analysten und Investoren betrachteten die Kursreaktion zwar als überzogen, stellten aber auch die Frage, ob der Kaufpreis von mehr als 60 Milliarden Dollar für Monsanto angesichts der möglichen Reputationsschäden nicht zu hoch war.

Insgesamt waren Ende August in den USA 8700 Klagen im Zusammenhang mit Glyphosat gegen Bayer anhängig. Die Zahl dürfte weiter zunehmen, nachdem das Urteil der Jury im ersten Prozess jetzt erst einmal bestätigt wurde.

Um das Urteil anzufechten, muss Bayer nun den deutlich aufwendigeren Weg einer Berufung beim California Court of Appeal gehen. Dieses Verfahren wiederum dürfte nach Einschätzung von Fachleuten mindestens ein Jahr dauern, womöglich sogar deutlich länger.

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