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Unternehmensanleihen Ratingagentur warnt: Anleihegläubigern drohen hohe Ausfälle

Moody's rechnet damit, dass dieses Jahr Papiere im Wert von 174 Milliarden Dollar in Schwierigkeiten geraten. Besonders betroffen: der Einzelhandel und die Autobranche.
15.04.2020 - 18:57 Uhr Kommentieren
Modehändler zählen zu den gefährdeten Corona-Opfern. Quelle: Reuters
Esprit-Shop in Hongkong

Modehändler zählen zu den gefährdeten Corona-Opfern.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Das durch Corona verursachte Risiko für internationale Anleihegläubiger bekommt erstmals eine Hausnummer: Konzernanleihen in einer Gesamthöhe von mehr als 174 Milliarden US-Dollar, gab die Ratingagentur Moody‘s am Mittwoch bekannt, zählen aktuell zu den von der Epidemie bedrohten Finanztiteln.

Diese Zahl entspricht den ausstehenden Anleihen jener 25 Prozent der von Moody‘s mit spekulativ („Non-Investment-Grade“) bewerteten Großunternehmen, die durch behördliche Anordnungen einen Großteil ihrer laufenden Einnahmen verloren haben: Allen voran der Nonfood-Einzelhandel, gefolgt von der Autobranche bis hin zum Freizeit- und Gastronomiegewerbe.

Indirekt betroffen sei außerdem die Energiebranche, die für weitere 2,4 Prozent der weltweit emittierten Konzernbonds steht. Ihnen verhagelt der Ölpreis-Schock in diesen Tagen das Geschäft.

„Wir werden zudem einen Ansteckungseffekt in weiteren Branchen sehen“, warnt Moody‘s-Geschäftsführerin Jeanine Arnold. Unternehmensdienstleister, Chemieunternehmen und Rohstoffanbieter seien als Zulieferer einem hohen Risiko ausgesetzt.

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    Selbst der Telekommunikationssektor, der durch die Coronakrise momentan kaum berührt wird, könnte zeitversetzt in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier gebe es üblicherweise eine Korrelation zwischen Umsatzentwicklung und Bruttosozialprodukt, beobachtet Moody‘s. Mit dem „beispiellosen Schock“ für die Wirtschaft der G20-Länder, erwartet man dort, werden die Telekom-Umsätze schrumpfen – jedoch um ein Jahr zeitversetzt.

    Dass die größten Ausfälle aus dem Nonfood-Einzelhandel zu befürchten sind, ahnen Investoren nicht erst seit den Schutzschirmverfahren für den Ratinger Modehändler Esprit und den Essener Warenhauskonzern Karstadt Kaufhof. Auch ein Blick auf die jüngsten Meldungen der Ratingagentur Standard & Poor‘s bestätigen die Sorge.

    Allein in den vergangenen zwei Wochen stufte sie in diesem Sektor Branchengrößen wie Fossil, Levi Strauss, das US-Warenhaus Neiman Marcus und den britischen Modehändler Matalan herab – sämtliche nun mit einem Non-Investment-Grade. Den letzten beiden bescheinigte S&P mit einem „CCC“-Rating sogar eine akute Gefahr eines Zahlungsverzugs. Selbst die Hotelketten Hilton und Wyndham, die dank Corona zu Ostern ebenfalls ein spekulatives „BB“ bekamen, halten sich im Vergleich dazu noch stabil.

    Rasante Abwärtsfahrt

    Für Bondzeichner hat sich die Lage in einem ungeheuren Tempo zugespitzt. Unter den spekulativen europäischen Anleihen – also ab einem Rating von „Ba1“ abwärts – werde es bis zum Jahresende zu einem Ausfall von 7,8 Prozent kommen, erwartet Moody‘s. Bis zum März 2021 könnten es sogar acht Prozent werden. In den zwölf Monaten bis März 2020 hatte die Ausfallquote dagegen bei gerade einmal 1,7 Prozent gelegen.

    Zwischen Anfang März 2020 und 9. April kassierten 22 Prozent aller von Moody‘s als „spekulativ“ bewerteten Unternehmen eine Abwertung. Insbesondere bei Unternehmen aus dem Einzelhandel und der Automobilbranche ging es dabei vielfach um gleich mehrere Stufen nach unten.

    „Hinzu kommt, dass die Coronakrise die Kluft zwischen relativ finanzstarken und finanzschwachen Unternehmen deutlich vergrößern wird“, warnt Moody‘s-Managerin Arnold. So gab es bei den als moderat spekulativ („Ba“) eingestuften Emittenten zwischen Anfang März und 9. April lediglich drei Abwertungen, die mehr als einen Zähler ausmachten, bei den schlechteren Bonitätswerten („B“ und darunter) dagegen 33.

    Spekulative Emittenten hätten tendenziell schwächere Marktpositionen, seien geografisch stärker festgelegt und auf weniger Kunden und Lieferanten konzentriert, nennt Moody‘s den Grund. In einigen Fällen käme bei ihnen ein höherer Fixkostenanteil hinzu, was die betriebliche Flexibilität beschränkt. Das erschwere es ihnen, auf die nun plötzlich und unvorhergesehenen Beschränkungen zu reagieren.

    Unternehmen mit einem Investment-Grade hätten dagegen üblicherweise besseren Zugang zu Finanzierungsquellen, oft auch zu Eigenkapital. Hinzu kämen vielfach Hebel, um den Mittelabfluss zu begrenzen – etwa durch Dividendenkürzungen oder die Rückstellung von Investitionen.

    Solche Bedingungen zählen derzeit nicht zuletzt bei staatlichen Hilfsprogrammen. In Großbritannien etwa hält die Regierung das Hilfsprogramm CCFF ausdrücklich für Investment-Grade-Unternehmen bereit. In anderen Ländern, darunter Deutschland, müssen die Banken für einen Teil der Staatskredite bürgen. Das limitiere die Aussichten für Unternehmen, die schon vor der Coronakrise als „spekulativ“ gewertet wurden, glaubt man bei Moody‘s. Den Reiseveranstalter Tui, der einen 1,8 Milliarden Euro schweren KfW-Kredit erhalten hat, sei hier eine Ausnahme.

    Mehr: Mit Daimler, BMW und Ford hat es die ersten getroffen: Die Coronakrise sorgt dafür, dass Ratingagenturen die Autokonzerne herabstufen. Es kann weiter abwärts gehen.

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