Unternehmer für Romney Wie US-Firmen ihre Mitarbeiter zur Wahl drängen

Wenn der Chef bestimmt, wen man zu wählen hat: Reiche Unternehmer in den USA mobilisieren Zehntausende Mitarbeiter gegen Präsident Obama. Sie sagen den Angestellten offen, wie sie abstimmen sollen – und drohen mit Konsequenzen.
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Ein Plakat wirbt für den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney in Columbus, im US-Bundesstaat Ohio. Quelle: AFP

Ein Plakat wirbt für den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney in Columbus, im US-Bundesstaat Ohio.

(Foto: AFP)

New York David Siegel ist ein Mensch, bei dem nicht sofort klar ist, warum man ihn bemitleiden sollte. Der 77-Jährige aus Florida ist durch Ferien-Immobilien zum Multimillionär geworden und zeigt sich gerne in goldverzierten Sesseln mit seiner 31 Jahre jüngeren Ehefrau. Zurzeit lässt er für 100 Millionen Dollar in der Nähe von Orlando einen Wohnpalast namens „Versailles“ hochziehen, der dem Pariser Schloss ähnelt. Es ist nach eigenen Angaben der teuerste und mit 8.400 Quadratmetern größte Amerikas.

Dennoch treiben auch einen wie Siegel große Sorgen um. „Wir wachsen nicht mehr“, sagte der Gründer der privaten Timesharing-Firma Westgate vergangene Woche mehreren Fernsehsendern. Vor vier Jahren habe sein Unternehmen noch mit 20 Prozent pro Jahr zugelegt und 12.000 Mitarbeiter beschäftigt. Nun seien es nur noch 7.000. Schuld sei aber nicht die Immobilien- und Wirtschaftskrise, sondern nur einer: US-Präsident Barack Obama mit seiner „verfehlten Politik“. 

Damit das nicht noch vier Jahre so weiter geht, setzte Siegel vergangene Woche eine E-Mail an alle seine Mitarbeiter auf. Darin drohte er ganz unverhohlen mit Entlassungen, sollte Obama im November wiedergewählt werden.

„Sollten neue Steuern für mich oder meine Firma anfallen, wie sie der Präsident plant“, schrieb der Selfmade-Mann, „habe ich keine andere Wahl als dieses Unternehmens weiter zu verkleinern.“ Er arbeite hart für die Zukunft von Westgate, habe seine Ausgaben zurückgefahren und seine Kinder aus der Privatschule nehmen müssen. Künftig werde er kein System mehr unterstützen, „das die Produktiven bestraft und den Unproduktiven gibt“, heißt es in dem Schreiben, das der Website „Gawker“ zugespielt wurde und dessen Echtheit Siegel bestätigte.

Der Unternehmer nennt seinen Wunsch-Kandidaten, Obamas Herausforderer Mitt Romney, zwar nicht beim Namen. Aber wer die längliche E-Mail liest, dem dürfte klar sein, was der Chef von ihm bei der Wahl am 6. November erwartet.

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24 Kommentare zu "Unternehmer für Romney: Wie US-Firmen ihre Mitarbeiter zur Wahl drängen"

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  • Leute,was regt ihr euch auf?
    1. Normalerweise geht man immer allein in die Wahlkabine, und kein Chef/Firmenboss schaut einem über die Schulter, wenn man sein Kreuzchen macht, auch nicht an der Wahlmaschine, oder? Also kann keiner Zwang ausüben auf das Wahlverhalten des Einzelnen.
    2. nota bene: Die Stimme des millionenschweren Siegel/Trump oder sonst wer, zählt am Ende auch nicht mehr, als die eines Mr. H. Simpson!!(Von dessen Sorte es 3. Wer glaubt im Ernst, dass ein eingefleischter Kapitalist, so raffgierig wie ihr ihn einschätzt, nur wegen eines ihm nicht genehmen Wahlausgangs plötzlich vom zwanghaften Geldhorten abläßt, und vom "Ausbeuter" zum Gutmenschen wird, der seine Sklaven in Ruhe läßt!?

  • „Wir wachsen nicht mehr…“ – Ist doch klar wenn man die Angestellten am Hungertuch nagen läst.
    „Er arbeite hart für die Zukunft von Westgate…“ - Nein, er lässt hart arbeiten von seinen Angestellten.
    Hire and Fire! Es lebe der amerikanische Traum!
    „Ich bin wie eine Mutter“… - Heiß hier: Wie fülle ich meine Taschen. Und „Ich weiß, was gut für ihre Zukunft ist.“… - Heißt: Hauptsache mein Säckel ist voll. Ole, es lebe die Demokratie!
    Das ist die Postausgeburt der Sklavenhaltung. Sklaven sind nicht mehr die „Schwarzen“, nein Sklaven sind postmodern die Angestellten und Arbeiter. Dem Amerikaner, der das nicht verstanden hat, ist nicht mehr zu helfen! Wer nicht verstanden hat was ich meine, der lese die Tribute von Panem!

  • "Traurig, warum erinnern sich die AMerikaner nicht an die Clinton Ära, der Haushalt war ohne Schulden..."

    Ja.
    Die spanische Staatsschuldensituation war vor kurzem aus dem selben Grund auch noch besser als z.B. die deutsche...

    Greenspan, Fanny, Freddie ...

    Die Wall-Mart "buy-and-sell-Ökonomie" führt unweigerlich in die Überschuldung.

    Und wettbewerbsfähiger werden die USA weder unter der einen - noch unter der anderen Marionette.

    ... bei der einen ist vermutlich die Kriegsgefahr noch einen Deut höher...

  • Man kann nur hoffen dass der Anfang vom Ende dieser Art Kapitalisten angebrochen ist. Selbstherrliche Subjekte, gierig und ohne jede Ethik oder gar soziales gewissen. Sie sind die Ursache der Fehlentwicklungen der letzten 30 Jahre, deren Konsequenzen wir heute spüren, Von Allmachtsgefühlen, Hass, Häme, Anmaßung und, daraus resultierenden pathologischen Geltungsdrang (durch Minderwertigkeitskomplexen hervorgerufen) getrieben und ohne jeden Wert für die Gesellschaft. Aber es gab und gibt, heute im kleineren Rahmen, sehr wohl auch den anderen Typus Kapitalist. Der korrekte und intelligente, zudem fähige, mit einem hohen sozialen Gewissen, der zudem begreift dass nur durch gerechte Verteilung ein langanhaltender allgemeiner Wohlstand und damit eine in sich harmonische Gesellschaft, gesichert ist. Ihm ist protzen völlig fremd, sehr wohl ist er aber der Liebe und des Genusses (Wertschätzung) fähig. Es ist also keine Frage vom System, ob Kapitalismus, Sozialismus oder was auch immer, sondern viel mehr wer, in gewissen geschichtlichen Abschnitten, die Entscheidungsgewalt inne hat.

  • @PrOdigy: Sie beklagen, dass amerikanische, russische, chinesische Unternehmen hier Anteile an Unternehmen erwerben, kurz gesagt ihren Einfluß in Europa und im Markt erweitern? Ich wiederhole mich gerne noch einmal: Während dieses schon vor Jahren begonnen hat, und auch die Chinesen den Markt für seltenen Erden förmlich aufgesogen haben, wurden von rot und grünlackierten Glaubensjüngern und Weltverbesserern weitreichende Gesetze wie das Nichtraucherschutzgesetz, Antidiskriminierungsgesetz und noch mehr unnötiger Mist verabschiedet. Warnungen gegen das Vorgehen der Chinesen wurden als national-chauvinistisch vom Tisch gefegt.

  • Okay, Romney ist suboptimal, aber Obama ist es auch. Kaum eines seiner Versprechen hat er gehalten, zum Kriegstreiber ist er ebenso wie sein Vorgänger geworden, die Umwelt ist ihm ebenso schnuppe wie Romney. Das Einzige, was er als Neuerung auf den Weg gebracht hat, ist die Krankenversicherung für alle, ohne jedoch entsprechende Maßnahmen auf der Anbieterseite einzuleiten. Und was nützt einem eine Krankenversicherung, wenn man, wie z.B. immer mehr deutsche Krankenversicherte, die wirklich gewünschten Leistungen privat bezahlen muss, dank Fallpauschalen viel zu früh und "blutig" nach OPs und Unfällen entlassen wird und dann sehen kann, wie man klarkommt, oder als Kassenpatient Leistungen erst nach monatelangen Wartezeiten oder gar nicht bekommt? Und Wahlbeeinflussung gibt's auch bei uns, z.B. durch die Medien, die Gestalten wie den Krisenverursacher Steinbrück zum Kanzlerkandidaten hochjubeln. Also.

  • Kann ja auch sein, daß er sich seinen Nachwuchs mal genau angesehen hat und zu dem Ergebnis kam: Da hilft auch keine Privatschule mehr ;-)Das Geld kann ich besser anlegen!

  • Bitte gehen sie mal in die Opnionseite der Washington Post und lesen Sie die leftleaning Seiten.
    Dort wird schon ueber Klassenkampf geraetselt.
    Die Amis lassen sich viel gefallen aber nicht mehr alles.
    Der Mittelstand hat dort immer noch etwas ,aber leider immer weniger zu sagen.
    Irgendwann wird es mal zu viel.
    Die Zeiten der grossen Rezession und der Dustbowl gehen nicht ungeschehen vorueber.
    Leider ist jetzt kein FDR am Ruder,sondern eben Politiker die immer nach ihrer Waehlerschaft und dem Geld schauen muessen.
    Hoffentlich fliegt das Geld mal aus der Politik.man kann es nur wuenschen.

  • Bitte gehen sie mal in die Opnionseite der Washington Post und lesen Sie die leftleaning Seiten.
    Dort wird schon ueber Klassenkampf geraetselt.
    Die Amis lassen sich viel gefallen aber nicht mehr alles.
    Der Mittelstand hat dort immer noch etwas ,aber leider immer weniger zu sagen.
    Irgendwann wird es mal zu viel.
    Die Zeiten der grossen Rezession und der Dustbowl gehen nicht ungeschehen vorueber.
    Leider ist jetzt kein FDR am Ruder,sondern eben Politiker die immer nach ihrer Waehlerschaft und dem Geld schauen muessen.
    Hoffentlich fliegt das Geld mal aus der Politik.man kann es nur wuenschen.

  • Ja solche Typen gibt es bei und zu Hauf.
    Darf ich an den Donald Trump oder Larry Ellison erinnern.
    Die koennen gar nicht genug von sich und Ihren Heldendaten reden,die Yachten ,Hotels oder jetzt das Versaille gehoeren eben dazu.
    Das sind nur einige wenige.
    Aber es gibt auch Warren Buffett ,der 50% seines Vermoegens an die Gates Stiftung ueberschrieb.
    Ob diese Typen all ihren Mitarbeitern drohen ,das der Praesident ihr Ruin ist weiss ich nicht,aber das ist eben die USofA.
    Det Hype und die Egowand gehoert dazu.
    Das gehabe von Hr Siegel und seiner Entourage ist einfach laecherlich ,denn bald kann seine Frau nicht mehr den grossen Privatjet fliegen.
    Das ist alles dumpe Propaganda fuer Mitt,wird vieleicht bewundert oder meist auch nur belaechelt.
    Manche nehmen das vieleicht auch ernst aber mir kommen nur die Traenen ueber den verarmten Multi.
    Hoffentlich geht solch ein Gehabe als Schuss nach hinten los, Mr Trump wird ja als loose cannon angesehen,da duerfte auch Mr Siegel dazu gehoeren.
    Hoffentlich richtet er noch mehr Schaden an mit seinem Geschwaetz.

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