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Ursula Gather Thyssen-Krupp-Mitarbeiter rechnen mit Chefin der Krupp-Stiftung ab

Der Abgang von Vorstandschef Hiesinger führt zu Aufruhr unter den Mitarbeitern. Im Intranet rechnen sie mit der Chefin des Großaktionärs ab.
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Thyssen-Krupp: Mitarbeiter fordern Ursula Gather zum Rücktritt auf Quelle: Imago
Ursula Gather

Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen die Vorsitzende der Krupp-Stiftung.

(Foto: Imago)

DüsseldorfEs ist eine bittere Abrechnung. „Wir, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Thyssen-Krupp AG sind traurig, enttäuscht und wütend“, beginnt ein Brief, der am Freitag im Intranet des Essener Stahlkonzerns verbreitet wurde.

„Traurig, weil wir einen aufrechten, gerechten und hochangesehenen Firmenchef verloren haben. Enttäuscht, weil die Stiftung in ihrem Kernauftrag, das Erbe von Alfried Krupp zu wahren, versagt hat. Wütend, weil Sie persönlich den Mann, den Berthold Beitz zur Rettung unseres Unternehmens geholt hat, nicht so unterstützt haben, wie er es verdient gehabt hätte.“

Adressatin des Briefes ist Ursula Gather. Die Rektorin der Technischen Universität Dortmund amtiert seit Oktober 2013 als Kuratoriumsvorsitzende der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Diese hält 21 Prozent der Anteile an Thyssen-Krupp. Gather hat in dieser Funktion auch einen Sitz im Aufsichtsrat. Die Mitarbeiter werfen ihr nun vollkommenes Versagen vor.

„Sie haben in Ihrer beispiellosen Ignoranz dem Treiben feindlicher Investoren zugeschaut und sich seit dem Tod von Berthold Beitz nicht ein einziges Mal öffentlich zu Heinrich Hiesinger und seiner Unternehmenspolitik bekannt. Das ist beschämend“, schreiben die Autoren und stellen die Frage: „Was hätte Herr Beitz getan, wenn Heuschrecken das Unternehmen bedrohten? Er hätte mit Sicherheit nicht gegen das eigene Unternehmen gearbeitet.“

Tatsächlich wird Thyssen-Krupp aktuell von Finanzinvestoren wie Elliott und Cevian attackiert, die eine Aufspaltung des Konzerns forderten. Zuletzt kritisierten die US-Hedgefonds öffentlich die von Vorstandschef Heinrich Hiesinger ausgehandelte Fusion des Stahlgeschäfts mit der indischen Tata-Gruppe. In der Aufsichtsratssitzung vor einer Woche stimmten mehrere Aufsichtsräte gegen den Deal.

Anschließend trat Hiesinger zurück und begründete seinen Schritt unter anderem mit dem Satz: „Ein gemeinsames Verständnis von Vorstand und Aufsichtsrat über die strategische Ausrichtung des Unternehmens ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmensführung.“

Apathische Führung in den Schicksalstagen des Konzerns

Größter Aktionär von Thyssen-Krupp ist die vom Unternehmenspatriarchen Berthold Beitz ins Leben gerufene Stiftung. Ausgerechnet deren Führung verhält sich in den Schicksalstagen des Konzerns aber apathisch, klagen die Mitarbeiter. Sie werfen Ursula Gather völliges Desinteresse an dem Unternehmen vor, das sie beaufsichtigen soll.

Angeblich wollte Gather sogar zu der Aufsichtsratssitzung am Freitag gar nicht erscheinen, weil sie lieber an der Verabschiedung einer befreundeten Professorin in Berlin teilnehmen wollte. Gather kam schließlich doch zur Sitzung, blieb aber wirkungslos. Die Ära Hiesinger ist beendet – sehr zum Ärger der Mitarbeiter.

„Berthold Beitz Todestag jährt sich in diesem Monat zum fünften Mal“, schreiben sie in ihrem Brief. „Heinrich Hiesinger hat ihm versprochen, Thyssen-Krupp zu retten. Herr Hiesinger hat Wort gehalten. Ohne ihn gäbe es das Unternehmen nicht mehr. Umso erschütternder ist es, dass ausgerechnet die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung das Wohl des Unternehmens leichtsinnig gefährdet.“

Gather habe deshalb ihre Aufgabe verfehlt. „Wir erinnern uns mit Wehmut an Berthold Beitz, für den es immer selbstverständlich war, sich auch öffentlich zu bekennen und Partei zu ergreifen. Er hat auch in schwierigen Zeiten immer ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Das können wir von der heutigen Krupp-Stiftung nicht mehr ansatzweise sagen. Unser Vertrauen ist nicht nur erschüttert – es ist weg.“

Der Brief verbreitete sich am Freitag wie ein Lauffeuer unter der Belegschaft und war kurz nach Erscheinen bereits hundertfach weiterempfohlen. Er endet mit dem Aufruf an Gather, sie möge gehen: „Vielleicht gibt es noch einmal einen Neustart mit der Stiftung. Mit Ihnen, Frau Professor, wird es ihn nicht geben.“

Die Stiftung wollte sich zu dem Brief nicht äußern. Im Hinblick auf Hiesingers Rücktritt teilte Gather allerdings mit: „Die Stiftung und auch ich persönlich haben Herrn Hiesinger stets unterstützt, die Vorschläge des Vorstands begrüßt und sie in den Entscheidungen mitgetragen.“

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