Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

US-Autobauer Chrysler sucht dringend Partner

Der angeschlagene amerikanische Autobauer Chrysler versucht, seine Zukunft durch Allianzen mit europäischen und japanischen Autokonzernen abzusichern. Am Dienstag hat das Unternehmen verkündet, zusammen mit dem japanischen Hersteller Nissan Kleinwagen und Pick-ups zu produzieren. Bald könnte eine weitere Kooperation hinzukommen.

STUTTGART/DÜSSELDORF/MAILAND. Dazu könnte bald noch der Bau eines Alfa-Romeo-Modells für den Markteintritt der Italiener in Nordamerika kommen. Branchenkreisen zufolge sollen die Verhandlungen mit der sportlichen Fiat-Tochter vorangehen. Chrysler gehörte fast zehn Jahre zu Daimler. Im vergangenen Jahr trennten sich die Stuttgarter von dem US-Autobauer, der Milliardenverluste macht. Der amerikanische Finanzinvestor Cerberus übernahm Chrysler, Interessenten aus der Branche war der Deal zu riskant. Der drittgrößte US-Autobauer steht vor gewaltigen Herausforderungen, Cerberus streicht bereits Tausende Stellen. Statt eine gemeinsame Kleinwagen-Plattform mit der Daimler-Tochter Mercedes zu nutzen, ist Chrysler nun auf die Zusammenarbeit mit Konkurrenten angewiesen. Ein Kooperationsversuch mit dem chinesischen Autobauer Chery scheiterte.

"Das Knüpfen der richtigen taktischen Partnerschaften ist für den langfristigen Erfolg von Chrysler ganz entscheidend", sagte Chryslers Produktions-Chef Tom LaSorda nach der Bekanntgabe der Vereinbarung mit Nissan am Firmensitz in Detroit.

Die Japaner werden für Chrysler einen Kleinwagen in ihrem Heimatland bauen. Die Amerikaner werden für Nissan einen Pick-up-Truck für den US-Markt in Mexiko produzieren. "Es könnte auch noch weitere Partnerschaften mit anderen Herstellern geben", sagte eine Chrysler-Sprecherin dem Handelsblatt. Den Bau von Alfa Romeos bezeichnete sie als "Spekulation".

"Solche pragmatischen Kooperationen sind unter den gegebenen Umständen für Chrysler der beste Weg, die Kapazitäten auszulasten", sagt Autoexperte Engelbert Wimmer von PA Consulting. Die Autobauer reduzierten damit nicht nur ihre hohen Kosten, sondern hielten gleichzeitig ihr Händlernetz lebensfähig. "Die Chrysler-Händler müssen den US-Kunden dringend neue Modelle bieten, um den Absatz anzukurbeln", sagt Wimmer.

Allianzen gelten in der Autobranche nach mehreren gescheiterten Übernahmen und Fusionen wie im Fall von Daimler und Chrysler, BMW und Rover oder GM und Fiat als Königsweg, um die hohen Kosten für neue Modelle und Technologien zu schultern. Ein neues Automodell schlägt schnell mit mehr als einer Milliarde Euro zu Buche.

Fiat wollte auf Anfrage lediglich Gespräche mit Chrysler bestätigen. Konzernchef Sergio Marchionne spricht nach eigenen Angaben mit den drei großen US-Herstellern Chrysler, Ford und General Motors (GM) immer wieder über verschiedene Optionen. Fiat will mit Alfa Romeo den US-Markt erobern. Angesichts des schwachen Dollar-Kurses soll mindestens ein Modell vor Ort produziert werden.

Nissan teilt in einer engen Allianz Fabriken und Plattformen mit seinem dominierenden französischen Großaktionär Renault. Die beiden Unternehmen werden in Personalunion von Carlos Ghosn geführt. Ghosn hat mit Chrysler nun endlich einen Partner für Nissan im schwierigen US-Markt gefunden. Bereits im Januar hatten beide Unternehmen vereinbart, dass die Japaner ab 2009 ihr Kompaktmodell Versa an Chrysler zum Verkauf in Südamerika liefern. Zuvor waren Gespräche mit Branchenführer GM gescheitert, weil der US-Konzern trotz Milliardenverlusten eine Sanierung im Alleingang bevorzugte.

Chrysler baut zudem auf Basis seines Voyager in Kanada einen Minivan für Volkswagen. Den will VW ab Herbst unter dem Namen Routan anbieten. Mindestens 45 000 Stück sollen im ersten Jahr verkauft werden.

Chryslers Leidensweg

Trennung: Im August 2007 gab Daimler die Mehrheit an der chronisch kranken US-Tochter Chrysler an die Beteiligungsfirma Cerberus ab. Erstmals seit 50 Jahren zogen Finanzinvestoren ins Automekka Detroit ein. Über sein Timing freut sich Daimler-Chef Dieter Zetsche noch heute: Nur eine Woche später wäre der Deal wegen der Kreditkrise nicht mehr möglich gewesen. Wie prekär die Situation auf dem US-Markt ist, zeigen die Absatzzahlen in der Grafik. Allein in den ersten 60 Tagen nach der Trennung brachen die Chrysler-Verkäufe um über 15 Prozent ein.

Sparkurs: Der neue Chrysler-Chef Robert Nardelli spart rigide. Tausende Beschäftigte müssen gehen. Im Sommer wird er für zwei Wochen das Unternehmen komplett stilllegen, um Kosten zu senken und die Sanierung zu forcieren.

Startseite
Serviceangebote