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US-Autobauer Ford will 5000 Arbeitsplätze in Deutschland streichen

Der US-Autobauer treibt den Jobabbau voran – in Deutschland. Unklar ist, welche Standorte wie stark betroffen sind. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.
Update: 17.03.2019 - 18:38 Uhr Kommentieren
Der US-Autobauer Ford will in Deutschland 5000 Arbeitsplätze abbauen. Quelle: dpa
Ford

Der US-Autobauer Ford will in Deutschland 5000 Arbeitsplätze abbauen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFord macht Ernst mit seinem im Januar angekündigten Sparkurs für das verlustträchtige Europa-Geschäft. Allein in Deutschland soll die Zahl der Beschäftigten um 5 000 reduziert werden. An den drei deutschen Standorten in Köln, Saarlouis und Aachen kommt Ford auf etwa 24.000 Mitarbeiter. Das heißt, dass jeder fünfte deutsche Ford-Beschäftigte gehen soll. Auch den britischen Mitarbeitern ist am vergangenen Freitag angekündigt worden, dass ein groß angelegter Stellenabbau bevorsteht.

Alle deutschen Ford-Beschäftigten sind am vergangenen Freitag per Brief vom Unternehmen darüber informiert worden, dass Tausende Stellen gestrichen werden sollen. Ausgangspunkt sind die anhaltenden Verluste bei Ford in Europa. Allein im vergangenen Jahr verbuchte der Konzern für sein europäisches Geschäft ein Minus von fast 400 Millionen US-Dollar. Der Großteil der Beschäftigten konzentriert sich auf die beiden Länder Deutschland und Großbritannien.

„Diese Ankündigung ist Teil der bereits im Januar begonnenen Restrukturierung für Ford in Europa mit dem Ziel, schnellstmöglich wieder zu einem profitablen Geschäft zurückzukehren“, sagte ein Ford-Sprecher auf Anfrage. Fallen 5.000 Stellen in Deutschland weg, könnte das Unternehmen künftig jährlich etwa 500 Millionen Euro bei den Personalausgaben sparen.

Ford will nach eigenen Angaben auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Für jüngere Beschäftigte unterhalb der Altersgrenze von 50 Jahren sollen Abfindungspakete aufgelegt werden. Oberhalb dieser Grenze plant der deutsche Teil des US-Konzerns mit Frühverrentung und Programmen zur Altersteilzeit. Bei betriebsbedingten Kündigungen müsste Ford mit massiven Protesten vonseiten des Betriebsrats und der IG Metall rechnen: Bis zum Frühjahr 2022 gilt für alle deutschen Standorte eine Beschäftigungssicherung.

Ford ließ offen, wie sich die 5.000 wegfallenden Arbeitsplätze auf die drei deutschen Standorte verteilen werden. 18.000 Menschen arbeiten in der Zentrale in Köln, 6.000 im Werk Saarlouis und rund 200 im Forschungszentrum in Aachen. Das Unternehmen wolle jetzt erst einmal abwarten, wie die Belegschaft auf den Vorschlag zum Stellenabbau reagiere, ergänzte ein Ford-Sprecher. Wenn die endgültige Zahl der wegfallenden Arbeitsplätze feststehe, werde das Unternehmen darauf mit einer entsprechenden Änderung der gesamten Organisation reagieren.

Die britischen Beschäftigten haben Ende vergangener Woche ein ähnliches Schreiben bekommen wie ihre deutschen Kollegen, mit dem Ford ihnen ebenfalls eine vorzeitige Aufhebung der Arbeitsverträge nahelegt. Für den britischen Konzernteil nennt das Unternehmen allerdings keine konkrete Zahl für den geplanten Stellenabbau. Bei Ford in Spanien, wo der US-Konzern ebenfalls ein größeres Werk betreibt, ist ein Stellenabbau nicht ausgeschlossen. Nur im rumänischen Ford-Werk dürfte wegen des niedrigen Lohnniveaus vergleichsweise wenig passieren. In ganz Europa kommt Ford aktuell auf etwa 53.000 Mitarbeiter. Werden die deutschen Sparvorgaben auf das gesamte europäische Geschäft übertragen, müssten mehr als 10.000 Beschäftigte gehen, um etwa eine Milliarde Euro einzusparen.

Die jetzt veröffentlichten Planzahlen für einen Stellenabbau kommen für die Ford-Beschäftigten nicht überraschend. Schon Mitte Januar hatte Europa-Chef Steven Armstrong einen umfassenden Umbau angekündigt. Ford könne sich die anhaltenden Verluste in Europa nicht mehr erlauben und müsse gegensteuern. Nicht nur mit dem europäischen Geschäft schreibt der US-Konzern rote Zahlen. Auch in Asien und in Südamerika verbucht Ford Verluste, vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen deshalb auch einen Stellenabbau in Brasilien angekündigt. Geld verdient Ford nur in Nordamerika mit seinem klassischen Geschäft: mit dem Verkauf von SUVs und Pick-ups.

In Europa will Ford eine dauerhafte operative Rendite von sechs Prozent erreichen. Deshalb sollen künftig nur noch Fahrzeuge gefertigt werden, die wirtschaftlich lukrativ sind. Dazu gehören in erster Linie die SUVs, die heute in Spanien und in Rumänien von den Bändern laufen. Lukrativ ist zudem die Produktion von leichten Nutzfahrzeugen (Transporter, Kleinbusse), die Ford zusammen mit einem Joint-Venture-Partner zu kostengünstigen Bedingungen in der Türkei fertigt. Auch die Aufgabe ganzer Werke ist bei Ford nicht mehr ausgeschlossen. Ende 2014 hatte der Konzern bereits seine Fabrik im belgischen Genk geschlossen.

Das Kölner Ford-Werk produziert ausschließlich den Kleinwagen Fiesta. Kein anderer Autohersteller lässt heute noch ein ähnlich kleines renditeschwaches Modell an einem deutschen Standort produzieren. In Saarlouis läuft der Golf-Konkurrent Focus von den Bändern. Für das saarländische Werk hatte der Ford-Konzern bereits vor Weihnachten weitreichende Einschnitte verkündet: Dort soll in wenigen Wochen die Fertigung des Minivans C-Max eingestellt werden, der auf Basis des Focus entsteht. Etwa 700 Mitarbeiter aus der Stammbelegschaft müssen gehen, eine von drei Schichten wird gestrichen. Zudem verlieren gut 1.000 Leiharbeiter ihren Job.

Stellenabbau reicht nicht

Unter Experten gibt es Zweifel daran, dass Ford seine Probleme in Europa allein mit dem Stellenabbau in den Griff bekommt. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit geht die Achterbahn weiter, oder man denkt Ford in Europa völlig neu“, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Automobilprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Ford habe in der Vergangenheit immer wieder Stellen gestrichen, die dauerhafte Rückkehr in die Gewinnzone sei aber nie gelungen. Aufgrund der anhaltenden Verluste sei das europäische Geschäft für die Konzernzentrale in Detroit vergleichsweise unbedeutend geworden. Ford dürfte darauf drängen, dass in der Europazentrale in Köln endlich nachhaltig Besserung einsetze.

Hochschullehrer Dudenhöffer hält noch viel radikalere Schritte für möglich, wie etwa den kompletten Rückzug von Ford aus dem nicht sonderlich lukrativen Pkw-Geschäft. Ford verhandelt seit geraumer Zeit mit dem Volkswagen-Konzern über eine umfassende Kooperation. Auf der Agenda steht dabei auch die Übernahme der neuen MEB-Elektroplattform von Volkswagen durch Ford. Würde der US-Konzern diesen Elektrobaukasten von den Wolfsburgern übernehmen, könnte Ford Milliarden an eigenen Entwicklungsausgaben sparen. In Europa brauchen alle Hersteller in den kommenden Jahren neue Elektroautos, um die Abgasvorgaben der EU zu erfüllen. Übernimmt Ford die Elektroplattform von VW, würde auch eine Fertigung von Ford-Modellen in Volkswagen-Fabriken möglich werden – und böte dem US-Konzern die Chance zum Rückzug aus der Pkw-Fertigung.

Dudenhöffer sieht noch eine weitere Möglichkeit für den US-Konzern. „Der Verkauf von Ford in Europa – wie es General Motors bei Opel gemacht hat – wäre eine Alternative, um das Ende der Achterbahnfahrt einzuleiten“, so der Automobilprofessor weiter. Ford-Europa-Chef Armstrong hatte im Januar erklärt, dass der US-Konzern im vergangenen Jahr auch einen kompletten Rückzug durchgerechnet, sich dann aber zum Bleiben entschieden habe.

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