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Ford-Produktion in Köln

Allein im zweiten und dritten Quartal 2018 hatte Ford Europa insgesamt ein Minus von mehr als 300 Millionen Dollar verbucht.

(Foto: Bloomberg)

US-Autobauer Ford will Tausende Jobs in Europa streichen

Der Sparkurs des US-Autoherstellers kommt auch bei seiner europäischen Tochter an. Tausende Jobs sollen gestrichen werden, Werke stehen auf der Kippe.
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Düsseldorf Ford Europa steht vor tiefgreifenden Einschnitten. Tausende Stellen werden voraussichtlich gestrichen, auch einige Werke stehen möglicherweise zur Disposition. Die Führung der europäischen Ford-Organisation hat am Donnerstagvormittag den Europa-Betriebsrat des Unternehmens über ihre Pläne informiert.

Details wie etwa die konkrete Zahl der Arbeitsplätze, die in den kommenden Monaten gestrichen werden sollen, will Ford erst nach dem Ende der Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern bekanntgeben.

„Wir ergreifen wirksame Maßnahmen, um das Europa-Geschäft von Ford neu aufzustellen“, sagte Europa-Chef Steven Armstrong. Auslöser der Sanierungsbestrebungen sind massive Verluste: Allein im zweiten und dritten Quartal 2018 hatte Ford Europa ein Minus von mehr als 300 Millionen US-Dollar verbucht. Auch im vierten Quartal dürfte sich die Lage nicht wesentlich verbessert haben.

Ford strebt eine kurz- und eine langfristige Ergebnisverbesserung an: In diesem Jahr soll das Europa-Geschäft nach Möglichkeit die Verlustzone wieder verlassen. Dauerhaft will Ford of Europe – voraussichtlich in zwei bis drei Jahren – eine operative Umsatzrendite von sechs Prozent erreichen. Eine solche Marge gilt in der Automobilbranche als Voraussetzung zur dauerhaften Existenzsicherung.

Um von der aktuell negativen Rendite auf ein Plus von sechs Prozent zu kommen, braucht Ford Europa eine Ergebnisverbesserung von etwa zwei Milliarden Dollar (Jahresumsatz: rund 27 Milliarden). Eine solche Verbesserung ist nur mit einem grundlegenden Umbau des Geschäftsmodells erreichbar.

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Europa-Chef Armstrong bestätigte im Gespräch mit dem Handelsblatt, dass eine vierstellige Zahl von Jobs gestrichen werden soll. Die Unternehmensführung hofft, dass die Verhandlungen mit den europäischen Betriebsräten erfolgreich verlaufen werden.

In der aktuellen Situation gibt Ford seinen Mitarbeiter keine Garantie dafür, dass der geplante Stellenabbau sozialverträglich ablaufen wird. Betriebsbedingte Kündigungen seien nach aktuellem Stand also durchaus möglich. „Wir müssen einfach die Schritte einleiten, die notwendig sind“, betonte Armstrong.

In Europa kommt Ford derzeit auf mehr als 50.000 Beschäftigte, allein in Deutschland sind es etwa 24.000. Von dem geplanten Stellenabbau sind Verwaltung und Produktion gleichermaßen betroffen.

Zudem will Ford bis zum August ein Getriebewerk im französischen Bordeaux mit mehreren Hundert Beschäftigten schließen. In Dunton östlich von London sollen die Großbritannien-Zentrale von Ford und der Sitz von Ford Credit Europe zusammengelegt werden. Der US-Konzern verspricht sich mehr Effizienz, wenn es nur noch eine Verwaltung gibt.

Ford Europa plant auch eine Neuordnung der Modellpalette. Ertragsschwache Varianten soll aussortiert und aus dem Programm genommen werden. Ford will sich auf die wirklich aussichtsreichen Modelle konzentrieren. „Wir wollen die Komplexität bei unseren Modellen verringern“, sagte Armstrong.

Im Dezember hatte die europäische Tochter des US-Autokonzerns damit bereits begonnen: Im Werk in Saarlouis soll der Minivan C-Max gestrichen werden. Dadurch gehen bereits knapp 700 Stellen verloren. Außerdem müssen mehrere Hundert Zeitarbeiter gehen. Minivans gelten als auslaufendes Fahrzeugsegment.

Zusammenarbeit mit VW soll Profite steigern

Aus Ford-Sicht sind vor allem die Geländewagen (SUV) attraktiv: Der Autohersteller will dieses Modellsegment sogar noch ausbauen. Wichtig bleibt zudem das Geschäft mit leichten Nutzfahrzeugen. Ford Europa ist damit sogar Marktführer. Der US-Konzern profitiert dabei von seiner kostengünstigen Produktion in der Türkei.

Der Brite hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich sein Heimatland geordnet und ohne zusätzliche Zölle aus der EU zurückzieht. Quelle: Bloomberg
Fords Europa-Chef Steven Armstrong

Der Brite hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich sein Heimatland geordnet und ohne zusätzliche Zölle aus der EU zurückzieht.

(Foto: Bloomberg)

Die geplante Nutzfahrzeugkooperation mit Volkswagen soll das Geschäft profitabler machen. „Die geplante Zusammenarbeit mit VW hilft uns dabei, noch weitere Skaleneffekte zu erzielen“, so Armstrong. In den USA hatte Ford bereits mit einer ähnlichen Strategie begonnen: Der Autohersteller konzentriert sich dort auf SUVs und Pick-ups, die klassischen Pkw werden aus dem Programm genommen.

Im Unterschied zu anderen Autoherstellern betreibt Ford in Europa eine vergleichsweise große Zahl von eigenen Motorenwerken. Armstrong deutete an, dass die Neuausrichtung des Modellprogramms vor allem in der Motorenfertigung für Konsequenzen sorge und einzelne Standorte möglicherweise überflüssig werden könnten.

Ford denkt außerdem über einen Rückzug aus dem russischen Markt nach, wie Armstrong bestätigte. Eine „strategische Bewertung des Joint Ventures“ werde eingeleitet. Ford produziert mit einem lokalen Partner an vier Standorten Fahrzeuge für den russischen Markt. Nicht nur Russland steht für Ford auf dem Prüfstand, der US-Konzern könnte sich auch aus anderen europäischen Märkten zurückziehen.

Beginnend mit dem neuen Ford Focus wird künftig zudem jede Ford-Modellreihe eine elektrifizierte Antriebsoption erhalten. Vom Fiesta bis zum Transit bietet Ford alle Modelle entweder mit einem Mild-Hybrid, Voll-Hybrid, Plug-in-Hybrid oder einer batterie-elektrischen Option an. Die neuen Antriebe sind aus Ford-Sicht ein wichtiger Schritt zur Zukunftssicherung.

Offen ist derzeit noch, wie sich der Brexit auf Ford Europa auswirken würde. Der US-Konzern ist besonders stark auf einen freien Warenverkehr zwischen dem Kontinent und Großbritannien angewiesen.

So werden etwa Dieselmotoren in England für die deutschen Werke in Köln und in Saarlouis produziert, die Rechtslenker-Varianten gehen dann wieder zurück auf die britische Insel. Zölle, die nach einem harten Brexit erhoben werden könnten, würden Ford gewaltige wirtschaftliche Probleme bereiten.

Auch auf anderen Auslandsmärkten sind die Probleme groß

Europa-Chef Armstrong, selbst ein Brite, hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich sein Heimatland geordnet und ohne zusätzliche Zölle aus der EU zurückzieht. „Ich bin immer noch optimistisch“, sagte er. Ford sei in ständigem Kontakt mit den Behörden.

Ein ungeordneter Brexit könnte bei Ford einen noch größeren Beschäftigtenabbau auslösen. Die aktuelle Planung setzt voraus, dass es keine neuen Zölle geben wird. Käme es doch dazu, würde das Renditeziel von sechs Prozent sehr schnell in Gefahr geraten. „Das würde bei uns zu signifikanten Konsequenten führen“, betonte der Europa-Chef von Ford.

Der US-Autohersteller Ford hat nicht nur in Europa, sondern auch auf anderen Auslandsmärkten größere Probleme. So schreibt der Autokonzern etwa in Südamerika und in Asien rote Zahlen. Ford gehört zu den wenigen Herstellern, die in China Verluste machen. Zum Vergleich: Volkswagen verdient dort jedes Jahr drei bis vier Milliarden Euro. Nur auf dem amerikanischen Heimatmarkt ist Ford mit seinen SUVs und Pick-ups noch profitabel.

Wegen dieser schlechten Ertragslage in großen Teilen der Welt haben Investoren den Druck auf den Ford-Konzern erhöht. In den USA ist darüber spekuliert worden, ob der Autohersteller in diesem Jahr möglicherweise die Dividendenzahlung ausfallen lassen muss. Die Ford-Familie, die das Unternehmen mit ihrer Aktienmehrheit dominiert, hat diesen Vorschlag bislang zurückgewiesen.

Das Ford-Management muss auf diesen Druck reagieren – etwa mit dem neuen Sparprogramm in Europa. Weltweit hat Konzernchef Jim Hackett das Ziel ausgegeben, dass das Unternehmen bis zum Jahr 2022 mehr als 25 Milliarden Dollar einsparen muss.

Analysten haben dem Ford-Management vermehrt Untätigkeit vorgehalten. Größere Anstrengungen zur Kostensenkung seien bislang kaum erkennbar gewesen. „Es ist schwer zu sehen, wo in diesem Jahr eine Ertragsstabilität herkommen soll“, sagte Arndt Ellinghorst vom Investmenthaus Evercore ISI.

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