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US-Automarkt VW und Ford loten Allianz bei Pick-ups aus

VW und Ford wollen in den USA bei leichten Nutzfahrzeugen wie beispielsweise Pick-ups kooperieren. Die Allianz hat aus VW-Sicht vor allem einen Grund.
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Bislang hat der VW-Konzern im boomenden Pick-up-Segment wenig zu bieten. Quelle: dpa
VW Amarok

Bislang hat der VW-Konzern im boomenden Pick-up-Segment wenig zu bieten.

(Foto: dpa)

HamburgVolkswagen und Ford wollen beim Bau von Transportern und in anderen Bereichen kooperieren. Das erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Die beiden Autobauer haben demnach eine Grundsatzvereinbarung über die Zusammenarbeit bei leichten Nutzfahrzeugen getroffen.

Ziel sei eine Allianz, um Entwicklungs- und Produktionskosten zu teilen. Dazu habe es bereits erste Kontakte gegeben. Nun sollten die Gespräche vertieft werden. VW will voraussichtlich noch am Dienstagabend Details der strategischen Kooperation bekanntgeben.

VW lehnte einen Kommentar zu einer möglichen Kooperation mit Ford ab. „Als führender Automobilhersteller ziehen wir verschiedene wirtschaftliche Gemeinschaftsprojekte mit anderen Unternehmen in allen Regionen der Welt in Betracht“, erklärte ein Sprecher. Die Kölner Ford-Werke äußerten sich nicht.

Die genauen Details würden jetzt erst ausgearbeitet. Im Mittelpunkt der Vereinbarung sollen vor allem Pick-ups stehen. Bei diesen Modellen hat der US-Konzern Ford eine Vorreiterfunktion. Der Ford F-150 ist der weltweit am meisten verkaufte Pick-up.

Volkswagen hat in dieser US-amerikanisch geprägten Fahrzeugklasse bislang wenig zu bieten. Der von der VW-Transportertochter in Hannover gefertigte Amarok ist bislang alles andere als ein wirtschaftlicher Erfolg. Das würde sich bei einer Kooperation mit Ford ändern.

Hintergrund für die Kontaktaufnahme ist dem Vernehmen nach auch, dass für Transporter mit Pkw-Zulassung ab 2020 in Europa die gleichen CO2-Vorgaben gelten wie für Personenwagen. Herstellern, die die Grenzwerte überschreiten, drohen Strafzahlungen.

Der VW-Konzern hatte im vergangenen Jahr zunächst mit dem Fiat-Chrysler-Konzern über eine mögliche Kooperation bei leichten Nutzfahrzeugen verhandelt. Nachdem diese Gespräche gescheitert waren, hatte sich Volkswagen mit Ford einem neuen Partner zugewandt.

Mit der neuen Kooperation bewegen sich die beiden in einem boomenden Markt in den USA. Die Pick-ups – spritfressende rund fünf Meter lange Pritschenwagen mit großer Ladefläche – stehen für das amerikanische Lebensgefühl wie kein anderes.

Jedes sechste Auto, das in den USA im vergangenen Jahr verkauft wurde, war ein Pick-up. Die Amerikaner kauften zwar insgesamt zwei Prozent weniger Autos. Aber bei den Pick-ups stiegen die Absatzzahlen um fast fünf Prozent.

Jörn Buss von der Unternehmensberatung Oliver Weyman bezeichnet den Pick-up als „die Harley-Davidson der Autos“. Der Pick-up ist Ausdruck des amerikanischen Lebensstils: Breite Straßen, große Parkplätze machen die USA zum idealen Umfeld für die Wagen.

Vor allem auf dem Land ist der Spritfresser beliebt. Lange wurde er vor allem von Handwerkern und Farmern genutzt, die ihre Geräte bequem hinten verstauen können. Aber mittlerweile sind die Pick-ups luxuriöser und damit auch zum Familienauto geworden, das auch in den Städten beliebt ist.

Pick-ups bieten heute allen Komfort eines SUVs plus Ladefläche. Waren die früheren Pick-ups noch recht spartanisch und nur mit einer Sitzreihe ausgestattet, passt heute die ganze Familie ins klimatisierte Fahrerhaus. Sie lassen sich auch bequem lenken, nicht mehr wie ein Lkw.

Die ersten massentauglichen Pick-ups gehen auf die 50er-Jahre zurück – mit Verkaufsschlagern wie dem Chevrolet Cameo. Eine Art Strafsteuer für ausländische Hersteller sorgte dafür, dass vor allem die Amerikaner von dem Boom profitierten.

In den 70er- und 80er-Jahren waren Pick-ups bei Farmern im Mittleren Westen ebenso beliebt wie bei Surfern in Kalifornien. Doch in den 90er-Jahren wurden die dicken Brummer mit der Ladefläche von den bequemeren SUVs verdrängt. Dann kam die Rückkehr.

In den vergangenen neun Jahren ist der Marktanteil der SUVs und Pick-ups von 50 Prozent auf 65 Prozent im Jahr 2017 gestiegen, zeigen die Zahlen des Marktforschungs-Instituts LMC Automotive. Und sie wachsen weiter.

Die US-Autokonzerne setzen daher fast nur noch auf SUVs und Pick-ups: Der Ford-Konzern, der in den kommenden Jahren 11,5 Milliarden Dollar einsparen will, hatte im April angekündigt, dass er die Palette der traditionellen Autos fast komplett zusammenstreicht. In Zukunft setzt er fast nur noch auf Pick-ups, SUVs und Crossover.

In den nächsten Jahren werden in Nordamerika nur noch der gut verkaufte Mustang und der neue Focus Active Crossover angeboten. Stattdessen setzt der Konzern auf mehr SUV-Modelle und Pick-ups. Der Ford F-150, ein riesiger Pick-up, steht seit 30 Jahren an der Spitze der US-Zulassungsstatistik und wurde allein 2017 weltweit mehr als eine Million Mal verkauft.

Fiat Chrysler hat den Schritt schon vor zwei Jahren gewagt: Das Unternehmen stellt in den USA nur noch SUVs und Pick-ups her. Kompaktwagen und Limousinen, die jahrzehntelang einen großen Anteil an den Verkäufen von Chrysler hatten, sind Geschichte. Auch der größte amerikanische Autohersteller GM geht einen langsamen Umstieg auf größere Modelle.

Mit Material von Reuters.

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