US-Firmen auf dem Sprung Airbnb und Netflix wollen Kuba erobern

Die ehemaligen Erzfeinde Amerika und Kuba gehen auf diplomatischen Schmusekurs. US-Unternehmen wie Airbnb und Netflix reiben jetzt schon die Hände. Rote Teppiche sind auf dem sozialistischen Inselstaat nicht zu erwarten.
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Der Unternehmer will Ausländern den Zugang zu Unterkünften in Kuba ermöglichen. Quelle: ap
Airbnb-Gründer Nathan Blecharczyk auf Kuba

Der Unternehmer will Ausländern den Zugang zu Unterkünften in Kuba ermöglichen.

(Foto: ap)

New YorkAls Beyoncé und Jay Z im April 2013 im Kuba-Urlaub waren, hatte die Reise in den sozialistischen Inselstaat für Amerikaner noch einen gewissen Abenteuerfaktor. Der Kurztrip des Promipaars ins verbotene Ferienparadies sorgte sogar für ein juristisches Nachspiel - erst nach über einem Jahr befand eine Untersuchungskommission der US-Regierung, dass „Jay and Bey“ keine Sanktionsverstöße vorzuwerfen seien. Seitdem ist einiges passiert.

Nach 54 Jahren diplomatischer Eiszeit weht seit Anfang der Woche wieder die rot-weiß-blaue Nationalflagge Kubas in Washington. Die USA und Kuba haben eine neue Ära eingeläutet und wieder Botschaften eröffnet. US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro hatten im Dezember überraschend die Absicht zum Neustart angekündigt. Die Annäherung weckte rasch den Geschäftssinn der US-Wirtschaft – einige Firmen preschen bereits voran.

Wer von der wirtschaftlichen Annäherung profitiert
Historisches Treffen in Panama
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Kuba und die USA nähern sich nach jahrzehntelanger Eiszeit wieder an: Mit einer Aufnahme der diplomatischen Beziehungen und Erleichterungen für Handel, Finanzbranche und Tourismus. Einige Experten sind zuversichtlich, dass Amerika sogar noch dieses Jahr das Embargo gegen Kuba aufheben könnten. Wer könnte alles profitieren?

Warten auf die amerikanischen Produkte: Eine Frau auf Kuba
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Seit gut 53 Jahren unterhielten die amerikanische und kubanische Regierung keine wirtschaftlichen Beziehungen. Das Kuba-Embargo gilt als die älteste noch existierende Wirtschaftsblockade der Neuzeit. Wie kam es dazu? Als Fidel Castro 1959 nach einen zweijährigen Guerillakampf den vormals regierenden Diktator Batiste zur Flucht zwang, verstaatlichte die neue Regierung das Eigentum von US-Bürgern und US-Unternehmen. Grund genug für den damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower, die Handelsbeziehungen mit Kuba im Oktober 1960 auf Eis zulegen. Bis heute...

Imperial Tobacco
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Profitieren könnten vor allem Exporteure kubanischer Produkte wie die britische Imperial Tobacco, die über das weltweite Exportmonopol der berühmten kubanischen Zigarren verfügt. Cohibas und Montecristos verkaufen die Briten nur noch nicht in den USA, dem weltgrößten Zigarrenmarkt. Eine Importliberalisierung würde die Umsätze natürlich in die Höhe schiessen lassen.

Pernod Ricard
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Ähnlich vertreibt der französische Schnapshersteller Pernod Ricard weltweit die kubanische Rummarke Havana Club. Nur in den USA wird die Marke - nach einem jahrelangen Streit - vom Rivalen Bacardi vertrieben, der den Markenamen vor 20 Jahren der von kubanischen Revolutionären enteigneten Eigentümerfamilie Arechabala abgekauft hat. Sollten kubanische Erzeugnisse bald in die USA exportiert werden dürfen, ist mit neuen Streitigkeiten zu rechnen.

Coca-Cola, ExxonMobil & Co.
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Neuen Streit könnte es nicht nur um Rum geben. Auch Unternehmen wie Coca-Cola, ExxonMobil und Colgate-Palmolive könnten versuchen, nachträglich für die Verstaatlichung durch die Revolutionäre entschädigt zu werden, schreibt das Magazin Wirtschaftswoche. Einige Unternehmen sollen sich schon länger darauf vorbereiten, Klagen gegen Kuba zu erheben.

Office Depot
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Exotisch ist auch der Fall des Büroartikelherstellers Office Depot, dem nach mehreren Fusionen der staatliche kubanische Stromproduzent gehört - zumindest auf dem Papier. Im Revolutionsjahr versorgte das Unternehmen 90 Prozent Kubas mit Strom.

Freeport McMoRan
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Entschädigungen für eine enteignete Nickel-Kobald-Mine verlangt auch der US-Bergbaukonzern Freeport McMoRan Copper & Gold.

So zum Beispiel Airbnb. Wer heute nach Kuba reisen will, hat auf der Online-Wohnbörse mittlerweile mehr als 2000 Unterkünfte zur Auswahl. Das Unternehmen aus San Francisco war in dem lange von Revolutionsführer Fidel Castro (88) dominierten Land schon Anfang April zur Stelle. Das zahlt sich bereits aus: „Ich glaube nicht, dass wir jemals einen Markt hatten, der so schnell wächst wie Kuba“, sagte Airbnb-Chef Brian Chesky im Mai.

Inzwischen genehmigte die US-Regierung auch ersten Unternehmen den Fährbetrieb. Der US-Kreuzfahrtriese Carnival will ab Mai 2016 von Miami aus Kurs auf die Karibikinsel nehmen. „Wir freuen uns, mit den kubanischen Behörden zusammenzuarbeiten“, sagte Konzernchef Arnold Donald. Rivalen wie Baja Ferries oder United Caribbean Lines sind ebenfalls startklar. Genauso die Hotelkette Hilton, die von 1958 bis zur Verstaatlichung 1960 mit dem Hotel Habana in Kuba vertreten war.

Der Online-Videodienst Netflix startete sein Angebot bereits im Februar. „Kuba hat großartige Filmemacher und eine starke Kunstkultur, wir hoffen, ihre Arbeit eines Tages für unser weltweites Publikum anbieten zu können“, sagte Netflix-Chef Reed Hastings. Der Mangel an schnellem Internet dürfte die Geschäfte zunächst zwar noch erschweren. Doch US-Telekomriesen wie AT&T oder Verizon stehen bereits in den Startlöchern.

Es scheint, als ob die ganze US-Wirtschaft auf den Durchbruch ins sozialistische Kuba hinfiebert – die 1862 in Kuba und 1960 ins US-Exil ausgewanderte Rum-Firma Bacardi ist ein weiteres prominentes Beispiel. Die Zahl der Lobbyorganisationen, die in Washington Druck für ein Ende des Handelsembargos machen, ist zuletzt rasant gestiegen. Denn bislang hat sich noch nicht wirklich viel geändert, und Experten schätzen, dass eine Normalisierung Jahre dauern kann.

Auch wenn der US-Tourismus auf Kuba boomt – normale Ferienreisen sind nach wie vor tabu. Lediglich ein Dutzend Ausnahmefälle gibt es, die Besuche zulässig machen. Außerdem hat Kuba bei der wirtschaftlichen Öffnung ja auch noch ein Wort mitzureden. „Wenn der freie Markt erlaubt würde, wäre in 72 Stunden nichts mehr übrig für die Kubaner“, warnte Luis René Fernàndez Tabio, ein Ökonom in Diensten von Kubas Regierung, jüngst im US-Magazin „The New Yorker“.

Es gibt keinen Zweifel: Die Annäherung der ehemaligen Erzfeinde schreitet auf vielen Ebenen voran. Als die reiche Hotelerbin Paris Hilton im März in Kuba war, gab es - anders als bei Beyoncé und Jay Z - keine rechtlichen Bedenken in den USA. Doch bis der US-Kapitalismus die karibische Insel für sich einnehmen darf, dürfte es noch dauern.

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  • dpa
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