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US-Flugzeugbauer Boeing präsentiert Software-Update für den Neustart der 737 Max

200 Piloten haben die Software getestet, mit der Boeing die 737 Max wieder in die Luft bekommen will. Die Lufthansa denkt weiter über einen Großauftrag nach.
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Boeing will den umstrittenen Flugzeugtyp bald wieder in die Luft bekommen. Quelle: Reuters
Geparkte 737-Max-Jets in Kalifornien

Boeing will den umstrittenen Flugzeugtyp bald wieder in die Luft bekommen.

(Foto: Reuters)

New York, Frankfurt Mit einer aktualisierten Software will Boeing das umstrittene 737-Max-Modell so bald wie möglich wieder in die Luft bekommen. Am Mittwoch stellte der Airbus-Konkurrent das Update in seinem 737-Werk in Renton in der Nähe von Seattle vor. Dazu hatte Boeing Techniker, Regulierer, aber auch gut 200 Piloten aus aller Welt eingeladen. Sie konnten die neue Software in Simulatoren testen.

„Mit dem aktualisierten System wird es nicht mehr zu solchen Unfällen kommen“, sagte Boeings Vizepräsident Mike Sinnett, der für die Produktentwicklung in der kommerziellen Luftfahrtsparte zuständig ist, in einer Telefonkonferenz. Es war das erste Mal seit dem Absturz der Ehtiopian-Airlines-Maschine am 10. März, dass sich ein Topmanager von Boeing den Fragen von Journalisten stellte.

Die Maschine in Äthiopien war bereits die zweite Boeing 737 Max, die innerhalb von fünf Monaten abgestürzt ist. Vieles weist darauf hin, dass die Software eine Mitschuld an den Unglücken hatte, bei denen insgesamt fast 350 Menschen starben.

Es geht vor allem um das sogenannte MCAS-System, das bei einem zu steilen Steigflug automatisch eingreift. Die Gefahr eines solchen Steilflugs ist beim Modell 737 Max höher, weil Boeing dort die größeren Triebwerke weiter vorne einbauen musste.

Das MCAS-System hat sich bisher nur auf einen Sensor verlassen und konnte außerdem von den Piloten kaum überstimmt werden. Das hat wohl dazu geführt, dass die zwei Unglücksmaschinen mit einem Sinkflug nach unten gestürzt sind.

Mit der neuen Software speisen in Zukunft zwei Sensoren das MCAS-System mit ihren Daten zum Winkel der Maschine. Sollten diese Daten mehr als 5,5 Grad auseinanderliegen, wird das MCAS-System automatisch ausgeschaltet und die Piloten darüber informiert, erklärte der Boeing-Manager Sinnett. Außerdem kann das System die Piloten in Zukunft nie mehr überstimmen.

„Die Piloten werden das System immer übertrumpfen können“, so Sinnett. Er verglich das mit dem Autofahren: „Das ist so, als driftet man nach rechts oder links auf der Straße und lenkt dann dagegen, um wieder in der Spur zu fahren.“

Außer der Software stand zuletzt auch die Praxis der Luftfahrtaufsicht FAA in der Kritik. Die hatte die Zertifizierung von neuen Flugzeugmodellen aus Personalmangel teilweise an Boeing-Mitarbeiter ausgelagert.

Auf die Frage des Handelsblatts, ob die FAA nun auch auf Boeing-Mitarbeiter zurückgreift, um das neuerliche Software-Update zu zertifizieren, antwortete der Boeing-Vizepräsident: „Die FAA wird bei der Zertifizierung ihre normalen Prozeduren befolgen. Aber ich kann garantieren, dass wir stärker als je geprüft werden.“

Lufthansa erwägt 737-Max-Bestellung

Davon ist wohl auch der Lufthansa-Chef Carsten Spohr überzeugt. Er hatte am Dienstag in Washington gesagt, dass Lufthansa auch nach den Abstürzen das Boeing-Modell 737 Max bestellen könnte. „Wir haben unser Vertrauen in Boeing nicht verloren“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Der US-Flugzeughersteller werde das derzeitige Problem in den Griff bekommen, zeigte er sich zuversichtlich.

Im kommenden Jahr will die Lufthansa über den Kauf einer dreistelligen Anzahl von Kurzstreckenfliegern entscheiden. Die neuen Flugzeuge sollen die dann ausgemusterten A319 und Bombardier CRJ ersetzen. Zur Auswahl stehen neben der 737 Max der Airbus A320 neo, der A220 (die ehemalige Bombardier C-Serie) und ein Modell des brasilianischen Herstellers Embraer.

In der Branche sind viele überzeugt, dass die 737 Max nach einer Überarbeitung ein sicheres Flugzeug sein wird. Kein anderer Jet wurde in der Vergangenheit durch die Behörden wohl so genau unter die Lupe genommen wie jetzt die Max nach den beiden verheerenden Abstürzen. „Wenn er wieder fliegt, können wir ruhigen Gewissens sagen: ,Das Flugzeug wurde gründlichst durchgecheckt‘“, sagt die Führungskraft einer europäischen Airline.

Die Aussage von Lufthansa-Chef Spohr zu den möglichen Bestellungen ist auch als ein Signal an Airbus zu verstehen. Die Botschaft: Lufthansa prüft beim Flugzeugkauf immer alle Alternativen, Europas größte Fluggesellschaft macht sich bei der Flotte nicht von einem Hersteller abhängig.

Das dokumentiert auch der jüngste Einkauf des Konzerns. Erst vor gut einer Woche gab der Aufsichtsrat von Lufthansa die Bestellung von 40 Langstrecken-Flugzeugen frei. 20 davon werden Airbus A350 sein, 20 Boeing 787 (Dreamliner). Das Volumen laut Listenpreis beträgt satte zwölf Milliarden Euro. Allerdings sind üppige Preisnachlässe die Regel. Mit der Order führt Lufthansa den Dreamliner erstmals in die Flotte ein.

Hinzu kommt: Mit der 737 kennt sich der deutsche Konzern aus, auch wenn er keine Max fliegt. Die früheren Versionen des Kurz- und Mittelstreckenjets waren viele Jahre fester Bestandteil der Flotte. Zudem hat die Wartungstochter Lufthansa Technik bereits Wissen rund um die Instandhaltung der Max aufgebaut. Der Jet sollte sich also nahtlos in die Flotte integrieren lassen, sollte Lufthansa tatsächlich den Zuschlag erteilen.

In den USA schlägt der Fall Boeing hohe Wellen, auch in der Politik: Während Boeing in Renton die neue Software präsentierte, begannen in Washington die Anhörungen zur Rolle der Luftfahrt-Aufsicht FAA.

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