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US-Flugzeugbauer Für Boeing wird der Neustart der 737 Max nicht einfach

Der US-Konzern will das Software-Update für den Unglücksjet am 25. März ausrollen. Doch in Europa bleibt das Misstrauen groß. Und auch das US-Transportministerium greift ein.
Update: 19.03.2019 - 21:33 Uhr Kommentieren
„Boeing hätte diesen tragischen Unfall verhindern müssen.“ Quelle: Visual China Group/Getty Images
Absturzstelle in Äthiopien

„Boeing hätte diesen tragischen Unfall verhindern müssen.“

(Foto: Visual China Group/Getty Images)

FrankfurtDie Worte sind harsch, der Vorwurf ist heftig. „Jeder Flugzeugunfall ist einer zu viel, aber zwei Abstürze aus demselben Grund sind ein Verbrechen“, wettert der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber in einer am Dienstag verteilten Erklärung. Und weiter: „Boeing hat riskiert, dass ein weiterer Absturz passiert. Boeing hätte diesen tragischen Unfall verhindern müssen.“

Auch wenn Ferber bei seiner Attacke gegen den US-Flugzeugkonzern Boeing in Europa bislang jedenfalls alleine steht, seine Ausführungen dürften eine Debatte darüber befeuern, wie neue Flugzeugmodelle künftig zertifiziert werden.

Denn der CSU-Politiker verbindet seine Kritik mit einer klaren Forderung. „Europa braucht eine eigenständig arbeitende Flugsicherheitsbehörde, die nicht einfach durchwinkt, was in Amerika zugelassen wurde.“

Bislang ist es üblich, dass sich die europäische EASA bei Entscheidungen zur Flugsicherheit und bei Zertifizierungen von Jets eng mit der amerikanischen FAA abstimmt. Doch die Tatsache, dass die EASA nach zwei Abstürzen einer 737 Max mit fast 350 Toten deutlich vor der FAA ein Flugverbot für den Flugzeugtyp verhängte, war ein erster Hinweis darauf, dass die Europäer den amerikanischen Kollegen nicht mehr uneingeschränkt vertrauen.

Das Misstrauen dürfte durch jüngste Berichte über massive Mängel bei der Zertifizierung der 737 Max untermauert werden. Danach soll sich die FAA zu sehr auf Angaben der Boeing-Techniker verlassen. Bei einer Software für die automatische Ausrichtung des Jets (Trimmung) soll sie nicht genau genug hingeschaut haben. Dieses System steht in Verdacht, Anteil bei beiden Unglücken zu haben.

Mittlerweile hat die US-Regierung eine Überprüfung angeordnet, ob es bei der Sicherheits-Zertifizierung der neuen Flugzeuge im Jahr 2017 mit rechten Dingen zugegangen ist. Der Generalinspekteur des Ministeriums solle objektiv und im Detail die Fakten prüfen, wie es zu der Zertifizierung durch die Flugaufsichtsbehörde Federal Aviation Association (FAA) gekommen ist, wies Transportministerin Elaine Chao an.

So zeichnet sich ab, dass es für Boeing nicht einfach werden wird, seinen Jet wieder in die Luft zu bekommen. Angeblich soll ein Softwareupdate für die Trimmung am 25. März zur Verfügung stehen. Doch Kanada kündigte am Dienstag an, sich das Update selbst anschauen zu wollen und nicht der Freigabe durch die FAA zu vertrauen. Ähnlich dürfte die EASA vorgehen.

Es ist also weiter offen, wie schnell die 737 Max wieder fliegen wird. Denkbar ist auch, dass die Behörden erst auf umfangreiche Flugtests bestehen. Auch wäre es möglich, dass sie zusätzlich Hardware-Nachrüstungen fordern, etwa den Einbau beziehungsweise die Nutzung weiterer Sensoren. Denn ein Kritikpunkt an dem in Verdacht stehenden System ist, dass es von nur einem Sensor gespeist wird.

Die zunehmend ernstere Situation dämmert allmählich wohl auch Boeing-Chef Dennis Muilenburg. In einer Videobotschaft sowie einem einseitigen Brief – unterzeichnet mit „Dennis“ – warb er nun bei den Passagieren, den Airline-Kunden und der gesamten Luftfahrtbranche um Vertrauen. Ob das gelingt, ist offen. Denn das Schreiben ist geprägt von Versprechen und Floskeln. Mögliche Fehler werden nicht erwähnt.

Das überrascht angesichts der drohenden finanziellen Forderungen, mit denen Boeing rechnen muss, zwar nicht. Doch Aussagen wie jene, dass Boeing seit mehr als 100 Jahren im Geschäft mit der Luftfahrt-Sicherheit tätig ist, dürften für die Familien der Opfer zweier Abstürze wenig überzeugend wirken. Ebenso wenig der Hinweis Muilenburgs, dass er seine ganze Karriere Boeing gewidmet habe.

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