US-Insiderinformationen gegen Geld Novartis-Chefjurist stürzt über Deals mit Trump-Anwalt

Ein zweifelhafter Deal mit Trumps Anwalt Michael Cohen hat für den Novartis-Chefjuristen ernste Folgen. Er muss den Pharmakonzern verlassen.
Update: 16.05.2018 - 08:56 Uhr 1 Kommentar
Novartis-Chefjurist stürzt über Deals mit Donald Trump-Anwalt Quelle: Reuters
Novartis

Gleichzeitig kündigte der Schweizer Pharmakonzern Novartis an, bis 2022 einen Umsatzwachstum und eine Margensteigerung anzupeilen.

(Foto: Reuters)

ZürichSeit Tagen sorgt der Pharmakonzern Novartis für Schlagzeilen, weil er im Rahmen eines umstrittenen Beratervertrags rund  1,2 Millionen Dollar an den Anwalt des US-Präsidenten Donald Trump gezahlt hat. Nun hat die Affäre personelle Konsequenzen.

Wie Novartis am Dienstag mitteilte, tritt Chefjurist Felix Ehrat zum 1. Juni zurück. Der Schritt erfolge in Zusammenhang mit Diskussionen um die frühere Vereinbarung mit Trumps Anwalt Michael Cohen. Der Deal sei zwar juristisch nicht zu beanstanden, sei aber ein Irrtum gewesen, so Ehrat.

Der Chefjurist hatte den Vertrag gemeinsam mit dem damaligen Firmenchef Joe Jimenez unterzeichnet. „Als Mitunterzeichner mit unserem damaligen CEO übernehme ich mit diesem Entscheid persönlich Verantwortung, um die öffentliche Debatte darüber zu beenden.“ Seine Aufgaben übernimmt die Managerin Shannon Thyme Klinger, die im Verwaltungsrat die Compliance verantwortet. Fast zeitgleich äußerte sich der ehemalige Novartis-Chef Joe Jimenez zur Affäre und sprach von einem „Fehler“.

Vergangene Woche hatte der Pharmariese eingeräumt, im Rahmen eines Beratervertrages rund 1,2 Millionen Dollar an Trumps Anwalt Michael Cohen gezahlt zu haben. Das Geld ging an Cohens Firma namens Essential Consultants. Die Zahlungen hatten den amerikanischen Sonderermittler Robert Mueller auf den Plan gerufen, der sich schon im vergangenen Winter bei den Baslern nach Details erkundigt hatte.

Am Wochenende bekam der Konzern zudem Post von zwei amerikanischen Senatoren, die detaillierte Auskünfte fordern. Laut Ron Wyden, der im Finanzausschuss sitzt, fielen die Zahlungen in eine Zeit, in der Novartis über die Erstattungspreise für eine neue Krebstherapie verhandelte.

Auch in der Schweiz droht Ärger: Die schweizerische Bundesanwaltschaft und die Staatsanwaltschaft Basel stehen wegen der Sache im Austausch. Ein Ermittlungsverfahren wurde jedoch noch nicht eingeleitet.

Der neue Novartis-Chef Vas Narasimhan versprach am Mittwoch vor Investoren einen Neuanfang. „Wir wissen, dass wir einen Fehler gemacht haben“, sagte Narasimhan. Novartis müsse nicht nur in allen Geschäftsbereichen besser werden, sondern auch das Vertrauen der Gesellschaft zurückgewinnen.

„Wir hätten uns von dem Typen trennen sollen“

Kurz zuvor hatte sich der Ex-Novartis-Chef Joe Jimenez erstmals zu den umstrittenen Zahlungen geäußert. Die Millionenzahlung fällt unter seine Ägide. Im Interview mit dem Wirtschaftsdienst Bloomberg versucht der ehemalige Novartis-Chef, den Vorgang als Unfall darzustellen. Michael Cohen sei Novartis von einem Dritten vorgestellt worden. „Er sagte, dass er jemand sei, der helfen könne“, erklärte Jimenez. Nach einem Treffen zwischen dem Anwalt und Novartis-Mitarbeitern sei aber klar geworden, dass Cohen zu viel versprochen habe.

Novartis habe sich von dem Anwalt Informationen über Schlüsselpersonen in der Regierung erhofft. Diese seien den meisten Novartis-Lobbyisten „relativ unbekannt“ gewesen. Cohen habe Expertise versprochen, weil er „die Persönlichkeiten in der Regierung kennt“ – womit allen voran Donald Trump gemeint sein dürfte. Gemeinsam sei es darum gekommen, herauszufinden, wie die Trump-Administration auf „bestimmte Vorschläge“ reagieren würde. „Das war es, das er nicht leisten konnte“.

Der Ex-Novartis-Chef behauptet, dass er den Vertrag gerne vorzeitig beendet hätte, doch das wäre für den Konzern wegen drohender Rechtsstreitigkeiten teurer geworden. Dass Novartis die monatlichen Zahlungen weiter leistete, bezeichnete Jimenez als einen „Fehler“. „Wir hätten uns von dem Typen trennen sollen, sobald wir wussten, dass er uns keine Hilfe sein würde“.

Um Lobbying für den Pharmakonzern sei es aber nicht gegangen. Zwar habe der Anwalt vorgeschlagen, dass Novartis eine Fabrik in den USA bauen solle, doch diesem Rat sei man nie gefolgt. Cohen habe auch keinen Zugang zu Mitgliedern der Trump-Regierung geboten.

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1 Kommentar zu "US-Insiderinformationen gegen Geld: Novartis-Chefjurist stürzt über Deals mit Trump-Anwalt "

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  • Da wird ein Jurist dafür geopfert, dass das Topmanagement eine problematische Entscheidung getroffen hat. Das ist Willkür. Man kann nur hoffen, dass man ihn wenigstens finanziell abgesichert hat.

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