US-Konzern GE verkauft Gasmotorengeschäft in Österreich, Kanada und USA für drei Milliarden Dollar

General Electric treibt den Konzernumbau voran und verkauft alle Werke komplett an den Finanzinvestor Advent. Der glaubt an ein Geschäft mit Zukunft.
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Der US-Industrieriese steckt in einer tiefen Krise. Quelle: AFP
Fabrik von General Electric

Der US-Industrieriese steckt in einer tiefen Krise.

(Foto: AFP)

Wien, New York, MünchenDer kriselnder US-Mischkonzern General Electric (GE) verkauft sein Gasmotorengeschäft in Österreich, Kanada und USA. Für die Sparte mit 3.000 Beschäftigen zahlt der Finanzinvestor Advent 3,25 Milliarden Dollar. Die Transaktion beinhaltet die Gasmotorenhersteller Jenbacher aus Tirol und Waukesha aus dem US-Bundesstaat Wisconsin, wie GE am Montagnachmittag bestätigte.

Zuvor hatte das „Wall Street Journal“ über die Verkaufspläne berichtet. Der Deal soll nach Zustimmung der Wettbewerbsbehörden im vierten Quartal abgeschlossen sein. GE-CEO John Flannery hatte bereits im April den Verkauf der Verbrennungsmotorensparte, konzernintern Distributed Power, mit Sitz im österreichischen Jenbach angekündigt.

Die Jenbacher Werke AG wurde 1958 gegründet und gingen bereits 2003 in den Besitz von GE über. Der jährliche Umsatz der Verbrennungsmotorensparte bewegte sich nach GE-Angaben auf 1,32 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Waukesha gehört erst seit 2010 zum GE-Reich.

Die Freude beim Finanzinvestor Advent über den Zukauf ist groß. „Das Geschäft hat ein bedeutsames Wachstumspotenzial weltweit“, sagte Ranjan Sen, geschäftsführender Partner bei Advent, am Montag. Der 1984 gegründete Finanzinvestor besitzt globale Investments von insgesamt 33 Milliarden Dollar.

Die Veräußerung von Jenbacher und Waukesha ist ein Teil eines Komplettumbaus von GE. Denn der über 125 Jahre alte Industriegigant steckt in seiner schwersten Krise. Insgesamt will CEO John Flannery Geschäftsbereiche im Wert von insgesamt 20 Milliarden Dollar verkaufen.

Im Mai hat Flannery bereits die seit 1907 zu GE gehörende Zugsparte für rund elf Milliarden Dollar an den Konkurrenten Wabtec verkauft. Im September ging GE Industrial Solution für Elektrobauteile und Stromaggregate für 2,6 Milliarden Dollar an den Schweizer Industriekonzern ABB.

Doch die Verkäufe haben die Aktionäre bislang nicht überzeugt: An der New Yorker Börse hat das Unternehmen innerhalb von zwölf Monaten die Hälfte seines Werts eingebüßt.

Flannery war im August 2017 bei GE angetreten, nachdem der langjährige CEO Jeffrey Immelt zurücktreten musste. Seitdem tauchen immer mehr Probleme auf: Bilanzschönungen, verschwenderische Ausgaben, strategische Fehlentscheidungen. Vor allem in der Energiesparte läuft es nicht mehr rund.

Dort hatte Immelt 2015 große Teile des Energiegeschäfts des französischen Alstom-Konzerns für 12,4 Milliarden Euro übernommen. Doch kurz nach dem Kauf brach die Nachfrage nach großen Gasturbinen weltweit ein. GE hat daher im Kraftwerksbereich ähnlich wie der Konkurrent Siemens massive Stellenstreichungen angekündigt.

Volle Auftragsbücher in Tirol

Jenbacher ist für einen Verkauf attraktiv. Denn die Auftragsbücher des Tiroler Produzenten von Gasmotoren und Blockheizkraftwerken sind voll. Im Zeitalter der Erneuerbaren Energien und der Dezentralisierung sind kleine Motorenkraftwerke gefragt. Davon profitieren die Hersteller solcher Anlagen wie GE Jenbacher, Wärtsila und MAN.

Doch gebe es nur wenig Synergien zwischen den kleinen Motoren und dem klassischen Kraftwerksgeschäft, das bei GE dominiert, hieß es in Industriekreisen. Zwar liefen die Geschäfte bei Jenbacher gut. Doch müsse man bei der Überprüfung des Portfolios immer auch überlegen, ob sich ein Geschäft unter einem anderen Besitzer noch besser entwickeln könne. GE habe sich in der Vergangenheit mit zu vielen Geschäften verzettelt. Daher müsse die Struktur des Konzerns vereinfacht werden.

Die im Inntal zwischen Karwendel und Rofangebirge gelegene Tochter von General Electric konnte meist prozentual zweistellig wachsen und den Umsatz mehr als vervierfachen. Zu den Kunden gehören zum Beispiel deutsche Stadtwerke, die sich zunehmend vom Stromhändler zum Stromerzeuger gewandelt haben. Experten gegen davon aus, dass in Zukunft mehr als die Hälfte der neu installierten Kapazitäten der Stromerzeugung auf dezentrale Lösungen entfallen werden.

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