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US-Pharmakonzern Opioid-Hersteller Purdue bereitet offenbar Insolvenz vor

Die Pharmafirma gilt als einer der Hauptverantwortlichen für die Opioid-Epidemie in den USA. Gegen den Konzern laufen mehr als tausend Klagen.
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Quelle: Reuters
Dem Unternehmen Purdue Pharma wird vorgeworfen, die Gefahr des Medikaments Oxycontin heruntergespielt zu haben.

New YorkEiner der Hauptverantwortlichen der amerikanischen Opioid-Epidemie scheint nach Wegen zu suchen, sich teilweise aus der Verantwortung zu stehlen. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ) bereitet Purdue Pharma einen Antrag auf Insolvenz vor.

Purdue ist der Hersteller des schnell abhängig machenden Schmerzmittels Oxycontin. Gegen das privat gehaltene Unternehmen laufen mehr als tausend Klagen – auch von US-Bundesstaaten und Städten. Die Kläger werfen Purdue vor, die Gefahr der Abhängigkeit heruntergespielt und mit gefälschten Studien zur Verbreitung des Medikaments beigetragen zu haben.

Mit einer Insolvenz könnte sich Purdue zumindest teilweise aus der Verantwortung ziehen und die Schadensersatzzahlungen reduzieren. Unter dem sogenannten „Chapter 11“ würde ein Insolvenzrichter die Einigungen mit den Klägern aushandeln. Das ginge schneller und wäre sehr wahrscheinlich günstiger für das Unternehmen. Dem WSJ zufolge arbeitet Purdue bereits mit verschiedenen Insolvenzexperten zusammen.

Wer hinter Purdue steckt

Hinter Purdue steht die Milliardärsfamilie Sackler. Nach ihr ist – wegen großzügiger Spenden – ein eigener Flügel im Metropolitan Museum of Art in New York benannt. Gerade in den vergangenen beiden Jahrzehnten scheint die Familie ihr Vermögen auf zumindest zweifelhafte Art vermehrt zu haben.

Es war vor allem Purdue, das in den 90er-Jahren die Debatte über den Umgang mit Schmerzmitteln angestoßen hat, um dem eigenen Medikament Oxycontin einen größeren Markt zu eröffnen. Mit durchaus umstrittenen Studien hat das Unternehmen den neuen Schmerztherapien den Weg bereitet.

Wirtschaftlich ging die Rechnung auf: 1996 setzte Purdue gerade einmal 42 Millionen mit Oxycontin um. 2016 waren es nach einer Schätzung des Broker-Hauses Sanford Bernstein 1,3 Milliarden Dollar.

Purdues Marketingexperten sorgten dafür, dass Schmerzen nicht mehr in erster Linie als Symptom interpretiert wurden, deren Ursache bekämpft werden muss, sondern dass der Schmerz selbst behandelt werden kann.

Die Gefahr der Abhängigkeit wurde dabei heruntergespielt. Die Purdue-Vertreter bezifferten sie bei den Ärzten mit einem Prozent. Diese Zahl basierte aber nicht auf einer wissenschaftlichen Studie, sondern lediglich auf einem kurzen Leserbrief an das „New England Journal of Medicine“. Zu den Marketingpraktiken gehörten auch 34.000 Gratis-Coupons für das erste Rezept auf Oxycontin.

Heute verdient die Sackler-Familie nicht nur mit Oxycontin Geld, sondern bald auch mit einem Mittel, das Patienten von der Opioid-Sucht befreien soll. Der ehemalige Purdue-Präsident Richard Sackler erhielt erst vergangenes Jahr ein Patent auf ein leicht verändertes Medikament, das bei dem Entzug von Opioid-Sucht helfen soll.

Trump erklärte die Epidemie zum Nationalen Notstand

In den USA sterben derzeit täglich 130 Menschen an einer Überdosis durch opioidhaltigen Drogen– fünfmal so viele wie 1990. Donald Trump hat deshalb bereits den Nationalen Notstand erklärt.

Für viele Menschen beginnt die Sucht, weil sie nach einer Operation oder nach dem Ziehen eines Weisheitszahns gleich Opioide in die Hand gedrückt bekommen. Viele kommen davon nicht mehr los, und wenn der Arzt die Mittel nicht mehr verschreibt, besorgen sie sich diese illegal oder steigen auf billigeres Heroin um.

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