US-Prozess Bayer-Aktien steigen kräftig nach Richterspruch zu Glyphosat

Die Strafe im Prozess um den Unkrautvernichter wird wohl geringer ausfallen. Die Richterin folgte Bayers Argumentation – und maßregelte die Klägeranwälte.
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Bayer: Aktien steigen kräftig nach Richterspruch zu Glyphosat Quelle: dpa
Glyphosat im Zwielicht

Bayer wehrt sich gegen den Vorwurf, dass Glyphosat für Krebserkrankungen in den USA verantwortlich sei.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie für Bayer günstige Entscheidung eines US-Gerichts in Sachen Glyphosat hat dem Aktienkurs des Konzerns deutlich Auftrieb gegeben. In einem schwachen Marktumfeld legten die Bayer-Titel am Vormittag um mehr als fünf Prozent auf 79 Euro zu. Die Aktie holte damit zum Teil die massiven Kursverluste der vergangenen Woche auf.

Investoren waren zuletzt aus der Aktie geflüchtet, weil sie eine hohe Rechtsbelastung durch die Glyphosat-Prozesse fürchteten. Die Bayer-Tochter war im August von einer Jury in San Francisco zu einer Zahlung von 289 Millionen Euro an einen krebskranken Mann verurteilt worden. Er hatte seine Erkrankung mit dem Einsatz des Unkrautvernichters in Verbindung gebracht. Mehr als 9000 derartige Klagen sind anhängig.

Doch in diesem ersten Verfahren zeigt sich nun eine Kehrtwende. Bayer hat erfolgreich Widerspruch gegen das Urteil eingelegt. Bei einer Anhörung am Mittwoch machte das Bezirksgericht in San Francisco deutlich, dass die Klägeranwälte nicht ausreichend Beweise für eine derart hohe Strafe vorgelegt hätten.

Das betrifft vor allem die sogenannte Strafschadenszahlung, die 250 Millionen Euro der Gesamtsumme ausmacht. Das Gericht bezweifelt, dass Monsanto arglistig oder betrügerisch gehandelt und mögliche Krebsrisiken bewusst verschwiegen hätte. Nur dann wären sogenannte Punitive Damages gerechtfertigt.

Die Richterin ordnete ein neues Verfahren an. Auf Basis ihrer Einschätzungen zeichnet sich ab, dass der Strafschaden für Monsanto in diesem neuen Prozess komplett aufgehoben werden könnte. Übrig bliebe nur der reine Schadenersatz von 39 Millionen Dollar, den Monsanto an den Kläger zahlen soll.

Doch auch diese Summe könnte niedriger ausfallen oder ganz gestrichen werden. Die Richterin sah nicht genügend Beweise für den Vorwurf, dass das glyphosathaltige Mittel Roundup von Monsanto ursächlich für die Krebserkrankung des Klägers sei. 

Bayer begrüßte die Entscheidung der Richterin. Für den Konzern ist die Wendung wichtig, denn sie stärkt seine Rechtsposition in den gesamten Glyphosat-Rechtsfällen. Zuletzt war die Zahl der Klagen sprunghaft angestiegen, weil sich viele Amerikaner durch das erstinstanzliche Urteil zu einer Klage ermuntert sahen.

Der Leverkusener Konzern kann nun in einem neuen Verfahren einen kompletten Freispruch erwirken. Selbst wenn ihm das nicht gelingt, dürfte die Belastung deutlich geringer ausfallen als von den Investoren zuletzt befürchtet, heißt es in einem Kommentar des Analysehauses Jefferies.

In der Anhörung am Mittwoch griff die Richterin die Klägeranwälte wegen ihres Verfahrensstils an. Anwalt Brent Wisner hatte der Jury des Gerichts zunächst zugerufen, sie könne mit ihrem Urteil „Geschichte schreiben und die Welt verändern“. Dann soll er gesagt haben, dass bei Monsanto im Vorstandsraum schon der Sekt kaltgestellt sei und die Korken knallen würden, wenn die Schadenszahlung nicht sonderlich hoch ausfallen würde. Die Richterin sah darin eine Grenze überschritten.

Das neue Verfahren wird voraussichtlich erst im Frühjahr 2019 anlaufen. Dann sind auch weitere Prozesse um Glyphosat in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Missouri zu erwarten. Mögliche Rechtsrisiken werden also weiterhin auf Bayer liegen – auch wenn sie nach der jüngsten Wendung weniger hoch sein dürften.

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