Teheran

Für viele Iraner ist die Anschaffung eines europäischen Autos eine Investition.

(Foto: dpa)

US-Sanktionen Warum PSA und Renault im Iran boomen

Französische Autohersteller sind im Iran heiß begehrt. Das treibt die Konzerne an, sich gegen die US-Sanktionen zu wehren. Das freut auch die Iraner.
  • Mahya Karbalaii
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TeheranMehr als jedes vierte Auto im Iran ist ein Peugeot. Auch Renault hat zehn Prozent Marktanteil. Damit sind französische Autos nicht mehr vom Teheraner Straßenbild wegzudenken.

Seit der vergangenen Woche bietet nun auch die PSA-Tochter Citroën sein im Iran hergestelltes C3-Modell an. In nur wenigen Minuten gingen Vorbestellungen für 2000 Autos ein, während andere Hersteller auf ihren Autos sitzen bleiben. Die Lieferzeiten betragen bis zu sechs Monate.

Peugeot hat im Juni 2017 in wenigen Stunden 16.000 Autos des Modells 2008 vorverkauft und vor Kurzem damit begonnen, diese auszuliefern. Nach einem erfolgreichen Vorverkauf von 4000 Renault Sandero Stepways verkaufte der PSA-Konkurrent im Iran 5500 Autos in nur einer Stunde. Die allgemeine Stagnation im Iran scheint für französische Autohersteller nicht zu gelten.

Kein Wunder, dass die französischen Automobilhersteller angekündigt haben, ihre Strategie im Iran trotz des Ausstiegs der USA aus dem Atomdeal nicht zu ändern. So hat beispielsweise PSA bestätigt, dass der Konzern sein 400-Millionen-Euro-Joint-Venture mit dem größten iranischen Autohersteller Iran Khordro fortsetzen wird.

Denn im Gegensatz zu den deutschen Herstellern kennen sich PSA und Renault bestens auf dem iranischen Markt aus – und versuchen, so weit wie möglich davon zu profitieren.

Ausländische Autos sind im Iran eine Investition

Eine Besonderheit sind Rabatte, die Hersteller für neue Modelle im Vorverkauf gewähren: Sie liegen bei einem Abschlag von bis zu 45 Prozent im Vergleich zum Listenpreis. Während beispielsweise das Peugeot-SUV 2008 im Iran laut Marktpreis umgerechnet rund 30.000 Euro kostet, ist er im Vorverkauf für rund 20.000 Euro zu haben.

Doch für viele Iraner ist die Anschaffung eines europäischen Autos mehr als ein simpler Kauf. Peugeot-Kunde Ebrahim Ahmadi sagt: „Nicht nur, dass Menschen europäische Autos schätzen, sie sehen es auch als eine Art Investition, um den Wert ihres Geldes zu behalten“.

Mit Ersparnissen in der iranischen Landeswährung ist das kaum möglich: Der Rial (IRR) hat innerhalb der vergangenen sechs Monate ein Drittel seines Werts verloren. Im April 2018 setzte die Regierung den Wechselkurs von 42.000 IRR gegen einen Dollar fest, um die Abwertung zu stoppen.

Mit der Angst vor der Rückkehr der Sanktionen suchen die Menschen solide Investitionsmöglichkeiten. „Ausländische Autos werden nie billiger“, sagt Ahmadi.

Auch deshalb haben Frankreichs Autohersteller große Hoffnungen für den Iran: Mit der Wiederaufnahme der Verkäufe nach dem Ende der Sanktionen im Jahr 2017 konnte PSA den deutlichen Rückgang beim Absatz in China durch Verkäufe im Iran ausgleichen.

2017 hat PSA im Iran 444.600 Autos verkauft – deutlich mehr als in China und Südasien (387.000 Autos in 2017).

Auch Renault investiert in das Land und plant, eine Produktion von 500.000 Autos jährlich aufzubauen – das sind deutlich mehr Autos als der Konzern in Frankreich verkauft.

„Im vergangenen Jahr haben wir etwa 70.000 Autos importiert“, erklärt Farhad Ehteshamzad, der Präsident des Autoimporteurverbands. „Hauptsächlich französische, südkoreanische und japanische Marken. Aber die Südkoreaner haben gesagt, dass sie ihre Aktivitäten im Iran einstellen werden, falls die Sanktionen zurückkommen.“

Deutsche Luxus-Modelle der Marken Porsche, BMW und Mercedes fahren vor allem auf dem Andarzgou Boulevard vor, einem der wohlhabendsten Viertel von Teheran.

Obwohl die Anzahl der deutschen Autos, die in den Iran importiert werden, niedrig ist, macht ihr Wert sieben Prozent aller importierten Autos aus. Im Vergleich dazu machen japanische Marken zwar 23 Prozent der importierten Autos aus, ihr Anteil am Wert der eingeführten Fahrzeuge beträgt jedoch nur 2,3 Prozent.

„Aus Deutschland kommen vor allem Porsche-, BMW- und Mercedes-Modelle mit großen Motoren“, weiß Importeur Ehteshamzad. „Die Regierung stuft sie als ‚Luxus‘ ein und hat ihren Import momentan gestoppt. Daher sind japanische Autos für die Menschen hier erschwinglicher.“

In letzter Zeit hat auch VW begonnen, GTI- und Passat-Modelle in den Iran zu exportieren. „VW hatte im Iran einen außerordentlich guten Ruf“, sagt Mohammad Reza Najafimanesh, Präsident der iranischen Automobilhersteller-Vereinigung. „Aber in ihrer Abwesenheit wurde VW von französischen Herstellern abgelöst.“

Auch die heimische Autoindustrie hat unter der Ausweitung der Sanktionen im Jahr 2013 hart gelitten: Die Produktion der Branche, immerhin der zweitgrößte Wirtschaftszweig nach der nach Ölindustrie, brach um die Hälfte ein. Der Export von iranischen Autos ging auf 50 Millionen Dollar zurück.

Nach der Aufhebung der Sanktionen hatte für die iranische Regierung daher der Ausbau der Autoteileproduktion oberste Priorität – heute macht sie drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

„80 Prozent der Autoteile werden heute im Land produziert“, sagt Automobil-Funktionär Najafimanesh. „Eines der Probleme besteht darin, dass iranische Hersteller nicht gut mit kleinen und mittleren Herstellern in Europa verbunden sind. Das sind Unternehmen, mit denen wir immer arbeiten können – auch wenn die Sanktionen zurückkommen.“

Iran plant daher, seine jährliche Produktion bis 2020 auf drei Millionen Autos zu erhöhen. „Laut Vertrag mit den französischen Herstellern müssen sie 30 Prozent ihrer Produktion in andere Länder exportieren. Der Export in Länder wie Irak und Syrien könnte aus dem Iran viel einfacher sein als aus Europa“, fügt Najafimanesh hinzu.

Das sind genug Gründe dafür, dass der zweitgrößte Autohersteller Europas seinen Platz im Iran behält.

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