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Uwe Hück im Interview „Ich werde hier einigen auf die Füße treten“ – Wie der Ex-Porsche-Betriebsrat die SPD retten will

Uwe Hück startet eine Karriere als Politiker. Im Interview spricht er über Korruptionsvorwürfe und darüber, wie er Pforzheim retten und Sigmar Gabriel zurückholen will.
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Für wohltätige Zwecke steigt der frühere Betriebsratschef von Porsche häufiger in den Ring. Quelle: Sebastian Berger für Handelsblatt
Uwe Hück

Für wohltätige Zwecke steigt der frühere Betriebsratschef von Porsche häufiger in den Ring.

(Foto: Sebastian Berger für Handelsblatt)

PforzheimEx-Porsche-Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück sieht seine neue Karriere als Politiker nicht durch Korruptionsvorwürfe bei Porsche gefährdet. „Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen“, sagte Hück im Handelsblatt-Interview.

Zuletzt gab es Medienberichte, wonach Porsche-Betriebsräte von Beschäftigten Geld dafür genommen haben sollen, dass deren befristete Arbeitsverträge in unbefristete gewandelt wurden. Das Unternehmen hatte dies bereits zurückgewiesen.

„Diese Vorwürfe habe ich die letzten vier Jahre bis zu meinem Ausscheiden immer wieder untersuchen lassen“, betonte Hück. Der Ex-Gesamtbetriebsratschef bezeichnete das Thema als „Unsinn“. Es stehe in keinem Zusammenhang mit seinem Ausscheiden bei Porsche.

Anfang Februar hatte der 56-Jährige als einer der bekanntesten Betriebsratschefs der Republik überraschend seinen Wechsel in die Politik bekanntgegeben. Inzwischen führt er die Liste der SPD in Pforzheim für die Kommunalwahl im Mai an.

Im Handelsblatt-Interview wagt sich Hück auch an die großen bundespolitischen Themen wie Hartz IV: „Es kann nicht sein, dass einer, der länger gearbeitet hat, nicht auch länger Arbeitslosengeld bekommt. Diese Ungerechtigkeiten müssen wir rausnehmen.“

Hück setzt sich zudem ausdrücklich für eine Rückkehr von Sigmar Gabriel in die SPD-Spitzenpolitik ein: „Er muss wiederkommen.“ Hück will die Partei wieder durch Politiker „mit Ecken und Kanten“ flottmachen. Er mahnte Veränderungen durch mehr Mitgliederentscheide an.

Für Pforzheim fordert Hück im Interview mehr Sicherheit durch ein neues Polizeipräsidium, den Bau von Sozialwohnungen und mehr Sozialeinrichtungen in der hochverschuldeten Stadt. „Der Bund hat einen Überschuss von 50 Milliarden Euro. Der Bund kann sich nicht immer von den Gemeinden abwenden, die es nicht mehr schaffen“, hofft Hück auf finanzielle Hilfe von Land und Bund.

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Uwe Hück:

Uwe Hück ist spät dran. „Häuptling, die Journalisten sind schon da“, ruft sein Mitarbeiter Ihsan – ein Kraftpaket, kahlgeschoren und mit tätowierten, schenkeldicken Oberarmen – ins Telefon. Minuten später taucht der „Häuptling“ in seiner Lernstiftung in Pforzheim auf. Hier hilft sein Team benachteiligten Jugendlichen beim Lernen, bei der Bewerbung um Ausbildungsplätze oder bringt ihnen Boxen bei. Anfang Februar hat Hück seinen Job als Gesamtbetriebsratschef bei Porsche überraschend aufgegeben. Der Mann will jetzt die Politik verändern, zunächst in Pforzheim, später vielleicht im Ländle und dann womöglich im ganzen Land.

Herr Hück, warum sind Sie bei Porsche ausgestiegen?
Ich bin jetzt 35 Jahre bei Porsche und 22 Jahre Betriebsratschef. Ich habe alles mitgemacht. Die Übernahmeschlacht hat meine meisten Körner verbraucht und die Integration mit VW – das war nicht immer leicht. Das Schlimmste war, dass mein Partner Wendelin Wiedeking plötzlich gehen musste. Wir haben mit erheblichen Widerständen darum gekämpft, dass Porsche eigenständig bleiben konnte. Das prägt schon: Du bist nur noch in der Firma und hast dich um nichts anderes mehr gekümmert. Dann entzweit man sich von der Familie – das würde ich nie wieder so machen.

Sie bereuen Ihren Einsatz für Porsche?
Ich würde nie wieder Tag und Nacht für eine Firma arbeiten. Wenn man eine Familie verliert, dann bereut man schon etwas. Aber es ist meine Schuld, nicht die Schuld der Firma. Ich habe das freiwillig gemacht. Erfolg ist etwas Schönes, aber wenn man dadurch seine Familie verliert, dann ist der Erfolg nicht mehr angenehm.

Haben Sie Kenntnis davon oder waren Sie selbst daran beteiligt, dass Porsche-Betriebsräte Geld genommen haben als Gegenleistung dafür, dass befristet Beschäftigte in einen unbefristeten Job übernommen wurden?
Das ist Unsinn! Wir haben in den vergangenen Jahren Tausende von neuen Stellen geschaffen und leider kann nicht jeder einen festen Job bei Porsche bekommen. Dann ist sicher der eine oder andere dabei, der enttäuscht ist und sagen wird: „Schweinerei, die sind korrupt!“

Es ist da wirklich gar nichts dran?
Diese Vorwürfe habe ich die letzten vier Jahre bis zu meinem Ausscheiden immer wieder untersuchen lassen. Das Arbeitsgericht hat festgestellt, dass der Betriebsrat aufgrund der strengen Regularien in den Betriebsvereinbarungen gar nicht manipulieren kann. Auf den Betriebsversammlungen habe ich auch wiederholt gesagt: „Leute, ich will wissen, wenn ein Betriebsrat die Hand aufhält. Dann schmeißen wir den raus.“ Das ist alles kalter Kaffee ohne Beweise, der da hochgekocht wird.

Der SPD-Politiker kandidiert zunächst in Pforzheim. Quelle: Sebastian Berger für Handelsblatt
Uwe Hück vor seinem Wahlkampfbüro

Der SPD-Politiker kandidiert zunächst in Pforzheim.

(Foto: Sebastian Berger für Handelsblatt)

Stehen der Vorwurf der Korruption oder andere Unregelmäßigkeiten in irgendeinem Zusammenhang mit Ihrem Ausscheiden bei Porsche?
Nein, natürlich nicht. Es war für mich der absolut richtige Zeitpunkt, nun aufzuhören, Work-Life-Balance zurückzuholen, mehr Zeit für die Familie zu haben, für meine Stiftung und mit der Politik etwas Neues in meinem Leben zu beginnen.

Kann diese Geschichte Ihren Neustart in die Politik gefährden?
Wieso sollte es das? Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Ich habe jahrelang für Porsche und die Belegschaft gekämpft. Ich denke, ich war ein guter Betriebsratsvorsitzender. Nun möchte ich genauso gut in der Politik werden.

Das Ganze sah nach einer Spontankandidatur aus.
Ich wollte schon lange in die Politik. Das habe ich auch dem Sigmar Gabriel gesagt, das ist ein guter Freund von mir. Ende Januar hatten wir 76 Prozent der Stimmen bei der Delegiertenwahl für den Aufsichtsrat. Jetzt hätte ich mich als Kandidat zur Wahl für den Aufsichtsrat stellen lassen müssen. Gleichzeitig war die Listenaufstellung der SPD in Pforzheim für die Kommunalwahl, also eine Gelegenheit für den Wechsel. Aber ich war unzufrieden mit der SPD, da habe ich überlegt, eine eigene Liste aufzumachen.

Eine Kampfansage an Ihre Partei.
Nach 40 Jahren in der SPD wollte ich das klare Signal setzen: So geht es nicht weiter. Dann hat mich der Andreas Stoch (SPD-Parteichef in Baden-Württemberg) angerufen, und Sigmar Gabriel und die haben gesagt: Das kannst du nicht machen. Die Partei muss sich erneuern, aber das kannst du nicht über eine eigene Liste machen. Dann habe ich gesagt: Wenn die Partei einverstanden ist, dass wir hier in Pforzheim einen ganz eigenen Weg gehen, dann mache ich mit.

Eigentlich wollte die SPD eine Frau an der Spitze.
Eine Frau an der Spitze ist wichtig. Die haben wir auch mit der Ann-Kathrin Wulff. Aber wichtiger ist, sich breit aufzustellen, und ich bin bereit, mich mit meiner Bekanntheit für die Bürger einzusetzen. Den Pforzheimer interessiert Bildung und Sicherheit. Mittlerweile traut sich ja kaum noch jemand mehr in den Bahnhof. Viele Menschen haben auch nicht mehr genug zum Leben. Das will ich ändern. Und die Leute wissen: Wenn der Hück mit seiner großen Schnauze etwas ankündigt, dann zieht er das auch durch.

Und so kam es auch: Sie wurden über Nacht Spitzenkandidat.
Am Samstag vor der Nominierung waren wir in einem ganz kleinen Büro, da habe ich gesagt: Ab sofort kümmert ihr euch nicht mehr um euch, sondern um eure Bürger. Wir machen ein Wahlbüro, das Revolutionswahlbüro. Da lade ich Menschen aller Altersgruppen ein, vor allem die jungen Menschen. Mit meinen Organisationen betreue ich ja schon 600 hier in der Stadt. Und die möchte ich rausschicken, und die sollen mal sammeln, was den Menschen am wichtigsten ist.

Der gute alte Kampagnenwahlkampf?
Nicht nur. Wir machen auch eine Website, auf der man sich einloggen kann, zum Beispiel zum Thema Sicherheit. Ich will von den Bürgern wissen, was ihnen wichtig ist, nicht von den Parteigremien. Wir brauchen zum Beispiel wieder ein Polizeipräsidium. Wir haben in Pforzheim riesengroße Probleme mit der Sicherheit. Es gibt keine Woche ohne Überfälle. Wir haben 143 Nationalitäten und über 55 Prozent Migrationsanteil in der Stadt.

Pforzheim, die Stadt der Einwanderer, funktioniert nicht mehr?
Es entgleist hier etwas. Wenn man durch die Stadt geht, dann stellt man fest, dass hier Stillstand ist. Das passiert in ganz Deutschland extrem. Dabei kommt die Transformation jetzt erst mit der Digitalisierung. Und da sage ich: Deutschland ist noch nicht so weit, dass es das Tempo der Digitalisierung mitgehen kann. So bekommen wir sozialen Unfrieden. Und sozialer Unfrieden heißt in Deutschland immer: Es geht nach rechts. Deshalb dürfen wir den sozialen Unfrieden gar nicht erst entstehen lassen.

Aber wie?
Wir müssen ganz schnell den Bürgern wieder das Gefühl geben, dass man ihnen zuhört. Dass sie uns sagen, was wir zu tun haben. Wahrscheinlich werde ich mich im Gemeinderat langweilen. Aber wir werden rocken, wir werden Musik machen, das verspreche ich jetzt schon. Ich werde alle acht Wochen eine Bürgerinformation machen und fragen: Was wollt ihr? Wir werden es nicht allein mit Uwe Hück schaffen, wir werden es nicht allein mit der SPD schaffen. Wir werden es nur alle gemeinsam schaffen.

Also dem Volk wieder aufs Maul schauen?
Nicht aufs Maul schauen! Wir müssen mit den Bürgern reden, sie wieder ernst nehmen: 68 Prozent der Bürger in Pforzheim haben bei der letzten Kommunalwahl nicht gewählt. Ich war nie ein großer Fan von Franz Josef Strauß. Aber der ist abends ins Bierzelt gegangen und hat zugehört, was die Menschen umtreibt. Das hat früher auch die SPD gemacht. Wir müssen aus den Büros raus auf die Straßen und in die Kneipen.

Zuhören klingt immer gut, aber was ist Ihr Programm?
Ganz konkret: Wir wollen wieder die Sozialwohnungen einführen. Wir wollen das Recht auf Wohnen nicht mehr allein dem freien Markt überlassen. Wenn wir heute einem Rentner 100 Euro mehr geben, dann nimmt der Vermieter ihm 200 Euro mehr Miete ab. Ich weiß, wovon ich rede: Ich war früher selber in einer Sozialwohnung.

Und wie lautet Ihre Abhilfe?
Der Immobilienmarkt ist überhitzt, und das führt zu sozialem Unfrieden. Wir müssen in Pforzheim eine Balance zwischen Sozialwohnungen und „freien“ Wohnungen schaffen.

Wie denn? Wollen Sie enteignen?
Nein! Niemand kann und darf enteignet werden. Wir müssen uns überlegen, wie kaufen wir sie wieder zurück? Und wir müssen Gelände suchen, wo wir bauen können. In Pforzheim gibt es ganz viele städtebauliche Nachverdichtungsmöglichkeiten.

Was brauchen Sie noch?
Soziale Einrichtungen. Wir haben hier Stadtteile, da sind Jugendzentren und Sportplätze geschlossen worden. Das sind jetzt AfD-Hochburgen, weil die Menschen sagen: Die Ausländer müssen raus. Dabei können die Ausländer gar nichts dafür, wenn man vorher alle sozialen Einrichtungen geschlossen hat.

Womit wollen Sie Ihre Wahlkampfversprechen denn finanzieren?
Pforzheim ist ja Meister der Pleite.

Wo holen Sie dann das Geld her?
Es gibt zwei Wege, einmal das Land und den Bund. Der Bund hat einen Überschuss von 50 Milliarden Euro. Der Bund kann sich nicht immer von den Gemeinden abwenden, die es nicht mehr schaffen. Wir haben so viel Überschuss, und wir haben in Deutschland Gemeinden, die sich noch nicht einmal vernünftige Schulen leisten können, geschweige denn ein Schwimmbad.

Pforzheim hat kein Schwimmbad mehr?
Eigentlich haben wir nichts! Eine Großstadt mit 125 000 Einwohnern verfügt aktuell über ein 25-Meter-Becken in einem Minihallenbad sowie über ein marodes Freibad. Wir werden die Stadt der Nichtschwimmer. Wir brauchen jetzt Geldgeber, die sagen: Wir als Bund investieren jetzt in diese marode Stadt. Das können andere Städte im Ruhrgebiet zum Beispiel auch sagen, und dann muss das dort auch einer machen.

Sie machen Politik mit Geld von anderen?
Wir zahlen es ja wieder zurück. Ich will ja nur eine Investition. Wenn man kein Mehl hat, kann man kein Brot backen. Wenn wir das Brot verkaufen, können wir das Mehl bezahlen. Wir müssen ein Konzept haben. Wir müssen hier alle Mauern einreißen, so wie wir das früher bei Porsche gemacht haben. Wir brauchen einen Start-up-Park. Wir haben geile Hochschulen hier. Wir müssen die jungen Leute begeistern und mit einbinden.

Sie werden sich nicht nur Freunde machen, Sie stellen die Machtfrage.
Ich werde hier einigen auf die Füße treten. Und ich werde mir eine blaue Nase holen.

Dabei zählen Sie doch eher zum konservativen Flügel der SPD.
Ich bin total konservativ. Ich liebe die zehn Gebote und das Grundgesetz. Man braucht Regeln, das ist das A und O.

Das sind christliche Grundwerte. Aber wir haben ja eine Integrationsdebatte. Wie wollen Sie das in Einklang bringen?
Wenn ein Auto verrostet ist, werde ich das nicht im Handumdrehen auf Hochglanz bringen. Ich muss erst abschleifen, dann Füller aufbringen, dann wieder schleifen und dann erst lackieren und polieren.

Da spricht der gelernte Lackierer. Aber ist das Bild nicht zu einfach?
Nein, im Gegenteil, ich will es als konkretes Symbol nutzen. Ich will einen echten alten VW-Bulli herrichten, jeden Tag ein bisschen mehr. Und die Leute können das mitverfolgen, bis er dann am Wahltag, dem 23. Mai, in vollem Glanz erstrahlt.

Und was wollen Sie damit zeigen?
Dass man nicht sofort alles aufbrechen kann. Dass Politiker als Erstes wieder das Vertrauen der Bürger brauchen. Die Bürger vertrauen den Politikern nicht mehr.

Und warum nicht?
Weil wir uns nicht um sie gekümmert haben. In Pforzheim ging es in den letzten Jahren immer nur um Schulden, Schulden, Schulden und nicht um Investitionen oder Erhalt. Hallenbäder, Schulen und Sportplätze, alles verkommt. Die Vereine mussten zumachen, weil man sie nicht unterstützt hat, und damit sind wesentliche Orte verloren, an denen Integration stattfinden kann.

Wie sehen denn die konkreten Zahlen aus?
Heidelberg gibt pro Einwohner zwischen elf und zwölf Euro für die Sportförderung aus. In Pforzheim sind es gerade einmal 1,50 Euro. Und dann kommen auch noch einige um die Ecke und fordern von den Vereinen, sie sollen für die Integration der Migranten sorgen. Aber einen zusätzlichen Sportplatz wollen sie denen nicht geben. Dann geht die Integration auf Kosten der bestehenden Mannschaften, die dann weniger trainieren und spielen können. Das schafft böses Blut und erschwert die Integration

Wenn die Stadt kein Geld hat, kann sie auch keines ausgeben.
…Pforzheim gibt das meiste Geld für Hartz IV aus. Das sagt doch alles, oder? Wir haben hier die höchste Jugendarbeitslosigkeit im Land. Das ist eine Entwurzelung und ein Teufelskreis.

Muss Hartz IV reformiert werden?
Immer, wenn ich im Kinderheim bestraft worden bin, habe ich das Gleiche noch mal gemacht. Wenn das Rauchen verboten wurde, habe ich erst recht geraucht. Ich habe erst mit Rauchen aufgehört, als ich Rauchen durfte.

Also dann eher Laisser-faire?
Die meisten Jugendlichen bei mir bestrafe ich nicht, um sie auf den richtigen Weg zu bekommen. Sie brauchen Disziplin, und wir müssen uns um sie kümmern. Wir kümmern uns nicht um die Jugendlichen.

Mit Hartz IV kümmert man sich nicht um die Jugendlichen.
Nein, das tut man nicht. Und das weiß auch der Gerd Schröder. Der hat ja selbst gesagt, Hartz IV sind nicht die Zehn Gebote. Wir können auch etwas daran verändern.

Und wie funktioniert die Hück-Methode?
Einmal zum Arbeitsamt kommen und sie wieder wegschicken, führt doch nur zu Frust. Das war bei mir früher genauso. Die Arbeitsagentur muss so etwas machen wie wir hier in meiner Lernstiftung. Da muss ein Büro im Jugendzentrum sein. Einrichtungen für Sport, Bildung und Bewerbungsgespräche alles an einem Fleck. Der Staat muss zu den Menschen. Das sind doch menschliche Ressourcen, die sonst verloren gehen.

Was heißt das bei Hartz IV konkret?
Es kann nicht sein, dass einer, der länger gearbeitet hat, nicht auch länger Arbeitslosengeld bekommt. Diese Ungerechtigkeiten müssen wir rausnehmen.

Das macht doch die SPD.
Ich bin ganz offen. Andrea Nahles macht es in der richtigen Phase, aber nicht mit so viel Beamtentum. Das kostet nur Geld und ist nicht effektiv.

Was meinen Sie damit?
Man müsste es dezentraler und mit viel weniger Formularen machen. Formulare sind heute so lächerlich. Die Jugendlichen haben alle Smartphones. Die richtigen Apps könnten das wesentlich vereinfachen. Wir müssen uns schnell um die Jugendlichen kümmern. In fünf Jahren werden uns zwei Millionen Facharbeiter in Deutschland fehlen.

Und wie sieht die Zukunft der SPD aus?
Ich hoffe, dass die SPD gestärkt rauskommt. Eine andere SPD, wo alle sagen, ja, das ist wieder unsere alte Dame. Wir müssen sie wieder so hübsch machen, dass jeder sagt, mit der gehe ich mal wieder gerne tanzen. Es muss Veränderungen geben. Das macht nicht ein Gremium. Das müssen die Parteimitglieder entscheiden.

Hat Frau Nahles das verstanden?
Wir kennen und mögen uns schon sehr lange. Sigmar Gabriel mag ich auch. Dass die sich nicht so verstehen, ist bekannt. Ich fühle mich hier wie ein Schulsprecher und versuche, die beiden immer wieder zusammenzubringen.

Kommt Sigmar Gabriel wieder?
Er muss wiederkommen. Wir brauchen doch nicht nur Strategen, wir brauchen auch solche Brummbären. Ich will keine cleanen Politiker. Damit müssen wir aufhören. Die müssen Fehler haben, Ecken und Kanten.

Was ist Ihr Ziel bei der Kommunalwahl? Bislang hatte die SPD nur sechs von 40 Sitzen.
Es muss ein klares Votum werden. Je klarer es wird, desto mehr können wir umsetzen.

Herr Hück, vielen Dank für das Interview.

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1 Kommentar zu "Uwe Hück im Interview: „Ich werde hier einigen auf die Füße treten“ – Wie der Ex-Porsche-Betriebsrat die SPD retten will"

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  • Wie lange will der sich eigentlich noch verschwitzt in Boxhandschuhen zeigen?
    Wir wissen ja nun das er ein gaaaanz harter Klassenkämpfer ist. Nur noch peinlich.