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Vatikan 100.000 Leuchtdioden aus Regensburg – Osram beleuchtet den Petersdom

Der Petersdom erstrahlt im Licht von Osram-Leuchtdioden. So kommen dem Konzern auch in wirtschaftlich harten Zeiten die Beziehungen zum Vatikan zugute.
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Osram lässt die Kuppel der jahrhundertealten Kirche im neuen Glanz erstrahlen. Quelle: Archivio Fotografico Fabbrica di San Pietro
Kuppel des Petersdoms

Osram lässt die Kuppel der jahrhundertealten Kirche im neuen Glanz erstrahlen.

(Foto: Archivio Fotografico Fabbrica di San Pietro)

RomEs ist ein erhabener Moment für Olaf Berlien in unruhigen Zeiten. Neben zwei Kardinälen schreitet der Osram-Chef durch den Petersdom. Nur ein paar Kerzen leuchten, ein Chor singt. Da erstrahlt die Kuppel des Doms in vollem Glanz.

Osram hatte den Auftrag für die Beleuchtung des Petersdoms bekommen. Von einem „lichttechnischen Meisterwerk“ sprach der Osram-Chef bei der Einweihung des Prestigeprojekts am Freitagabend. Es sei gelungen, 500 Jahre Historie und Hightech miteinander zu vereinbaren. „Für mich ist das etwas unglaublich Besonderes“, sagte Berlien dem Handelsblatt. „Wir können den Menschen etwas zeigen, was sie so noch nie gesehen haben.“

Gute Nachrichten kann der Osram-Chef gut gebrauchen. Denn die Geschäfte seines Unternehmens laufen derzeit nicht sonderlich gut. Nach zwei Gewinnwarnungen im vergangenen Jahr verlief auch der Start ins neue Geschäftsjahr 2018/19 schlecht, wie die Ex-Siemenstochter in der Nacht zum Donnerstag verkündet hatte.

Der Umsatz ging von Oktober bis Dezember im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent auf 828 Millionen Euro zurück. Das bereinigte operative Ergebnis brach um fast die Hälfte auf gut 93 Millionen Euro ein.

Seine Prognose für das Gesamtjahr kann Osram nur erfüllen, wenn der Auftragseingang in den kommenden Monaten anzieht. Auch die Mitarbeiter bekommen die Auswirkungen der schwierigen Geschäftslage zu spüren: In Regensburg sollen bei der Chiptochter OS Semiconductors 300 Stellen gestrichen werden.

Da kann kirchlicher Beistand nicht schaden. Osram pflegt seit Jahren gute Geschäftsbeziehungen zum Vatikan. Die Ex-Siemens-Tochter hatte sich in den vergangenen Jahren bereits die Aufträge für neue LED-Technik für die Beleuchtung der Sixtinischen Kapelle, des Petersplatzes und der Stanzen des Raffael gesichert.

Im Petersdom, der bedeutendsten Basilika der Welt, kommen nun mehr als 780 Spezialleuchten, bestückt mit etwa 100.000 in Regensburg gefertigten Leuchtdioden, zum Einsatz. „Sowohl Kunstliebhabern als auch Pilgern, die zu diesem Zentrum des katholischen Glaubens kommen, wurde mit diesem Projekt ein großer Dienst erwiesen“, sagte Kardinal Guiseppe Bertello, der zweite Mann im Vatikan.

Es geht ums Prestige, aber nicht nur

Was den Konzern-Umsatz betrifft, so ist der Anteil der Vatikan-Aufträge an ihnen überschaubar. Aber es geht auch um Prestige: Osram kann so an prominenter Stelle zeigen, was heute technologisch so möglich ist. So kann die Beleuchtung der rund 22.000 Quadratmeter großen Kirche mit intelligenter Lichtsteuerung per Knopfdruck auf vordefinierte Lichtszenarien angepasst werden, zum Beispiel für den Gottesdienst.

Durch das neue LED-Licht sind zudem erstmals die Mosaike in den Kuppeln der Seitenschiffe im Detail erkennbar. Bislang lagen viele Kunstwerke im Halbdunkel. Am Freitagabend konnten sich die Besucher erstmals einen Eindruck von den vielen möglichen Lichtszenarien machen.

Doch es geht nicht allein ums Image. Das Geschäft mit Spezialanwendungen soll bei Osram in den nächsten Jahren wachsen. Schließlich will sich der Konzern etwas unabhängiger machen vom Geschäft mit der Automobilindustrie. Das war lange der Wachstumstreiber im Konzern. Als Folge litt der Zulieferer aber auch, als die Branche im Zuge des Dieselskandals in Turbulenzen geriet.

So musste Osram die Prognosen schon im Geschäftsjahr 2017/18 gleich zweimal nach unten korrigieren. Der Umsatz stieg schließlich schwächer als erwartet vergleichbar nur um zwei Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis sank um 13 Prozent auf 605 Millionen Euro. Auch im laufenden Geschäftsjahr stehen die Margen weiter unter Druck. Berlien rechnet mit null bis drei Prozent Wachstum und niedrigeren Renditen. Auch die Mittelfristziele musste der Osram-Chef kassieren.

Zumindest im Vatikan lief nun wieder alles glatt. Die neue Beleuchtung für den Petersdom wurde vorab digital am Computer simuliert und danach rasch im Original umgesetzt. Die Energieersparnis beträgt laut Osram bis zu 90 Prozent. Die höchste Leuchte wurde auf einer Höhe von rund 110 Meter angebracht.

Einige Kuppeln erstrahlten nun zehnmal heller. „Die neue Beleuchtung des Petersdoms entspricht in vollem Umfang den Anforderungen für Verehrung, Gebet und Messfeiern, insbesondere dann, wenn der Heilige Vater anwesend ist“, sagte Kardinal Angelo Comastri.

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