VCI-Prognose Der Boom in der deutschen Chemie verliert an Kraft

Das Wachstum in Deutschlands drittgrößtem Industriezweig lässt deutlich nach. Konjunktur- und Politikrisiken drücken in der Chemie auf die Stimmung.
Update: 12.07.2018 - 14:55 Uhr Kommentieren

Handelskrieg, Brexit und Co. – Politik verhagelt der Chemie-Branche die Stimmung

Handelskrieg, Brexit und Co. – Politik verhagelt der Chemie-Branche die Stimmung

FrankfurtDie deutsche Chemieindustrie wird 2018 weiter solide zulegen. Aber der Branchenboom hat nach einem sehr starken Jahresauftakt seinen Zenit inzwischen klar überschritten. Seither schwächen sich die Wachstumsraten ab. Dieses Bild vermittelt der Branchenverband VCI in seinem jüngsten Ausblick für Deutschlands drittgrößten Industriezweig.

Die aktuelle Geschäftslage werde von den Unternehmen der Branche weiterhin überwiegend positiv bewertet, sagte VCI-Präsident Kurt Bock. „Aber das Tempo des Wachstums hat nachgelassen. Gleichzeitig haben die konjunkturellen Risiken zugenommen, der Gegenwind wird stärker.“ Sowohl die inländische Industriekonjunktur als auch das Geschäft in Europa und Übersee habe nach dem rasanten Aufschwung des Vorjahres im ersten Halbjahr 2018 an Dynamik eingebüßt.

Der Branchenverband reiht sich mit diesen Aussagen in die generell etwas vorsichtigeren Konjunkturprognosen ein. Die Lage in der Chemie spiegelt auch die insgesamt schwächere Dynamik in wichtigen Abnehmerbranchen aus dem verarbeitenden Gewerbe wider. Bock, der bis Anfang Mai den Chemiekonzern BASF leitete, verwies auf wachsende Unsicherheiten und Risiken, die sich unter anderem aus einem drohenden globalen Handelskrieg und dem geplanten Brexit ergeben.

Kritisch beobachte die Branche auch die kräftig steigenden Ölpreise, die auf die Gewinnmargen drückten. „Wegen dieser sich häufenden Risiken erwarten wir, dass sich der Aufwärtstrend im deutschen Chemiegeschäft in der zweiten Jahreshälfte weiter abschwächen wird.“

Alles in allem ist die chemisch-pharmazeutische Industrie dabei hervorragend ins Jahr 2018 gestartet. Insgesamt verbuchte sie im Halbjahr laut VCI ein Produktionsplus von fünf Prozent und damit das stärkste Wachstum seit Jahren. Der Umsatz kletterte nach den vorläufigen Daten des VCI um 5,5 auf gut 100 Milliarden Euro.

Maßgeblicher Treiber war dabei das weiterhin sehr starke Pharmageschäft, das in den VCI-Zahlen traditionell mit erfasst wird und im ersten Halbjahr ein Plus von 11,5 Prozent verbuchte. Klammert man Pharma aus, errechnet sich laut VCI für die Chemie im engeren Sinne ein Plus von zwei Prozent.

Auch das ist im langjährigen Vergleich ein sehr solider Wert. Allerdings wird darin auch die Abschwächung des Booms bereits sichtbar. Im ersten Quartal legte die reine Chemieproduktion noch um 2,5 Prozent zu. Inklusive Pharma verbuchte die Branche im ersten Quartal sogar ein Plus von 6,7 Prozent.

Vor dem Hintergrund dieses Trends hat der VCI denn auch seine moderatere Prognose für das Gesamtjahr beibehalten. Er erwartet weiterhin rund 3,5 Prozent Produktionswachstum und 4,5 Prozent Umsatzplus für das Gesamtjahr 2017. Erstmals würde die Branche damit die Schwelle von 200 Milliarden Euro Umsatz überschreiten.

Der Ausblick des VCI deckt sich mit bisherigen Aussagen aus Unternehmen und Analystenprognosen. Firmen wie BASF und Covestro zum Beispiel demonstrierten zuletzt ebenfalls gewisse Vorsicht und hatten ihre Jahresprognosen trotz überraschend starker Zahlen zum ersten Quartal nicht angehoben.

Auch der europäische Chemieverband Cefic hatte jüngst auf eine Abschwächung in vielen Abnehmerindustrien der Chemie verwiesen. Allerdings geht die Cefic davon aus, dass sich die Chemiebranche (ohne Pharma) auf einem relativ stabilen, wenn auch moderaten Wachstumskurs halten kann. Man erwarte ein Produktionswachstum von 1,5 Prozent sowohl für 2018 als auch 2019, heißt es im jüngsten Ausblick der Cefic.

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