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VDA und das Coronavirus Deutsche Autoindustrie stellt sich auf eine Pandemie ein

Das Coronavirus bereitet Autoherstellern und Zulieferern zunehmend Sorgen. Die weltweiten Verkaufsprognosen müssen nach unten korrigiert werden.
27.02.2020 - 15:17 Uhr Kommentieren
Die jüngste Häufung von Erkrankungen in Norditalien stellt die Automobilindustrie vor neue Probleme. Quelle: dpa
Fahrzeug-Montage

Die jüngste Häufung von Erkrankungen in Norditalien stellt die Automobilindustrie vor neue Probleme.

(Foto: dpa)

Berlin Die Auswirkungen der weltweiten Corona-Epidemie werden immer stärker in der Automobilindustrie spürbar. „Von einer raschen Erholung können wir nicht ausgehen“, sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Die größten Konsequenzen gibt es in China, dem wichtigsten Markt für die deutschen Automobilhersteller. Dort war das Coronavirus zuerst aufgetreten. „Bei chinesischen Kunden gibt es eine starke Kaufzurückhaltung“, erläuterte Müller. Bislang sei der VDA davon ausgegangen, dass der chinesische Automarkt 2020 um etwa zwei Prozent schrumpfen werde. Das wäre der dritte Rückgang nach 20 Jahren eines ununterbrochenen Wachstums.

Nach Angaben von VDA-Präsidentin Müller ist es derzeit noch schwierig, die konkreten Folgen der Corona-Erkrankungen zu quantifizieren. Doch Deutschlands wichtigster Industrieverband kalkuliere für den chinesischen Automarkt jetzt in ersten Szenarien mit einem Minus von sieben Prozent. „In China bleibt der Branche nichts anderes übrig, als auf Sicht zu fahren“, ergänzte sie.

Die Automobilbranche stellt sich nach den Worten ihrer Verbandspräsidentin darauf ein, dass sich an der undurchsichtigen und schwer kalkulierbaren Situation so schnell nichts ändern werde. „Wir rechnen nicht mit einem raschen Abklingen“, sagte Müller. Der VDA habe deshalb eine Taskforce eingerichtet, die die Automobilindustrie über die Entwicklung bei den Corona-Erkrankungen auf dem Laufenden halte. Der Verband stelle sich auf eine weltweite Pandemie ein. „Es ist illusorisch, ganz Deutschland unter Quarantäne zu stellen“, fügte sie noch hinzu.

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    Die jüngste Häufung von Erkrankungen in Norditalien stellt die Automobilindustrie vor neue Probleme. Die Region zwischen Mailand und Turin ist ein wichtiges Zentrum der italienischen Zulieferbranche, die von dort aus auch gerade die deutschen Autohersteller in Bayern und Baden-Württemberg beliefert.

    Zu möglichen Konsequenzen für die Teileversorgung und die Lieferkette wollte sich Müller nicht äußern. Sie sagte lediglich, dass die Lagerhaltung für Zulieferteile aus Norditalien wegen der vergleichsweise kurzen Transportwege eher klein sei. Bei Bauteilen aus China sei das anders: Wegen der längeren Transportwege müssten entsprechend größere Reserven vorgehalten werden.

    Müller bekennt sich zu Klima- und Umweltschutz

    Der VDA kalkuliert damit, dass der am kommenden Montag beginnende Automobilsalon in Genf wie geplant stattfinden wird. „Stand heute werde ich am Montag nach Genf reisen“, betonte Müller. Doch natürlich könne sich die Lage immer wieder ändern, „in 24 Stunden kann eine andere Entscheidung getroffen werden“. Sie warnte zugleich vor einer Überreaktion. Die Automobilbranche müsse die aktuelle Lage nüchtern und aufgrund gesicherter Fakten beurteilen. Es sei fatal, ohne genug zu wissen, „in eine Rezession zu laufen“.

    Die konjunkturelle Lage der Automobilindustrie sei auch ohne Coronavirus schon schwierig genug. „Das konjunkturelle Umfeld ist nicht zufriedenstellend“, betonte die VDA-Präsidentin. Der Start in das neue Geschäftsjahr sei schwach gewesen. Vor allem wegen der Entwicklung in China, dem weltgrößten Automarkt, sei heute schon klar, dass die globalen Verkaufszahlen 2020 ein weiteres Mal zurückgehen würden.

    Der VDA rechnet jetzt mit 78,2 Millionen Pkws, die rund um den Globus in diesem Jahr voraussichtlich verkauft werden. Das entspräche einem Rückgang von drei Prozent im Vergleich zu 2019. Auch in Europa und in den USA sei mit einem Minus in ähnlicher Größenordnung zu rechnen.

    Trotz vieler neuer Elektroautos und Plug-in-Hybride wird es auch in Deutschland in diesem Jahr zu einem Rückgang kommen. Der Verband prognostiziert 3,4 Millionen verkaufte Pkws, ein Minus von etwa sechs Prozent. Ein möglicher Corona-Effekt ist darin noch nicht enthalten.

    Müller, erst seit dem 1. Februar im Amt, bekannte sich zu Klima- und Umweltschutz: „Das ist keine Frage des Ob, sondern nur des Wie“, betonte sie. Die deutsche Automobilindustrie werde den anstehenden Transformationsprozess etwa in Richtung Elektromobilität bewältigen. Die Branche komme bei alternativen Antrieben gut voran.

    Coronavirus: „Keinesfalls panisch werden und alles verkaufen”

    Bei den verschiedenen Antriebsarten propagiere der Verband unter ihrer Führung eine Technologieoffenheit. Jedes einzelne Mitgliedsunternehmen des VDA müsse dann für sich selbst entscheiden, wo der Schwerpunkt bei den Antrieben liegen solle. „Diese unternehmerische Wette ist nicht Aufgabe des VDA“, betonte Müller. Von der Politik, nicht nur auf deutscher, sondern auch auf europäischer Ebene, verlangte sie eine ausreichende Unterstützung beim Aufbau der Ladeinfrastruktur.

    In den kommenden Wochen wird der VDA voraussichtlich entscheiden, welche Stadt künftig die „Internationale Automobil-Ausstellung“ (IAA) veranstalten darf. Zum Bieterrennen wollte sich Müller im Detail nicht äußern. „Es gibt kein Ranking. Das Rennen ist offen“, sagte sie über die Chancen der Bewerberstädte Berlin, München und Hamburg. Beim Auswahlverfahren befinde sich der Verband auf der Ziellinie.

    Mehr: So rüstet sich die deutsche Wirtschaft gegen einen Coronavirus-Ausbruch in Europa.

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