Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

VDMA Deutsche Maschinenbauer senken Prognose erneut – Produktionsrückgang erwartet

Die Lage der deutschen Schlüsselbranche verdüstert sich. Der Verband VDMA senkt seine Prognose für das laufende Jahr – und warnt vor weiteren Risiken.
Update: 02.07.2019 - 11:53 Uhr Kommentieren
Die Auftragseingänge der Branche sind im Mai um sieben Prozent gesunken. Quelle: dpa
Monteur im Maschinenbau

Die Auftragseingänge der Branche sind im Mai um sieben Prozent gesunken.

(Foto: dpa)

Frankfurt Das gute Frankfurter Wetter war trügerisch angesichts der Nachrichten, die Carl Martin Welcker zu verkünden hatte. „Die Aussichten draußen sind besser als hier drin“, erklärte der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) am Dienstag vor Journalisten – und senkte kurz darauf die Prognose für das laufende Jahr um drei Prozentpunkte.

So rechnet der Verband damit, dass die Produktion der deutschen Maschinenbauer nunmehr im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent abnimmt. Bereits im April hatte der VDMA seine Prognose für 2019 von plus zwei auf ein Prozent senken müssen.

Als Grund nannte Welcker die abnehmende Investitionslaune in vielen Industriebereichen – allen voran der Autoindustrie, die vor dem flächendeckenden Umstieg auf klimafreundliche Antriebstechnologien in einer Wartestellung verharrten.

„Neben den deutlich spürbaren zyklischen Abschwächungen ist auch eine Reihe politischer Verwerfungen für die schlechten Aussichten verantwortlich“, erklärte Welcker. Dazu zählt besonders der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China, der viele europäische Firmen in Mitleidenschaft zieht. „Die Ungewissheit hält an. Und Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft“, so der VDMA-Präsident.

Weitere Brandherde identifizierte Welcker dabei in Großbritannien, Italien und dem Nahen Osten. So beklagte Welcker etwa „eine dramatisch verschlechterte Auftragslage in Italien“, das sich derzeit wegen des Haushaltsstreits auf Konfrontationskurs zur Europäischen Union befinde. „Auch im Nahen Osten droht die Situation zu eskalieren“, so Welcker. Das bringe weitere negative Effekte für die dortigen Investitionen mit sich.

Schon jetzt zeigt sich die Abkühlung auch bei der abnehmenden Auftragslage der deutschen Maschinenbauer. So ging der Auftragseingang zwischen Januar und Mai im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent zurück. Im April waren die 3200 Mitgliedsunternehmen des VDMA durchschnittlich zu 87,4 Prozent ausgelastet.

Erstmals seit 2013 müssen die Maschinenbauer zudem mit sinkenden Umsätzen rechnen. So erwarten die Ökonomen des VDMA für 2019 einen Branchenumsatz von 226 Milliarden Euro, nach 233 Milliarden im Vorjahr. Einen Produktionsrückgang hatte es zuletzt 2016 gegeben, wenn auch nicht annähernd so deutlich wie jetzt prognostiziert.

Digitalisierung fordert neue Arbeitsmodelle

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu steigern, forderte Welcker die Politik zum Handeln auf. Neben dem Abschluss weiterer Handelsabkommen nach Mercosur, vor allem mit den USA und China, identifizierte der Maschinenbau-Präsident dabei auch die Förderung der digitalen Infrastruktur und unternehmenseigener Forschungsprojekte als wichtige Stellschrauben.

„Die deutschen Maschinenbauer brauchen den Breitbandausbau – nicht nur in den städtischen Regionen, sondern auch auf dem Land“, so Welcker. Zudem fordere die zunehmende Digitalisierung neue Arbeitsmodelle von den Unternehmen. „Wir müssen von einer täglichen Höchstarbeitszeit zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit kommen, um Arbeit zu flexibilisieren.“

Auch in anderen Bereichen müssten Bürokratie und finanzielle Belastungen für die Unternehmen gesenkt werden, beispielsweise durch eine Unternehmenssteuerreform, erklärte Welcker. „Wir brauchen eine echte steuerliche Entlastung, wie andere Industrieländer sie bereits durchgeführt haben.“

Ungeachtet der abnehmenden Dynamik stieg die Zahl der Mitarbeiter im Maschinenbau zuletzt an. So arbeiteten 2018 rund 1,1 Millionen Beschäftigte in der für die deutsche Wirtschaft bedeutsamen Industrie (Vorjahr: rund eine Million).

„Den Maschinenbauern ist vor einem normalen Abschwung nicht bang, wir können mit dem Auf und Ab in Konjunkturzyklen gut umgehen“, bekräftigte Welcker seine Forderungen an die Politik. „Die Zahl der politischen Unwägbarkeiten wächst derzeit aber so stark an, dass die international tätigen Unternehmen damit nicht alleingelassen werden dürfen.“

Mehr: Statt auf hochspezialisierte Produktionsstraßen für die Massenfertigung setzen Industrieunternehmen heute immer häufiger auf flexible Netzwerke. Das ruft neue Bündnisse auf den Plan.

Startseite

Mehr zu: VDMA - Deutsche Maschinenbauer senken Prognose erneut – Produktionsrückgang erwartet

0 Kommentare zu "VDMA: Deutsche Maschinenbauer senken Prognose erneut – Produktionsrückgang erwartet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote