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Venture Capital KI und Quanten-Computing – Bosch will deutlich mehr Geld in Start-ups investieren

Der schwäbische Technologiekonzern baut seinen Venture-Capital-Arm aus. Nach der Eröffnung eines Büros in China könnte bald ein neuer Fonds aufgelegt werden.
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Digitalisierung: Bosch investiert in Quanten- und Edge-Computing Quelle: Collage: Kristiane Kraft, Bildmaterial: Science Picture co, Ilja C. Hendel / laif, Photo by Simone Hutsch / Dimitri PoPov on Unsplash, Mauritius Images / Science Photo Library, vPlainpicture, Getty images
Bosch

Bei dem „Bosch-Venture-Forum“ sollen 15 Gründer ihre Ideen zum Computer der nächsten Generation vorstellen.

(Foto: Collage: Kristiane Kraft, Bildmaterial: Science Picture co, Ilja C. Hendel / laif, Photo by Simone Hutsch / Dimitri PoPov on Unsplash, Mauritius Images / Science Photo Library, vPlainpicture, Getty images)

Stuttgart Die altehrwürdige Bosch-Villa mit ihren dicken Mauern und Parkanlage hoch über Stuttgart gelegen wirkt wie ein Relikt aus längst vergangenen Gründerzeiten. Direkt nebenan im modernen Tagungsgebäude aus Glas und Stahl geht es schon eher zeitgemäß um Zukunftsthemen.

Seit sieben Jahren lädt der Technologiekonzern Start-ups zum „Bosch-Venture-Forum“ ein, immer zu einem bestimmten Thema. 15 Gründer sollen diesmal ihre Ideen zum Computer der nächsten Generation vorstellen.

Sie haben nicht nur die Chance, sich mit Bosch-Forschern auszutauschen, sondern auch gleich Lieferant, Kunde oder Kooperationspartner zu werden. Der Platz in dieser Runde ist begehrt. War vor zehn Jahren das Speichern in der Cloud das Top-Zukunftsthema, geht es jetzt um Quanten- und Edge-Computing, etwa mit eingebauten Rechnerchips in intelligenten Sensoren, oder eben der Blockchain-Technologie der nächsten Generation.

Sie könnte so erfolgreiche wie mächtige Internetplattformen wie Amazon überflüssig machen. „Wir fühlen da am Puls der Zukunft“, sagt Ingo Ramesohl, Chef von Boschs Venture-Capital-Tochter RBVC GmbH. Sein Team aus 30 Spezialisten durchkämmt im Jahr mehr als 2000 Start-ups. Ein gutes Hundert davon schafft es in die engere Auswahl.

„Wir investieren pro Jahr in sechs bis zehn ausgewählte Unternehmen mit Summen von jeweils bis zu 15 Millionen Euro und einer maximalen Beteiligungshöhe von 25 Prozent“, sagt Ramesohl. Derzeit ist Bosch an 35 jungen Firmen beteiligt. Spannend ist beispielsweise die Investition in das deutsche Start-up Iota. Das Unternehmen gilt als Herausforderer der Kryptowährung Bitcoin.

Firmen sollen in die Bosch-Strategie passen

Die Berliner entwickeln eine neuartige Technologie für transaktionskostenfreie automatisierte Zahlungen im Internet der Dinge – etwa an Ladesäulen für Elektroautos. Am Band könnte dann ein Roboter nicht nur die Montage, sondern auch die Materialbestellung und sogar die Bezahlung regeln. Ein Zukunftsmarkt.

Das aktuelle Portfolio von Bosch umfasst Unternehmen, die sich mit Themen wie Blockchain, Internet der Dinge, maschinelles Lernen und Halbleiterentwicklung beschäftigen. 

Bosch sucht vor allem nach Firmen, deren Themen für den Konzern von Nutzen sein können. Eine Win-win-Situation. „Wir verstehen uns als Deep-Tech-Investor und diskutieren mit den Start-ups auch sehr komplexe Technologien“, meint Ramesohl. „Wir sind zudem bereit, das finanzielle Risiko einer Investition in solche Technologien einzugehen.“

Insgesamt hat Bosch in diesem Bereich 420 Millionen Euro aus drei Fonds investiert. „Wir sind mit unserem Beteiligungsgeschäft sehr zufrieden. Anfang nächsten Jahres haben wir Bedarf, mit einem weiteren Fonds aufzustocken“, sagt Ramesohl. Es wäre dann der Vierte.

Eine der wichtigsten Beteiligungen von Bosch heißt Graphcore. Das britische Start-up entwickelt neuartige Prozessoren für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Sie können Anwendungen in der Cloud oder im Rechenzentrum deutlich beschleunigen.

Die ersten Chips werden gerade Kunden vorgestellt. Bei der letzten Bewertungsrunde war das Unternehmen bereits mehr als 400 Millionen Dollar wert. Darüber hinaus sind die Schwaben an einer Handvoll Gründerunternehmen beteiligt, die in ihrer jüngsten Finanzierungsrunde eine Bewertung von mehr als 100 Millionen US Dollar hatten. Eines davon ist AIMotive. Das Start-up entwickelt ein neues Computer-Vision-System für automatisch oder teilautomatisch fahrende Fahrzeuge.

Es basiert unter anderem auf der Auswertung von Kamerabildern. Zu den Hoffnungswerten zählt auch der Edge-Computing-Spezialist Foghorn. Mit Edge-Computing ist – im Gegensatz zum Cloud-Computing – die dezentrale Datenverarbeitung am Rand des Netzwerks gemeint. Ein anderer Hoffnungsträger heißt Pubnub: Der Messenger-Spezialist ist Weltmarktführer für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation.

Weltweite Suche nach Start-ups

Ebenfalls hoch bewertet ist Sensoro, der kabellose Sensoren, Sendeeinrichtungen und Kommunikationschips produziert. Das funkbasierte Sensornetzwerk macht Umgebungsdaten für Internet-der-Dinge-Applikationen verfügbar. Es ist dabei intuitiv zu bedienen und leicht zu überwachen. Sensoro hat bereits große Städte und Regionen in China vernetzt.

Ebenfalls schon größer ist der israelische Big-Data-Spezialist Iguazio. Derartige Geschäftsmodelle sollen das Portfolio von Bosch ergänzen.

Die Venture-Capital-Tochter RBVC sucht weltweit nach innovativen Start-ups aller Entwicklungsphasen, die das Potenzial haben, die Spielregeln ganzer Branchen zu verändern. Darüber hinaus investieren die Schwaben in unabhängige Fonds: „Wir arbeiten weltweit auch mit anderen Venture-Capital-Investoren zusammen, dazu gehören auch alle großen Player im Silicon Valley“, sagt Ramesohl.

Zu den Kunden und Partnern der Portfoliounternehmen zählen Unternehmen wie Samsung, Google, Facebook oder Apple. Die vergangenen zehn Jahre brachten Bosch bereits einige erfolgreiche Exits, also Verkäufe von Beteiligungen, zum Beispiel die an Movidius. Der Weltmarkführer für Visual-Graphic-Chips hat den führenden Hersteller von Kameradrohnen DJI als Kunden.

Die DJI-Drohnen erkennen Hindernisse und können beispielsweise einen Sportler – egal ob Bergsteiger, Paragleiter oder Skifahrer – aus der Luft verfolgen und filmen.

Erfolgreiche Exits

Oder die Beteiligung an dem Funktechnologie-Anbieter Greenpeak, der von Qorvo, einem Halbleiterproduzenten, übernommen wurde. Wie alles bei den Schwaben soll sich auch das Beteiligungsgeschäft selbst tragen. Exits gehören dabei zur Gesamtstrategie. Über den Gewinn der Veräußerungen will Ramesohl allerdings keine Angaben machen.

Und in Zukunft könnte auch mal ein lukrativer Börsengang dazukommen. Denn besonders in den USA und China ist das Interesse der Anleger an neuen Tech-Firmen groß und ebenso die Hoffnung, den neuen Google oder Alibaba zu erwischen.

Bosch-Konzernchef Volkmar Denner treibt diese Strategie stark voran. Der promovierte Physiker ist vor sechs Jahren angetreten, Bosch für das Internet der Dinge, Industrie 4.0 und künstliche Intelligenz fit zu machen.

Für das 132 Jahre alte Industrieunternehmen, das neben Autoteilen auch Elektrowerkzeuge, Waschmaschinen, Heizungen und Industrietechnik verkauft, eine Mammutaufgabe. 500 Millionen Euro investiert Bosch deshalb pro Jahr in die Entwicklung neuer Geschäftsfelder. In diesem Budget sind die Start-up-Fonds nicht einmal enthalten.

Innovationskultur stärken

Boschs Merger-Abteilung sondiert den Markt permanent nach Übernahmezielen. Denn ein Problem haben alle Großkonzerne gemeinsam: Sie stehen für Qualität und Gewissenhaftigkeit, aber sind für die Internetwelt zu langsam. Permanent besteht die Gefahr, dass sich IT-Konzerne wie Google, Facebook oder Twitter zwischen die Industrieunternehmen und ihre Kunden schieben.

Das können nicht nur Internetplattformen oder Apps sein, sondern auch neue Technologien, an denen sich die finanzstarken US-Internetfirmen beteiligen. „Unser VC-Arm leistet durch seine wertvollen Kontakte zur Start-up-Szene einen wichtigen Beitrag zur Innovationskultur und Agilität von Bosch“, sagte Denner anlässlich des zehnten Geburtstags von RBVC. Bosch werde das Portfolio an innovativen Start-ups stetig erweitern.

Vor allem Technologien, die an KI und das autonome Fahren anknüpfen, sind beim Konzernchef gefragt. Bosch habe sich erfolgreich neben den großen institutionellen Wagniskapitalgebern etabliert, erklärte Denner. Der VC-Arm streckt die Fühler weiter nach China mit einem neuen Büro in Schanghai aus.

„Wir zeigen Präsenz in einem der dynamischsten Märkte der Welt“, sagt dazu Ramesohl. Neue Technologien breiten sich gerade in China rasend schnell aus.

Beispielsweise werde dort fast nur noch mit dem Handy bezahlt. „In China können wir jetzt noch aktiver in der Szene agieren.“ Entscheidend für den Erfolg ist das Engagement in wichtigen Technologie-Hotspots. Bosch ist zwar schon in Silicon Valley und Israel nah am Geschehen, aber in China kommt den Schwaben ihre Bekanntheit zugute. Als einer der wenigen ausländischen Investoren ist Bosch in der Lage, Investitionen in der lokalen chinesischen Währung Yuan zu tätigen.

Ziel ist der Ausbau der Beteiligungen vor allem an Start-ups auf den Gebieten künstliche Intelligenz, Internet der Dinge, automatisiertes Fahren, Augmented und Virtual Reality sowie Blockchain. Besonders vielversprechend sind Investitionen in Projekte, die automatisiertes Fahren und KI-basierte Systeme vorantreiben.

Bosch ist nicht der einzige Konzern, der bei Start-ups auf Einkaufstour geht. Siemens ist mit mehr als doppelt so viel Kapital unterwegs, und auch größere Mittelständler wie der Laserspezialist Trumpf und der Anlagenbauer Voith sind auf diesen Zukunftsmärkten präsent. Das Risiko, auf die Falschen zu setzen, ist immer dabei. „Vier, fünf Gurken hatten wir auch dabei“, räumt Ramesohl ein.

Bosch hat bereits 2007 einen ersten Fonds aufgelegt und ab 2009 begonnen, sich an Hightech-Gründerfirmen zu beteiligen. Der Wettbewerb um die besten Start-ups ist hart. „Die richtig guten Start-ups suchen sich die guten Investoren aus“, weiß der Bosch-Manager und fügt hinzu, „Die Dinge passieren mit und ohne Bosch. Wir haben uns entschieden, dabei zu sein, und wollen aktiv gestalten“.

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