Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Veranstaltung in Zuffenhausen Wie Umweltaktivisten den Handelsblatt Auto-Gipfel für ihre Demos nutzen

Mehr als 200 Menschen haben sich vor dem Porsche-Museum für die Umwelt starkgemacht. Ganz vorn mit dabei: Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe.
1 Kommentar

So lief die Klima-Demo beim Auto-Gipfel in Stuttgart

Zuffenhausen Solche Sicherheitsvorkehrungen gibt es am Porsche-Platz in Zuffenhausen sonst nur, wenn die Bundeskanzlerin oder ausländische Staatsgäste kommen: Metallbarrieren vor dem Porsche-Museum, Eingangskontrollen, Polizeiaufgebot mit Motorrad-Eskorten sowie ernste Hinweise des Personals, am Freitag lieber nicht mit dem Auto zum Handelsblatt Auto-Gipfel zu kommen.

Grund dafür sind Demonstrationen. Die Gruppen „Attac“, „Verkehrswende jetzt“ und „Kesselbambule“ hatten sie einige Tage vor der Veranstaltung bereits angemeldet. „Wir weisen dem Autogipfel den Weg zum Endlager“, hieß es.

Mitglieder der Umweltorganisation „Robin Wood“ erklommen am Freitag Lichtmasten und hissten ihr Transparent „Saubere Autos sind eine dreckige Lüge“. Aber dann machte sich doch nur eine überschaubare Zahl von rund 200 Demonstranten auf den Weg nach Zuffenhausen. Hauptredner auf einem Traktoranhänger war Jürgen Resch, Chef der Organisation Deutsche Umwelthilfe.

Diesmal nahm sich Resch die SUV-Strategie der deutschen Autoindustrie vor. Die Stadtgeländewagen nannte er wahlweise „Rallye-Laster“ oder „Stadtpanzer“. „Wir fordern die Chefs der Autoindustrie hier auf dem Auto-Gipfel auf, sofort alle SUV-Projekte einzustellen“, rief Resch ins Mikrofon.

Er berichtete, dass die Umwelthilfe noch einmal die Emissionen untersucht habe. Eigentlich wollte der Chef der Organisation das Ergebnis erst nächste Woche verkünden. Aber dann gab er es doch schon in Zuffenhausen bekannt: „Der Porsche Cayenne 4.2 TDI hat mit Abstand am schlechtesten abgeschnitten.“

Was Resch nicht erwähnte: Porsche hat nie selbst einen Dieselmotor gebaut und längst seine Dieselmodelle eingestellt. Zudem forderte Resch die Hersteller und das Kraftfahrtbundesamt auf, alle Dieselsysteme offenzulegen und Transparenz zu schaffen.

Bislang haben Autohersteller dies mit Verweis auf Geschäftsgeheimnisse verweigert. „Wenn Panzerknacker vor Gericht stehen, können sie ja auch nicht sagen, sie verraten nicht, wie sie den Safe geknackt haben“, polterte Resch. Er forderte eine schnellere Umstellung auf Elektrofahrzeuge. „Wir brauchen kleine, sparsame Elektroautos, die sich jeder leisten kann, und nicht Luxusgefährte, die unter drei Sekunden von null auf hundert schaffen“, sagte Resch. Die besten Ingenieure Deutschlands sollten an vernünftigeren Lösungen arbeiten.

Übertragung in die Konferenz

Das Handelsblatt interviewte Resch noch auf der Straße und übertrug die Fragen von Moderatorin Ina Karabasz und dem Vize-Chef des Unternehmensressorts, Markus Fasse, direkt in die Konferenz. Das löste lebhafte Diskussionen aus. Die Replik von Opel-Chef Michael Lohscheller auf der Bühne ließ nicht lange auf sich warten. „Herr Resch fordert, was wir längst machen. Wir fangen bei den kleinen Modellen an.“

Im nächsten Jahr will Opel vier elektrische Modelle auf den Markt bringen. Und ein Jahr später weitere vier Modellreihen, darunter mit dem Opel Combo einen kleinen elektrischen Lieferwagen. Lohscheller verwies darauf, dass die elektrische Variante des Kleinwagens Corsa für 29.000 Euro zu haben sei. Der Opel-Chef räumte ein, dass das immer noch viel Geld sei, aber nicht unerschwinglich. „Wir arbeiten daran, dass die Autos noch günstiger werden“, versprach Lohscheller.

Um eine Antwort auf die Demonstration verlegen waren vor allem die Vertreter asiatischer Marken auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel nicht. Gerald Killmann, Vorstand von Toyota Europe, erklärte, Toyota sei Pionier der Elektrifizierung von Autos und bei dem Thema schon Jahrzehnte unterwegs. Auch Oliver Gutt, Hyundai-Produktmanager in Deutschland, musste lediglich auf seine Modelle verweisen.

Berührungspunkte zwischen dem Auto-Gipfel drinnen und den Aktivisten draußen gab es überraschenderweise inhaltlich. Resch forderte die Bevölkerung zum „Verbrennerfasten“ auf; sie solle einfach keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr kaufen, sondern nur noch Elektroautos. Auch die Vertreter der Industrie erhofften sich Rückenwind von den Verbrauchern, die sich beim Kauf von Elektroautos noch zurückhalten.

Als alle Kameras und Mikrofone ausgeschaltet waren, bedankte sich Resch für den sportlichen Austausch beim Interview und lobte die Berichterstattung über die Autoindustrie im Handelsblatt. Besonders gefiel ihm – was wenig wundert – der Wochenendtitel kürzlich zu der Problematik der SUV.

Mehr: Opel will bis 2021 acht reine Stromer und Plug-in-Hybride auf den Markt bringen – und expandiert nach Kolumbien und Ecuador.

Startseite

Mehr zu: Veranstaltung in Zuffenhausen - Wie Umweltaktivisten den Handelsblatt Auto-Gipfel für ihre Demos nutzen

1 Kommentar zu "Veranstaltung in Zuffenhausen: Wie Umweltaktivisten den Handelsblatt Auto-Gipfel für ihre Demos nutzen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist nicht nachvollziehbar, warum das Handelsblatt solchen Hetzern wie der Umwelthillfe und Herrn Resch eine Plattform bietet.