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Verdacht auf Veruntreuung Nissan-Chef Ghosn hat wohl mehrere Firmen für seinen Betrug genutzt

Am Tag der wahrscheinlichen Entthronung von Carlos Ghosn werden weitere Details über dessen Betrug bekannt. Auch eine Debatte über Corporate Governance zieht ihre Kreise.
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Nissan: Carlos Ghosn hat wohl mehrere Firmen für den Betrug genutzt Quelle: AP
Carlos Ghosn

Der Skandal, der auch Nissans anfällige Managementstruktur offenlegt, wurde durch einen Whistleblower ins Rollen gebracht.

(Foto: AP)

Tokio Am Donnerstag will die Führungsetage von Nissan entscheiden, wie fortan mit der Personalie Carlos Ghosn sowie dessen Representative Director Greg Kelly umgegangen wird. Die Uhrzeit wurde bisher nicht bekanntgegeben. Angesichts der deutlichen Äußerungen von Nissan-CEO Hiroto Saikawa auf einer Pressekonferenz am Montag wird aber davon ausgegangen, dass man sich von Ghosn und Kelly trennen wird.

Am Montag wurde der gebürtige Brasilianer Ghosn, der nach Jahren als CEO seit 2017 Aufsichtsratschef bei Nissan ist, mit Verdacht auf Veruntreuung in Höhe von knapp 40 Millionen Euro festgenommen. Mitsubishi, das ebenfalls von Ghosn angeführt wird, will in der kommenden Woche einen Beschluss über dessen Verbleib fassen.

Im Veruntreuungsfall um Ghosn kommen unterdessen erste Details ans Licht. Laut der Wirtschaftstageszeitung „Nihon Keizai Shimbun“ (Nikkei), die ihre Information offenbar von der Staatsanwaltschaft erhalten hat, wurde der Betrug in Form von Wohnhäusern in verschiedenen Städten über unterschiedliche Firmen abgewickelt. Ein von Nissan in den Niederlanden gegründetes Unternehmen habe wiederum eine Tochterfirma auf den britischen Jungferninseln etabliert, die für 500 Millionen Yen eine Villa in Rio de Janeiro gekauft haben soll. Mit einem eine Milliarde Yen teuren Anwesen in Beirut war demnach noch eine weitere Firma betraut.

Der Skandal, der auch Nissans anfällige Managementstruktur offenlegt, wurde durch einen Whistleblower ins Rollen gebracht. Der könnte deshalb ausgepackt haben, weil Ghosn seit einiger Zeit eine Fusion zwischen Renault und Nissan vorbereitete, die er laut Insidern schon in den kommenden Wochen abschließen wollte. Hiergegen gab es beträchtliche Opposition im Hause Nissan, das mehr Autos als Renault verkauft, in der bisherigen Allianz aus gegenseitigem Aktienbesitz aber als schwächerer Partner dasteht. Ghosns Maßlosigkeit bei der eigenen Bezahlung könnte nun der Rettungsanker für jene Kräfte bei Nissan sein, die eine Fusion tunlichst vermeiden wollen.

Zudem ist in Japan eine Debatte über die Bezahlung von Führungskräften losgebrochen. Dort verdienen Konzernbosse im Vergleich zu anderen Ländern fast bescheidene Saläre. Mehr als eine Million Euro Jahresgehalt ist ungewöhnlich. Toyota-Chef Akio Toyoda verdiente zuletzt ungefähr ein Fünftel von dem, was Carlos Ghosn bei Renault, Nissan und Mitsubishi einstrich.

Während dies schon lange kontrovers war, fand Nissan-CEO Hiroto Saikawa für die großzügigen Pakete für Ghosn bisher Verständnis: „Die Einstellung, dass japanische Führungskräfte weniger verdienen sollten, nur weil sie für ein japanisches Unternehmen arbeiten, während die Chefs von westlichen Unternehmen üppig bezahlt werden, muss sich ändern“, sagte er noch vor kurzem.

Ein Kommentar des öffentlich-rechtlichen Rundfunks NHK befand dagegen: „Es entstehen Fragen darüber, wie japanische Unternehmen gemanagt werden und wie sie die Bezahlung ihrer Bosse beschließen.“ Bisher haben viele japanische Konzerne, ähnlich wie Nissan, keinen Vergütungsausschuss mit externen Prüfern. Zwar hat Nissan vier Rechnungsprüfer, denen auch Unabhängigkeit garantiert ist. Laut Einschätzung von NHK könnten diese aber auch deshalb wichtige Vorgänge übersehen haben, weil sie ob der starken Machtkonzentration Ghosns eingeschüchtert gewesen seien.

Franz Waldenberger, Industrieökonom und Direktor des Deutschen Instituts für Japanstudien, sieht hierin einen Grund für eine gründlichere Gewaltenteilung bei Unternehmen generell: „Es scheint sehr schwierig zu sein, starke Führung mit sauberem Regieren zu kombinieren. Nissan und Ghosn sind dafür ein Beispiel von vielen.“ Das grundsätzliche Problem, und damit die Anfälligkeit für Missbrauch, sei weitverbreitet.

Nissan will sich nun offenbar gründlich ändern. Die Managementstruktur soll erneuert werden, was unter anderem die Schaffung eines Gremiums externer Juristen und weiterer Experten beinhalten soll, das unter anderem die Vergütung der Führungsetage kontrollieren kann. Für die Neugestaltung soll das Ghosn-Regime analysiert werden, um genau zu verstehen, an welchen Stellen er zu viel Macht auf seine Person konzentriert haben könnte.

Solche Ankündigungen helfen zumindest bei kurzfristigen Bewegungen an der Börse. Am Donnerstag ging die Nissan-Aktie mit 950 Punkten in den Tag und stieg zur Mittagspause um 0,12 Prozent auf 955 Punkte an.

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