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Verfahren Zwei Jahre Gefängnis für Chef des ungarischen Ölkonzerns MOL wegen Bestechung in Kroatien

Zsolt Hernadi beteuert seine Unschuld. Der MOL-CEO will in Berufung gehen. Das Unternehmen bestreitet die Korruptionsvorwürfe.
30.12.2019 - 15:45 Uhr Kommentieren
Hernadi will den Schuldspruch des kroatischen Gerichtes nicht akzeptieren. Quelle: AFP
Zsolt Hernadi

Hernadi will den Schuldspruch des kroatischen Gerichtes nicht akzeptieren.

(Foto: AFP)

Wien, Zagreb Der mit Spannung erwartete Korruptionsprozess gegen den CEO und Chairman des ungarischen Öl- und Gaskonzerns MOL, Zsolt Hernadi, endete am Montag mit einem Schuldspruch.

Der langjährige Chef des größten ungarischen Unternehmens wurde in Abwesenheit wegen Bestechung zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Im gleichen Verfahren erhielt der frühere kroatische Ministerpräsident Ivo Sanader vom Bezirksgericht in der Hauptstadt Zagreb eine sechsjährige Haftstrafe.

Hernadi will den Schuldspruch des kroatischen Gerichtes nicht akzeptieren. Sein Sprecher kündigte am Montag in Budapest an, dass der MOL-Chef in Berufung gehen wird. „Wir werden alle Register ziehen, um unsere Interessen durchzusetzen“, sagte der MOL-Sprecher. „Wir sind zuversichtlich, dass wir am Ende siegen werden.“ Eine Revision sei frühestens ab Anfang April möglich. Hernadi ist seit 19 Jahren Chairman und seit 18 Jahren CEO des Konzerns mit über 34.000 Mitarbeitern.

In dem im Oktober 2018 eröffneten Verfahren geht es um die angebliche Zahlung von zehn Millionen Euro Schmiergeld im Übernahmekampf um den kroatischen Energiekonzern INA. Obwohl die ungarische MOL nicht die Aktienmehrheit besaß, wollte sie die unternehmerische Führung übernehmen.

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    Der ehemaligen Staatskonzern INA wurde einst von der Regierung in Zagreb privatisiert. Seit 2009 hält dort die MOL als Aktionär mit 49 Prozent der Aktien die strategische Mehrheit. Dem kroatischen Staat gehören 45 Prozent. Der angebliche Korruptionsfall sorgt bereits seit Jahren für Schlagzeilen.

    2016 wurden in einem UN-Schiedsgerichtsverfahren die Klagen Kroatiens abgewiesen. Das Tribunal der United Nations Commission of Trade Law (UNCITRAL) kam zu dem Schluss, dass die Bestechungsvorwürfe unbegründet gewesen sein.

    Hernadi verfolgte am Montag in Budapest vor dem Fernseher live seinen Schuldspruch. Auf eine Anwesenheit in der kroatischen Hauptstadt verzichtete er, um einer Festnahme zu entgehen. Ungarn lehnt seit Jahren eine Auslieferung Hernadis an Kroatien ab.

    Ob der internationale Haftbefehl gegen den Ölmanager aufgehoben wird, steht in den Sternen. Die Richter am Bezirksgericht in Zagreb haben dazu noch keine Entscheidung getroffen. Seit Jahren ist die Bewegungsfreiheit des wichtigsten Managers in Ungarn sehr stark eingeschränkt.

    Der Sprecher des langjährigen CEOs wiegelte nach dem Schuldspruch ab. „Wir haben die Entscheidung erwartet und sind daher vom Schuldspruch nicht überrascht“, sagte er. „Aber natürlich ist das eine große Enttäuschung.“ Der MOL-Sprecher machte seinen Unmut Luft, dass die kroatischen Richter den vorherigen Freispruch eines ungarischen Gerichts nicht berücksichtigt hätten.

    MOL griff unterdessen die kroatische Justiz scharf an. „Die Entscheidung wirft einen dunklen Schatten auf das kroatische Justizsystem“, sagte der MOL-Sprecher. „Wir sind überzeugt, dass kein anderes Gericht in Europa so einen Prozess akzeptieren würde.“

    Kroatien übernimmt mit dem Jahreswechsel die EU-Ratspräsidentschaft für ein halbes Jahr. Ein Bestechungsverwurf in dem Adrialand bestritt der Ölkonzern erneut. „Es gab keine Korruption durch MOL in Kroatien“, sage ein Unternehmenssprecher. Die weiteren Investitionen in dem EU-Land würden vom Schuldspruch unberührt bleiben.

    Erst vor Weihnachten kündigte der ungarische Konzern an, 600 Millionen Dollar in die Raffiniere der istrischen Hafenstadt Rijeka investieren zu wollen. „Unser Geschäft in Kroatien ist stark und wird stark bleiben“, hieß es in der Budapester Konzernzentrale.

    Wirtschaftlich steht MOL gut da. 2018 ist der Umsatz um 26 Prozent auf 19 Milliarden Dollar gewachsen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 2,69 Milliarden Dollar. In Ungarn, der Slowakei, Kroatien und Bosnien-Herzegowina ist MOL Marktführer.

    Die Börse in Budapest ignorierte unterdessen den Schuldspruch. Das Papier des Energieriesens gab am Montagnachmittag an der Budapester Börse um 0,2 Prozent nach. „Das Geschäft läuft wie gewohnt“, sagte ein MOL-Sprecher. „Es gab mit der Aktie keine Turbulenzen.“

    Hernadi baut gerade Ungarns größten Konzern in Richtung Petrochemie und neue Geschäftsfelder wie Abfallentsorgung um. Er genießt das Vertrauen von Ministerpräsident Viktor Orban. Der ungarische Staat ist mit 25 Prozent der größte Einzelaktionär von MOL. „Zsolt Hernandi genießt das volle Vertrauen des Aufsichtsrates“, hieß es in der Konzernzentrale.

    Mehr: Mit Milliardeninvestitionen will der ungarische Ölriese MOL sein Angebot erweitern. Im Interview spricht MOL-Chef Hernadi über die Neuausrichtung.

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