Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Verkauf der Aufzugsparte Thyssen-Krupp: Finanzieller Spielraum nach Milliarden-Deal „weitaus geringer als angenommen“

Mit dem Milliardenerlös aus dem Verkauf der Aufzugsparte wollte Thyssen-Krupp sich eigentlich sanieren. Nun dürfte ein großer Teil für die Bewältigung der Coronakrise draufgehen.
03.05.2020 Update: 04.05.2020 - 06:38 Uhr 1 Kommentar
ThyssenKrupp: Coronakrise zehrt an Erlös aus Elevator-Verkauf Quelle: imago images/blickwinkel
Konzernzentrale von Thyssen-Krupp

Die Coronakrise stellt den Industriekonzern vor große Herausforderungen.

(Foto: imago images/blickwinkel)

Düsseldorf, Frankfurt Martina Merz kann ihre Mission in wenigen Worten zusammenfassen. Dem von ihr geführten Thyssen-Krupp-Konzern will sie wieder „Wasser unter dem Kiel“ verschaffen. Der Konzern ist nach milliardenschweren Fehlinvestitionen und Missmanagement die Schwachstelle in der deutschen Industrielandschaft. Mit dem Verkauf der rentablen Aufzugssparte an ein Finanzkonsortium wollte Vorstandschefin Merz dem Siechtum ein Ende bereiten.

Auf der Hauptversammlung Ende Januar sah es so aus, als ob dieses Ziel erreichbar wäre. „Wenn wir uns in einem Jahr wiedersehen, dann werden wir das Schiff in ruhigere Gewässer gebracht und Fahrt aufgenommen haben“, hatte Merz da gesagt. Doch dann breitete sich das Coronavirus aus. Für die Finanzlage wie auch für die geplante Neuausrichtung ist die vom Virus ausgelöste Rezession eine erhebliche Bürde. In den kommenden Wochen muss die Führungsspitze um Merz neue Wege suchen, um das Unternehmen zu stabilisieren.

Wie dramatisch die Lage ist, zeigt sich in einem Brief des Vorstands an die Mitarbeiter: „Mittelfristig werden die Corona-bedingten Liquiditätsabflüsse aller Voraussicht nach dazu führen, dass der finanzielle Spielraum aus dem Verkauf des Aufzuggeschäfts weitaus geringer als ursprünglich angenommen sein wird“, schrieben Merz und ihre Vorstandskollegen Oliver Burkhard (Personal) und Klaus Keysberg (Finanzen) am Donnerstag an die 162.000-köpfige Belegschaft.

Der verschlungene Satz bedeutet: Das Geld im Hause Krupp wird wieder einmal knapp. Dabei ist der Erlös aus der Veräußerung der Aufzugssparte mit 17,2 Milliarden Euro sehr hoch. Es dürfte aus Sicht von Bankern die größte Transaktion in Europa in diesem Jahr sein. Käufer ist ein Bündnis der Finanzinvestoren Advent und Cinven sowie der Essener RAG-Stiftung.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ein Blick auf die Bilanz relativiert aber den Gigantismus. Die Schulden und Pensionsverpflichtungen summieren sich auf 15 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch 1,25 Milliarden Euro, die für eine Rückbeteiligung am Bereich Elevator fällig werden, sowie die Verluste aus dem verbleibenden Geschäft. Der Kapitalabfluss (Free Cashflow) liegt in guten Jahren bei rund minus zwei Milliarden Euro, wie ein Kenner der Finanzlage vorrechnet.

    Grafik

    „Mit Corona ist diese Planung aber nicht mehr zu halten“, sagte der Konzerninsider. Für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr 2019/2020 läge die Erwartung beim Free Cashflow nun bei rund minus drei Milliarden Euro. „Mindestens“, wie der Insider sagte. Diese Kenngröße zeigt, wie viel ein Unternehmen tatsächlich verdient.

    Der Konzern äußerte sich nicht dazu. Ein Sprecher verwies auf die Bilanzvorlage für das abgelaufene Quartal, die für den 12. Mai geplant ist. Kürzlich hatte Thyssen-Krupp indes seine Prognose für das laufende Jahr zurückgenommen. Im Brief an die Belegschaft ist der Vorstand offen: „Momentan ist in nahezu allen Geschäftsbereichen die Produktion zumindest verringert, zahlreiche Standorte sind geschlossen oder heruntergefahren.“ Um sich finanziell besser auszupolstern, hat Thyssen-Krupp für sich bei der KfW-Bankengruppe einen Staatskredit über rund eine Milliarde Euro organisiert.

    Mit der Ausbreitung des Virus schwindet das Wasser unter dem Kiel von Thyssen-Krupp. Einen erheblichen Teil der Elevator-Einnahmen wird der Konzern für die Tilgung seiner Schulden verwenden müssen, da ohne die Aufzugssparte der Gewinnbringer im Konzernverbund fehlt. Für die Banken muss die Firma ihr Verhältnis von Schulden zu Einnahmen ausbalancieren. Vor allem in der Stahlsparte fährt das Unternehmen im Moment hohe Verluste ein, wie es in Konzernkreisen hieß.

    Der Ruhrkonzern wird wohl nicht alle Schulden tilgen, sodass letztlich wohl rund fünf bis sechs Milliarden Euro laut Konzernkreisen in der Kasse verbleiben würden. Mindestens die Hälfte des Betrags ist nun für die Abdeckung des negativen Cashflows nötig, der im laufenden Geschäftsjahr anfällt.

    Strategie wird im Mai vorgestellt

    Unter dem Strich bleiben so nur wenige Milliarden übrig, mit denen die Mannschaft um Merz das altehrwürdige Unternehmen sanieren kann. Dabei ist der Bedarf immens, da etliche Firmenteile defizitär sind.

    In Abstimmung mit dem Aufsichtsrat entwickelt der Vorstand eine neue Strategie, mit der eine neue Thyssen-Krupp AG entworfen werden soll. Die Kontrolleure sollen am 18. Mai über die neue Marschrichtung abstimmen.

    Eine Revolution ist laut Konzernkreisen aber nicht zu erwarten. Die neue Strategie setze auf der bisherigen auf, hieß es. Defizitäre Teile aus der Autozulieferersparte und dem Anlagenbau sollten verkauft werden. „An den rentablen will der Vorstand festhalten, um die Finanzlage zu stabilisieren“, sagte ein mit den Planungen vertrauter Manager.

    Der Umbau dürfte teuer werden. Denn die Bereiche müssten saniert werden oder Thyssen-Krupp müsste bei der Abgabe Finanzmittel zuschießen. Mit der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Rezession dürfte es schwerer werden, die Umbauten umzusetzen. Der Vorstand sucht daher nach Möglichkeiten, mehr Geld in den Kassen zu behalten. „Wir bereiten Lösungswege dafür vor“, heißt es in dem Mitarbeiterbrief.

    Die Coronakrise belastet aber nicht nur die Finanzlage. Mit dem Virus zeigen sich auch die Schwächen der Strategie. Letztlich fokussiert sich Thyssen-Krupp auf das Stahlgeschäft. Zwar ist das Unternehmen Marktführer in Deutschland und als solcher sicherlich besser aufgestellt als manch anderer Stahlkocher in Europa. Allerdings kann die Stahlsparte kaum ihre Investitionen selbst verdienen, weil sich auch in guten Jahren keine auskömmlichen Preise durchsetzen lassen. Jetzt in der Krise haben die wichtigen Kunden aus der Autoindustrie ihre Bestellungen zurückgefahren, es drohen Ausfälle in Milliardenhöhe. In diesem Moment fehlen die stabilen Einnahmen der Aufzugssparte. Die aber wird ab Juni Advent & Co. gehören.

    Mehr: Thyssen-Krupp sichert sich einen KfW-Kredit über eine Milliarde Euro.

    Startseite
    Mehr zu: Verkauf der Aufzugsparte - Thyssen-Krupp: Finanzieller Spielraum nach Milliarden-Deal „weitaus geringer als angenommen“
    1 Kommentar zu "Verkauf der Aufzugsparte: Thyssen-Krupp: Finanzieller Spielraum nach Milliarden-Deal „weitaus geringer als angenommen“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Nun ja, vielleicht war es eben doch nicht die beste Idee, ausgerechnet die Sparte, welche regelmäßg Erträge erwirtschaftet, die zudem auch konjukturresistent ist (Aufzüge müssen nun mal von Gesetzes wegen gewartet werden), die auskömmliche Margen hat und bei welcher es keine chinesishen Dumping-Anbieter gibt, komplett zu verkaufen. Eine Strategie, die stattdessen auf das Stahlkochen in Deutschland setzt, ist - wie im Artikel bereits angedeutet - von vornherein zum Scheitern verurteilt: Extrem hohe Energiekosten in D, sehr volatile Vorprodukte (Eisenerz, Kokskohle, usw.), ein Überangebot an Stahl, auch dank künstlich in Europa am Leben gehaltener Stahlwerke (Italien), Produkte zu Dumping Preisen aus dem Ausland (China und Russland - EU schaut nur zu), härteste Umweltauflagen (die noch härter werden), lange Transportwege. krisengeschüttelte Abnehmer (Automobilindustrie) und keine neuen Kunden in Sicht, extrem kapitalintensives Geschäft (Hochöfen), Hochsteuerland Deutschland als Standortnachteil und Fokussierung allein auf Deutschland, Abhängigkeit von wirtschaftlichen Zyklen, usw. lassen keine Hoffnung zu. Es ist also in Wahrheit eher ein Tod auf Raten - puff, und die ganzen schönen Millarden aus dem Verkauf von Elevator sind weg. Danach kommen nur noch Verluste, eben weil man mit Stahlkochen in Deutschland schlicht kein Geld verdienen kann (s.o.). Oh, und wer hatte die ganzen Strategieschwenks als Vorsitzende des Aufsichtsrats abgenickt? Wer hatte Herrn Kerkhof doch gleich zum CEO befördert und seine Spaltungspläne abgesegnet? Richtig, Frau Merz - aber sie hat die Schuldigen ja auch schon gefunden: Ihre Vorgänger. Und die Stifftung, in dessen Kuratorium auch der Wahlkämpfer Armin Laschet sitzt? Komplette Fehlanzeige: Anstatt Hiesinger den Rücken zu stärken und TK auf Elevator zu fokussieren, lieber Einknicken vor Cevian und noch ein paar Jahre rumeiern. Klar, jetzt ging nur noch der Notverkauf - ein Tod auf Raten eben. Traurig! Eine Ikone der Industrie weniger.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%