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Vernetzte Lichttechnik Leuchtmittel-Marktführer Signify und Osram – Das Leben nach dem Tod der Glühbirne

Die Zeit des Glühfadens ist vorbei, die LED-Goldgräberstimmung inzwischen auch. Wohin steuert die Lichtbranche? Zwei Konzerne stellen sich neu auf.
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Osram setzt auf neue Geschäftszweige, Marktführer Signify gleich mit. Quelle: Reuters
Beleuchtungstechnik für Pflanzen

Osram setzt auf neue Geschäftszweige, Marktführer Signify gleich mit.

(Foto: Reuters)

HamburgKaum eine Branche ist einem so starken Wandel unterworfen wie die Lichtindustrie. Das Geschäft mit den Glühbirnen stirbt aus. Die ganz große Euphorie um LED-Lampen ist vorüber, der Markt ist hart umkämpft, die Preise stehen enorm unter Druck.

Und auch die Wettbewerbssituation hat sich dramatisch verschärft. „Als ich vor 18 Jahren in der Branche angefangen habe, haben zwei Riesen den Markt in Europa dominiert“, sagt Karsten Vierke, Deutschlandchef des Weltmarktführers Signify, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Heute teilten sich 100 Unternehmen den Markt auf. „Mein schönes, starkes Geschäft der Glühbirne ist vorbei – dafür bieten sich uns ganz neue Möglichkeiten.“

Umbruchzeiten bedeuten immer Chance und Risiko zugleich. Philips hatte, ähnlich wie Siemens mit Osram, seine Lichtaktivitäten ausgegliedert und unter dem Namen Signify an die Börse gebracht. Offiziell wird die Umbenennung am 29. Januar vollzogen. An der Börse firmiert das Unternehmen schon länger so – und hat ein schwaches Jahr hinter sich.

Der Aktienkurs ist um ein Drittel auf gut 20 Euro gefallen. Dem Konkurrenten Osram erging es nicht besser. Die Münchener mussten zweimal die Prognose senken und kassierten auch das Mittelfristziel.
Doch auf längere Sicht geben sich beide Unternehmen zuversichtlich. Sie wollen mit Licht ganz neue Anwendungen ermöglichen, etwa intelligente Lichtsteuerung in Supermärkten, die auch erfasst, wo die Kunden sich entlangbewegen. Weitere Zukunftstechnologien sind die Infrarot-LED, die Landwirten bei der Ernteplanung hilft, LED-Beleuchtungen für Gewächshäuser und Datenübertragungen mithilfe von Licht. Osram sieht sich künftig mehr als Fotonik- denn als reinen Beleuchtungsspezialisten.

Dass sich auch Weltmarktführer Signify inzwischen an den IT-Unternehmen orientiert, zeigt ein Blick in die Hamburger Zentrale. Feste Arbeitsplätze gibt es nicht mehr, auch nicht für Deutschlandchef Vierke. Es gibt eine „Breakout-Area“ mit Birkenstämmen, die ein wenig an die Burgerkette Hans im Glück erinnern, Besprechungsräume mit Polsterwürfeln statt Stühlen, im obersten Stockwerk sogar Massagesessel.

„Wenn wir so viel Veränderung wollen, brauchen wir eine Atmosphäre, in der die Mitarbeiter viel miteinander kommunizieren“, sagt Vierke. Es gilt das „professionelle Du“, wie es unter Philips bei den Niederländern üblich ist. So hofft Signify, IT- und Softwarespezialisten für die Lichtbranche gewinnen zu können.

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Die sind auch dringend notwendig. Alle Anbieter wollen sich verstärkt zu Spezialisten von intelligenten Lichtlösungen entwickeln und so die Wertschöpfung vertiefen. Dazu haben sie cloudbasierte Plattformen entwickelt. Bei Signify heißt diese Interact. Mit dieser Plattform sind zum Beispiel 90.000 Straßenlaternen bei der Modernisierung der Beleuchtung von Jakarta angeschlossen worden.

Einen ähnlichen Auftrag bekam Signify jetzt von einer der größten Städte Deutschlands. Die Straßenleuchten sollen sukzessive auf LED umgestellt und an Interact-City angebunden werden. Über eine App werden die Betreiber dann zum Beispiel informiert, wenn eine Leuchte ausfällt.

Spezialisierung auf intelligente Straßenlaternen

Später sind auch ganz neue Anwendungen möglich. So könnten die Straßenlaternen erfassen, ob der Parkplatz darunter gerade frei ist. „Das Geschäft mit intelligenter Straßenbeleuchtung wird einer der großen Wachstumstreiber in den nächsten Jahren sein“, ist Vierke überzeugt. In Deutschland gebe es bei der Infrastruktur in den Kommunen einen Investitionsstau.

Doch der werde sich mit der Zeit auflösen, schon weil der Betrieb von LED-Leuchten die Stromkosten um 70 Prozent senken kann. Laut Navigant Research dürfte der Umsatz mit intelligenter Straßenbeleuchtung bis 2027 von 837 Millionen auf 8,3 Milliarden Dollar steigen.
Auch Osram setzt auf die Vernetzung und hat die offene Plattform Lightelligence für das Internet der Dinge entwickelt. Damit lassen sich verschiedene intelligente Steuerungssysteme in Gebäuden zusammenführen, aber auch Sensordaten mehrfach verwerten. Zum Einsatz kommt die Technologie etwa in einer Edeka-Filiale in Berlin.

Genutzt wird das System zum Beispiel für die Analyse der Kundenbewegungen im Laden. So kommt Interact Retail von Signify im Edeka-Center im bayerischen Gaimersheim zum Einsatz. In einem Media-Markt im niederländischen Eindhoven können Kunden mit ihrem Smartphone durch den Laden navigieren und bekommen standortbasierte Angebote aufgespielt.

Noch ist offen, wer sich hier breit durchsetzen kann. „Der Bedarf des Marktes an Universalplattformen dürfte begrenzt sein“, drückt es ein Brancheninsider aus. Osram habe den Vorteil, dass es über die Ex-Mutter Siemens Zugang zu Großprojekten habe. So bekam die Siemens-Gebäudetechnik den Auftrag, die Energieeffizienz in amerikanischen Nationalparks zu verbessern.

Den Lichtauftrag vergab Siemens an Osram. Auf diesem Weg hoffen die Münchener, mit Lightelligence zu einer Art Standardplattform zu werden. Nach Ansicht von Branchenexperten ist Signify beim Einsatz in der Fläche aber schon weiter. Das Unternehmen selbst sieht sich als „führenden Anbieter für Beleuchtung im Internet der Dinge“.

Heutzutage sind offene Standards gefragt. Daher haben die Lichtkonzerne gemeinsam den drahtlosen Ansteuerungsstandard Zigbee für die intelligente Lichtsteuerung geschaffen. Was allen Geschäft bringen sollte, hatte aber einen Nachteil: Denn Amazon nutzte die Technologie für sein Echo-System anfangs mit den Gateway-Kästchen der klassischen Hersteller. Doch die neueste Generation des digitalen Assistenten hat dieses integriert. Privatnutzer können ihr Licht damit auf Zuruf steuern. Auch Apple bietet ähnliche Technologien an.

„Im Privatkundenbereich ist der Zug bei den Heim-Automatisierungssystemen für die traditionellen Lichtkonzerne bereits abgefahren“, meint ein Branchenkenner. Daher müssten sich die Anbieter jetzt auf industrielle Kunden konzentrieren.

Vierke sieht Signify aber als Profiteur der Entwicklung, weil die Ex-Philips-Sparte auch die ansteuerbaren Lampen und Leuchten bietet. 30 bis 40 Prozent aller Echo-Dot-Nutzer mit dem Sprachsteuerungssystem Alexa nutzten dieses, um ihre Beleuchtung zu dirigieren. Dabei werde sehr oft eine Philips-Lampe angesteuert. Das Amazon-Gerät biete zudem nur einfache Funktionen an. Wer die Möglichkeiten voll ausnutzen wolle, kaufe eine sogenannte Bridge von Signify für die Steuerung der Beleuchtung.

Viele Anwendungen liegen noch in der Zukunft

Allerdings kommt das Smarthome, also der vernetzte Privathaushalt, langsamer voran, als vor einigen Jahren von Experten prophezeit wurde. „Das wächst, aber lange nicht so stark, wie wir mal geglaubt haben“, sagt auch Vierke. Bei Themen wie Sicherheit, Licht und Heizung sei eine digitale Steuerung oft sinnvoll. Doch manches sei eben auch Spielerei.

Bei professionellen Anwendungen sei das anders. „Da wird knallhart gerechnet.“ So können Firmen zum Beispiel von einer intelligenten Steuerung profitieren, wenn nur die Bereiche beleuchtet werden, in denen sich gerade Mitarbeiter aufhalten.

Dass es längst nicht mehr nur um Beleuchtung geht, zeigt auch die Entwicklung LiFi von Signify. Dabei wird die LED-Beleuchtung für eine Breitband-Internetverbindung durch Lichtwellen genutzt. Die Leuchten sind mit einem integrierten Modem ausgestattet. „Einen Markt gibt es zum Beispiel überall dort, wo WLAN ein Sicherheitsrisiko darstellt“, ist Vierke überzeugt. Er denkt dabei zum Beispiel an staatliche Behörden und Banken.

Noch sind viele Anwendungen Zukunftsmusik. So war 2018 für die Lichtkonzerne kein leichtes Jahr. Bei Signify sanken die Erlöse in den ersten neun Monaten unter anderem wegen des Preisverfalls bei LED und des rückläufigen traditionellen Geschäfts um fast neun Prozent auf gut fünf Milliarden Euro. Der Nettogewinn brach um mehr als 40 Prozent auf 244 Millionen Euro ein. Osram hatte im Geschäftsjahr 2017/18 (30. September) die Ziele gleich zweimal nach unten korrigieren müssen.

Die Münchener leiden unter anderem unter der schwierigen Situation der Autobranche. Der Umsatz stieg schließlich lediglich um zwei Prozent auf 4,1 Milliarden Euro, schwächer als erwartet. Das bereinigte operative Ergebnis sank um 13 Prozent auf 605 Millionen Euro. Auch im laufenden Geschäftsjahr stehen die Margen unter Druck. CEO Olaf Berlien rechnet mit null bis drei Prozent Wachstum und niedrigeren Renditen.

Signify-Deutschlandchef Vierke ist überzeugt, dass die langfristigen Perspektiven gut sind. „Der Markt wird weiter wachsen, und wir werden weiter wachsen.“ Allerdings überlebe nur, wer das hohe Tempo mithalte. „Bis jetzt hat Europa jeden Sprint im Digitalen verloren.“ Man werde alles dafür tun, dass „wir im Lichtbereich diesmal nicht verlieren“.

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