Verordnung bremst Elektroautos „Meine Teslas kann ich einstampfen“

Taxifahrer haben es in Deutschland derzeit schwer, ein Elektroauto zu kaufen. Eine neue Eichverordnung für Taxameter bremst seit dem Jahreswechsel die Energiewende auf der Straße aus.
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Dudenhöffer „Bis zum richtig großen Durchbruch müssen wir bis 2018 warten“

DüsseldorfEs gibt wenige Orte auf der Welt, an denen die Tesla-Dichte so hoch ist, wie am Flughafen von Amsterdam. Zwei Taxiunternehmer betreiben hier eine der größten Elektroflotten der Welt. 167 Model S transportieren die Passagiere hier vom Flughafen in die Innenstadt. In Deutschland wäre ein solches Modell seit einigen Monaten undenkbar.

Seit Ende 2016 macht eine neue Eichverordnung für Taxameter den Umstieg der Taxifahrer auf ein Elektroauto nahezu unmöglich. Bundesweit darf derzeit kein Fahrzeug mehr als Taxi zugelassen werden, dass nicht vom Hersteller auch als Taxi verkauft wurde. Damit will der Hersteller Manipulationen am Taxameter verhindern – bremst aber gleichzeitig auch die elektrische Mobilität aus.

Denn kaum ein Hersteller bietet bislang ein bereits umgerüstetes Elektro-Taxi an. Allein Nissan hat derzeit einen Vertrag mit einem Dienstleister namens Intax, der die Elektromodelle der Japaner vor dem Verkauf zu Taxis umrüstet. Daher können der Leaf und der eNV200 weiterhin als Taxi eingesetzt werden. Alle anderen schauen in die Röhre.

Neue Bilder von Teslas Megabaustelle
Baustelle in der Wüste
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Bei Teslas Gigafactory in der Wüste Nevadas geht der Bau zügig voran. Anfang Januar nahm der Elektroautobauer zusammen mit dem Kooperationspartner Panasonic in Teilen der Fabrik die Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen auf. Diese Zellen eines neuen Typs sollen zunächst nur in den Powerwall-Heimspeichern verwendet werden. Die Batterieproduktion für das kommende Elektroauto Model 3 soll in den kommenden Monaten starten. (Stand: Januar 2017)

Foto: Tesla

Deutlicher Baufortschritt
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Die im Januar veröffentlichten Luftbilder zeigen den Baufortschritt deutlich. In einigen der errichteten Gebäude wird schon gearbeitet, in anderen die Produktion vorbereitet. Auch der Bau der Gebäude selbst wird noch weitergehen.

(Foto: Tesla)

Die Baustelle vor einem Jahr
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Zum Vergleich: So sah es vor einem Jahr in der Wüste bei Reno aus. Damals stand nur ein kleiner Teil der heutigen Anlagen.

Baustelle Gigafactory im Juli 2016
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Im Juli 2016 hatte Tesla zur offiziellen Eröffnung erstmals Presse-Fotografen auf das Gelände gelassen. Die Gigafactory wird nach Fertigstellung zu den größten Produktionsstätten weltweit gehören.

Eröffnungsfeier vor der Fertigstellung
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Im Juli waren erst 14 Prozent der Anlage in Betrieb. Dennoch hatte Tesla-Gründer Elon Musk Ende Juli zur Eröffnungsfeier geladen – einige Tage vorher durften sich bereits Journalisten und Fotografen auf dem Fabrikgelände umsehen. Voll in Betrieb soll die Anlage erst 2018 sein. Bis dahin wird an allen Ecken und Enden gebaut.

Vom Nischen- zum Massenhersteller
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Auch wenn es noch nicht so aussieht: Diese Halle ist einer der Grundpfeiler der Strategie von Elon Musk, mit der er Tesla von einem Nischen- zu einem Massenhersteller machen und ganz nebenbei dem Elektroauto zum Durchbruch verhelfen will.

Eigene Batterien sind unerlässlich
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Die eigenen Batterien sind unerlässlich, wenn Tesla mit dem Model 3 (im Bild ein ausgestellter Prototyp) in diesem Jahr die Massen mobilisieren soll. Zum einen, weil momentan gar nicht genügen Akkus für die angepeilten Stückzahlen des Model 3 zugekauft werden könnten. Zum anderen, weil sie schlichtweg zu teuer wären. Der angekündigte Preis von 35.000 Dollar für den Wagen wäre nicht zu halten.

„Hier muss dringend auf politischer Ebene nachgebessert werden“, sagt Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes E-Mobilität (BEM). Allein in München würden bei rund 216 Millionen gefahrenen Kilometern pro Jahr, etwa 18 Millionen Liter Diesel verbrannt. Elektro-Taxis könnten dazu beitragen, die Schadstoff- und Feinstaub-Belastung in den Städten zu reduzieren und seien auch ein idealer Werbeträger für den alternativen Antrieb, meint der Elektrolobbyist. Bisher ist der Anteil der Elektro-Taxis aber noch gering. Allein der Hybrid, beispielsweise beim Toyota Prius, kommt auf nennenswerte Marktanteile.

Tatsächlich sollen in den kommenden Jahren aber mehrere Modelle auf den Markt kommen, die von ihren Leistungsdaten als Taxi geeignet wären, allen voran der Ampera-E von Opel, der mit einer Reichweite von 500 Kilometern auch für Taxifahrten bestens geeignet wäre. Einige Unternehmer warten aber auch auf das Model 3 von Tesla, das mit einem Verkaufspreis von mutmaßlich 35.000 Euro auch bei Taxifahrern einschlagen könnte – wäre da nicht die neue Verordnung.

Bei einigen Unternehmern sorgt das für Unmut. „Meine zwei bestellten Tesla Model 3, die ich 2018 einsetzen wollte, kann ich damit einstampfen“, sagt Peter Köhl, ein Taxiunternehmer aus München. Nur ein Ausweg wäre möglich: Tesla müsste die Umrüstung vor dem Verkauf übernehmen. Ob das in Zukunft geplant sei, konnte Tesla auf Handelsblatt-Anfrage nicht beantworten.

Auch der der französische Renault, der in Deutschland Marktführer bei Elektroautos ist, hat bislang keine guten Nachrichten für die Taxiunternehmer. „Taxi-Pakete hatten wir für unsere Elektrofahrzeuge bislang nicht im Angebot und haben derzeit auch nicht geplant, das zu ändern", teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit.

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