Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Vitesco Technologies Continental erwartet rote Zahlen – Antriebssparte wird komplett abgespalten

Conti hat Pläne für einen Teilbörsengang der Sparte aufgegeben. Nach Abschreibungen rechnet der Konzern mit roten Zahlen und gibt einen düsteren Ausblick.
Update: 22.10.2019 - 15:34 Uhr Kommentieren
Vitesco: Continental spaltet seine Antriebssparte komplett ab Quelle: Bloomberg/Getty Images
Produktion in der Antriebssparte von Continental

Der Dax-Konzern will sich von dem Geschäftsbereich nun komplett trennen.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Düsseldorf Der Autozulieferer Continental spaltet seine Antriebssparte Vitesco ab. Das gab der Dax-Konzern am Dienstagmittag in einer Ad-hoc-Mitteilung bekannt. Der Continental-Vorstand habe demnach beschlossen, die Vorbereitung eines möglichen Teilbörsenganges von Vitesco nicht mehr länger zu verfolgen. Stattdessen wird nun eine Abspaltung von 100 Prozent mit anschließender Börsennotierung – ein sogenannter Spin-off – angestrebt.

Der Aufsichtsrat muss diesem Plan noch zustimmen. Sollte das Gremium grünes Licht geben, werde der geplante Spin-off am 30. April 2020 der Hauptversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt, heißt es in der Mitteilung.

„Im kommenden Jahr soll unser Antriebsgeschäft die erforderliche Selbstständigkeit und Handlungsflexibilität für die anstehenden Wachstumsschritte erhalten“, teilt Conti-Chef Elmar Degenhart in einem Schreiben mit. Vitesco-Chef Andreas Wolf teilt mit: „Vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats erhalten wir dann Klarheit über den weiteren Weg und können uns auf die Zukunft konzentrieren.“

Gleichzeitig veröffentlichte Continental am Dienstag eine 2,5 Milliarden Euro schwere Abschreibung für das dritte Quartal, womit der Konzern in die roten Zahlen rutscht. Der größte Teil der Wertberichtigungen entfällt auf das Geschäft mit der Innenausstattung von Autos, wie der Konzern mitteilte.

Neu ist zudem der pessimistische Marktausblick des Dax-Konzerns. Continental erwartet demnach in den kommenden fünf Jahren keine wesentliche Erholung des Autoabsatzmarktes. Ursprünglich war der Konzern von einem stagnierenden kommenden Jahr und einer Erholung in 2021 ausgegangen.

Der Konzern müsse deshalb die Werte abschreiben, mit der die – größtenteils vor mehr als zehn Jahren zugekauften – Firmen in der Bilanz stehen. Im abgelaufenen dritten Quartal habe der Konzern damit vor Steuern und Zinsen (Ebit) einen Verlust erwirtschaftet, auch für das Gesamtjahr sei unter dem Strich mit roten Zahlen zu rechnen.

Operativ habe das dritte Quartal dagegen den Erwartungen der Analysten entsprochen: Der Umsatz habe bei 11,1 Milliarden Euro gelegen, die um Sondereffekte bereinigte operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) betrug 5,6 Prozent.

Die Continental-Aktie reagierte zunächst mit starken Kursausschlägen und lag zuletzt mit rund 3,6 Prozent im Plus.

Zuliefererbranche im Umbruch

Angesichts der herausfordernden Marktumfelds dürfte Continental mit der Abspaltung seiner Antriebssparte hinsichtlich seines seines Umstrukturierungsprogramms aufs Tempo drücken. Bereits im vergangenen Jahr hatte Conti den Umbau in einer Holding verkündet.

Die Verselbstständigung der Antriebssparte gehörte zu den zentralen Maßnahmen. Allerdings zählte eine komplette Abspaltung der Sparte, die seit Anfang Oktober Vitesco Technologies heißt, nicht zum ursprünglichen Plan.

Eigentlich sollte diese Anfang 2020 über einen Teilbörsengang mehr Eigenständigkeit gewinnen und dennoch eine Verbindung zum Continental-Konzern behalten. Die anhaltenden Herausforderungen an den Aktienmärkten machten einen solchen Schritt jedoch betriebswirtschaftlich unmöglich.

Bei einem Spin-off wird der entsprechende Unternehmensanteil hingegen abgespalten und an die Börse gebracht. Aktionäre von Continental bekommen zusätzlich zu ihrer Continental-Aktie auch eine Vitesco-Aktie in ihrem Portfolio gutgeschrieben. Die Aktionäre könnten von dieser Maßnahme profitieren, vor allem Großaktionär Schaeffler, der sowohl an Continental als auch an Vitesco Technologies 46 Prozent halten würde.

Continental hingegen muss auf die Einnahmen, die durch einen Teilbörsengang entstanden wären – etwa im einstelligen Milliardenbereich – verzichten. Doch angesichts des Umbruchs in der Automobilbranche, weg von der Mechanik hin zu mehr IT und Software, sehen sich Zulieferer wie Continental zu größeren Umbaumaßnahmen samt Stellenstreichungen gezwungen.

Das kürzlich von Continental veröffentlichte Sparprogramm zeigt, welche Auswirkungen dieser Wandel auf die Branche haben wird. Weltweit sind in den kommenden zehn Jahren 20.000 Arbeitsplätze beim Zulieferer von den Veränderungen der Branche betroffen. Allein in Deutschland sind es 7000. Wie viele Menschen in dieser Phase der Konsolidierung ihre Stellen verlieren werden, ist unklar.

Dabei steht kaum ein Bereich in der Branche vor so tiefgreifenden Veränderungen wie das Antriebssegment. Wegen der Wende hin zur Elektromobilität müssen sich Antriebsunternehmen wie Vitesco einer Studie des Analysehauses Evercore ISI zufolge in den kommenden zehn Jahren einem so starken Wandel unterziehen, wie es ihn zuvor noch nie in der Automobilgeschichte gegeben hat.

„Es geht viel schneller und radikaler in Richtung Elektrifizierung, als alle gedacht haben“, sagte Vitesco-Chef Andreas Wolf kürzlich dem Handelsblatt. Seine Schlussfolgerung: „Es wird keine Renaissance des Verbrennungsmotors geben.“

Mehr: Jobabbau, Umstrukturierungen und neue Technologien: Die Sorgen-Sparte des Zulieferers steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Was das für Konzern und Mitarbeiter bedeuten könnte, zeigt der Fall eines US-Konkurrenten.

Startseite

Mehr zu: Vitesco Technologies - Continental erwartet rote Zahlen – Antriebssparte wird komplett abgespalten

0 Kommentare zu "Vitesco Technologies: Continental erwartet rote Zahlen – Antriebssparte wird komplett abgespalten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.