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Volkmar Dinstuhl Diesem Mann verdankt Thyssen-Krupp den Verkauf der Aufzugsparte

Thyssen-Krupp verkauft seine Aufzugsparte für eine unerwartet hohe Summe. Dinstuhl hat den Verkauf abgewickelt – der größte Deal seines Lebens.
01.03.2020 - 17:00 Uhr Kommentieren
Der Manager verhandelte viele Deals für Thyssen-Krupp. Quelle: ThyssenKrupp
Volkmar Dinstuhl

Der Manager verhandelte viele Deals für Thyssen-Krupp.

(Foto: ThyssenKrupp)

Berlin, Düsseldorf Volkmar Dinstuhl ist kein Mensch überschäumender Euphorie. Als er den größten Deal seines Lebens abschließt, nennt er seinen Seelenzustand schlicht zufriedenstellend.

Etwas mehr Freude hätte er sich indes gönnen können. Denn Dinstuhl ist der Mitarbeiter, der für Thyssen-Krupp den Verkauf der Aufzugssparte abgewickelt hat. Mit einem Gesamtvolumen von 17 Milliarden Euro ist es wohl der mit Abstand größte Deal in Europa in diesem Jahr.

Dinstuhl aber blickt auf die Abgabe der Aufzugssparte an ein Konsortium um den Finanzinvestor Advent mit gemischten Gefühlen. Große Emotionen erlaubt sich der in Oberhausen geborene Manager im Beruf nicht, wie Leute aus seinem Umfeld berichten. Ganz als Kind des Ruhrgebietes hatte er sich nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bochum für einen Job bei Thyssen-Krupp beworben.

Er wollte eine Stelle als Dealmaker – und bekam sie: als Leiter M&A. Zu einer Bank wollte er nicht gehen, obwohl dort erheblich höhere Gehälter gezahlt werden. Da könne er aber nicht gestalten, sagte Dinstuhl einmal im kleinen Kreis.

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    Bei dem Konglomerat in Essen kann der 47-Jährige aktiv an den Entscheidungen mitwirken, auch wenn es manchmal wenig erfreulich ist. Mit dem Geschäftsbereich Aufzüge und Fahrtreppen (Elevator) verliert Thyssen-Krupp nämlich seinen wichtigsten Gewinnbringer. Es ist eher ein Notverkauf gewesen, um dem Konglomerat einen Ausweg aus seiner Finanzklemme zu ermöglichen.

    Vor der Pleite gerettet

    Thyssen-Krupp ist der Sorgenfall in der deutschen Industrielandschaft. Nach milliardenschweren Fehlinvestitionen in den Bau neuer Stahlwerke in Brasilien und den USA stand der Konzern 2011 bereits einmal vor der Pleite. Dinstuhl war schon damals in die Rettung eingebunden. Seit 2009 ist er für den Bereich Übernahmen und Fusionen verantwortlich.

    In den elf Jahren hat er den Verkauf der Edelstahlsparte wie auch die Veräußerung der Stahlwerke in Amerika verhandelt. An der Konzernspitze stand damals Heinrich Hiesinger. Als er vor zwei Jahren zurücktrat, übernahm Guido Kerkhoff die Leitung. Der wurde nach einigen Monaten geschasst, und Aufsichtsratschefin Martina Merz folgte als Vorstandsvorsitzende.

    Grafik

    Die Konzernchefs wechselten, Dinstuhl aber blieb in all den Jahren in seiner Position. Moralische Entrüstung zeigte er zumindest in seinem Umfeld oder gar der Öffentlichkeit nicht. „Er ist ein loyaler Mitarbeiter, wie man ihn sich nur wünschen kann“, sagt ein Topmanager, der eng mit ihm zusammengearbeitet hat.

    Und mehr: „Dinstuhl ist einer der besten Spezialisten für Akquisitionen, die es in Deutschland gibt.“ Gezeigt hat er diese Qualität beim Verkauf des Aufzugsgeschäfts. Neben einem Verkauf standen ursprünglich auch eine teilweise Veräußerung und ein Börsengang zur Option. Das hatte den Prozess gewaltig verkompliziert: Die Teams hatten alle Alternativen einzeln prüfen und gegeneinander bewerten müssen.

    Für Dinstuhl hieß das zusätzliche Arbeit, aber er mag komplizierte Fälle. Er ist passionierter Schachspieler und spielt seit über 20 Jahren in der Bundesliga. Dort als Amateur mithalten zu können ist nicht einfach. Rund die Hälfte der Akteure sind professionelle Schachspieler.

    Keine Wachstumssprünge durch Verkauf

    Das Geld bei Thyssen-Krupp reicht für die Abdeckung der Schuldenlast sowie für eine Restauration des verbleibenden Geschäfts. Wachstumssprünge durch Akquisitionen wird sich der Ruhrkonzern nicht erlauben können. Dinstuhl wird sich um den weiteren Umbau kümmern müssen, unter anderem um den Verkauf des Bereichs Anlagenbau.

    Außerdem sucht Vorstandschefin Merz einen Partner für das Stahlgeschäft. Gespräche dazu sollen vor allem mit dem Rivalen Salzgitter geführt werden. Der Druck steigt, wie Insider berichten. Zu viele Hüttenkonzerne produzieren Stahl in Europa – eine Konsolidierung ist letztlich unvermeidlich. Dann ist Volkmar Dinstuhl wieder gefragt.

    Mehr: Der Verkauf der Thyssen-Krupp-Aufzugsparte ist durch. Die Deutschlandchefs der Käufer Advent und Cinven erläutern im Handelsblatt-Interview, wie es nach dem Milliardendeal weitergehen soll.

    • mur
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