Volkswagen-Aufsichtsrat VW-Patriarch Piëch legt alle Ämter nieder

Ferdinand Piëch kommt Gerüchten, er werde nicht mehr als VW-Aufsichtsratschef wiedergewählt, zuvor: Er tritt von seinen Ämtern zurück, wie auch Ehefrau Ursula. Sein Nachfolger äußert sich bereits zu dem Abgang Piëchs.
Update: 25.04.2015 - 23:33 Uhr Kommentieren

Ferdinand Piëch: Der VW-Patriarch schmeißt hin

WolfsburgFerdinand Piëch hat nach dem Machtkampf um die Volkswagen-Spitze das Vertrauen verspielt - und muss sich nach Jahren als Chefaufseher zurückziehen. Der 78 Jahre alte VW-Patriarch trat am Samstag mit sofortiger Wirkung von seinem Kontrolleursposten zurück, wie Volkswagen mitteilte. Auch Piëchs Ehefrau Ursula gibt demnach ihr Mandat in dem Kontrollgremium ab. Mit Piëchs Rücktritt steht der Konzern vor einer Zeitenwende. Der frühere IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber übernimmt im Aufsichtsrat kommissarisch den Vorsitz.

Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats begründete den Rücktritt Piëchs am Samstag mit einem zerrütteten Verhältnis: „Die Mitglieder des Präsidiums haben einvernehmlich festgestellt, dass vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist“, hieß es in einer Erklärung.

Ähnlich deutliche Worte nutzte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der in Hannover für die VW-Kapitaleigner Stellung nahm: „Die Diskussion der vergangenen zwei Wochen ist schädlich gewesen für Volkswagen. Es gab eine Flut von Personaldebatten. Das Präsidium (des Aufsichtsrates) musste deshalb die notwendige Klarheit schaffen.“

Huber hat nach Weils Worten „die ausdrückliche Unterstützung der Anteilseigner“. Das Land Niedersachsen ist nach den Familien Porsche und Piëch der zweitwichtigste VW-Aktionär. Auch Huber sprach von einem Vertrauensverlust zwischen Piëch und dem Rest des Präsidiums, „der sich in den letzten Tagen als nicht mehr lösbar erwiesen hat“.

Piëchs Top- und Flop-Modelle
Porsche Typ 356 2 (Gmünd) Coupé 1948
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Im Wagen: Ferry Porsche; Kinder v.l.n.r.: Ferdinand Piëch, Sohn von Ghislaine Kaes (nicht sicher, ob Edwin oder Phillipp), und Michel Piëch. Über den gelernten Maschinenbau-Ingenieur und Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche hört man oft, er habe „Benzin im Blut“. Die Leidenschaft des Autonarren und Technikfreaks erschöpfte sich indes nicht nur in Fantasien. Piëch bewies immer wieder Stehvermögen, konnte seine Ideen trotz Gegenwinds langfristig durchboxen und den Spieß gegenüber Gegnern und Kritikern umdrehen ...

Benzin im Blut - VW-Patriarch Ferdinand Piëch
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Vorstandsmitglied (Technische Entwicklung) Ferdinand Piëch steht auf diesem Archivbild von 1982 neben einem Audi 100. Am 17. April 1937 wurde der VW-Aufsichtsratsvorsitzende in Wien geboren. Er gilt als leidenschaftlicher Auto- und Technikfreak. Neun Jahre lang - von 1993 bis 2002 - stand er an der Spitze des Wolfsburger Autobauers Volkswagen, danach wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrates. "Autos bauen", nannte er einmal als sein größtes Hobby. Das hat der Österreicher fast sein ganzes Leben lang getan: erst bei Porsche und Audi, dann bei VW ...

Ferdinand Piech
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Ferdinand Piech mit dem Porsche Bergspyder 909 aus dem Jahr 1968. „Burli“, wie er genannt wurde, wuchs mit Autos auf: Sein Vater leitete in der NS-Zeit das Werk in Wolfsburg, das von Käfer- auf Kriegsproduktion umgestellt wurde. Großvater und Onkel Ferry konstruierten nur wenige Jahre nach Kriegsende die ersten Sportwagen, auf VW-Basis. Mutter Louise übernahm den VW-Import nach Österreich. So war es kein Wunder, dass Autos auch das Berufsleben von Piech bestimmten ...

Gulf Porsche 917
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In Zürich studierte Piech Technik an der ETH, schloss mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren 1962 ab und ging zu Porsche in die Versuchsabteilung. Piech machte Blitzkarriere: nach vier Jahren Abteilungsleiter und weitere fünf Jahre danach technischer Geschäftsführer. Piech ist technikbesessen, er baute etwa die Rennmaschine Porsche 917 ...

Porsche 917
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Der Porsche 917, hier beim Einsatz im 24-Stunden-Klassiker von Le Mans im Jahr 1971, war ein riesiger Imageerfolg für die Sportwagenschmiede. Das extrem schwer beherrschbare und leichtgewichtige PS-Monster spielte praktisch mit der Konkurrenz in den Rennsaisons 1970 und 1971. 14 Rennnsiege wurden allein in diesen beiden Jahren verbucht.

Ferdinand Piech
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1972 musste Piech Porsche verlassen, weil die Familien Porsche und Piech nach Querelen beschlossen, kein Familienmitglied dürfe mehr bei dem Sportwagenbauer arbeiten. Der Techniker wechselte in den VW-Konzern, zu Audi. Der Aufsichtsrat der Audi NSU Auto Union AG ernennt ihn im Sommer 1975 zum Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung.

Bei Audi in Ingolstadt
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Auch bei Audi setzt Piech seine Ideen durch: Allradantrieb, TDI-Motor, rostfreie Karosserie. Piech machte Audi zu einer Perle im VW-Konzern, 1988 wurde er Chef in Ingolstadt. Am 9. Januar 1990 präsentiert er im Werk Ingolstadt den Jubiläumswagen, einen Quattro. Seit Anlauf der Produktion im Jahr 1965 wurden in dem Werk sieben Millionen Autos der Marke Audi produziert ...

Piëch galt über viele Jahre als das Machtzentrum bei VW. Vor rund 14 Tagen hatte er das interne Ringen um die Zukunft der VW-Spitze öffentlich gemacht, indem er dem „Spiegel“ sagte, er sei „auf Distanz“ zum Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. Damit rückte Piëch völlig überraschend von seinem langjährigen beruflichen Ziehsohn ab.

Die Entmachtung des Patriarchen ist nun das Finale eines tagelangen Ringens um die Einflussnahme an der Spitze des größten europäischen Autobauers. Piëchs Rücktritt war am Samstagnachmittag ein erneutes Krisentreffen der sechsköpfigen Aufsichtsratsspitze vorausgegangen. Das Gremium versammelte sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Braunschweig am Flughafen. Am Ende der mehrstündigen Beratungen stand fest, dass Piëch gehen wird.

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