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Volkswagen Bei VW herrscht noch immer großer Vertrauensverlust

Der Autokonzern leidet noch immer unter den Folgen der Dieselaffäre. Um Vertrauen zurückzugewinnen, setzt VW verstärkt auf Elektromobilität.
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Mit der grünen offensive will Volkswagen den Dieselskandal vergessen machen. Quelle: dpa
Elektroauto

Mit der grünen offensive will Volkswagen den Dieselskandal vergessen machen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDas Urteil des eigenen Konzernchefs hätte nicht deutlicher ausfallen können. Die Aufdeckung des Dieselskandals liegt zwar schon fast vier Jahre zurück, doch die Folgen sind bei Volkswagen noch mit aller Deutlichkeit spürbar. Das Ansehen des Autokonzerns ist weiterhin im Keller.

„Der Vertrauensverlust vor allem bei der Marke VW ist groß. Audi ist noch immer im Krisenmodus. Porsche hat den Diesel aus dem Programm genommen. Unser Dieselanteil in Europa sinkt – mit erheblichen Herausforderungen für die Lieferketten“, sagte der Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess in der vergangenen Woche auf einer internen Managementveranstaltung in Wolfsburg.

30 Milliarden Euro hat VW bislang für die Bewältigung der Dieselaffäre zurückgelegt. Milliarden von Euro mussten dafür aufgewendet werden, um die manipulierten Dieselfahrzeuge wieder in Ordnung zu bringen. In den Vereinigten Staaten spielt der Diesel für Volkswagen heute keine Rolle mehr.

Der VW-Konzern hat dort nach der Dieselaffäre die ursprüngliche Zielsetzung aufgegeben, den Selbstzünder parallel zum Benzinmotor als eine anerkannte Antriebsvariante zu etablieren. Europa ist dadurch der weltweit einzig wichtige Absatzmarkt für den Diesel geblieben. Doch mit der Abgasaffäre ging ein Ansehens- und Bedeutungsverlust einher.

Drohende Fahrverbote in den Städten taten ein Übriges hinzu. Bei den Neuwagenverkäufen kommt der Diesel heute auf einen Anteil von etwa einem Drittel, auch bei Volkswagen. Vor dem Bekanntwerden der Abgasaffäre lag der Anteil bei knapp der Hälfte.

Allerdings steht Volkswagen auch vier Jahre nach der Dieselaffäre vergleichsweise gut da: Der Konzern verzeichnete auch im vergangenen Jahr einen neuen Rekord beim operativen Gewinn.

Wende zum Elektroauto

Mit dem Elektroauto will Volkswagen den Dieselskandal vergessen machen. Mit der in Wolfsburg ausgerufenen Elektrooffensive möchte der Konzern demonstrieren, dass er umweltgerechte Autos ganz ohne Manipulationen entwickeln und produzieren kann.

Wahrscheinlich hat die Abgasaffäre die Wende hin zum Elektroauto sogar beschleunigt. Volkswagen wurde durch den Skandal dazu gezwungen, mehr für die Umwelt zu tun – und das möglichst schnell. Eine Schlüsselrolle für den VW-Konzern spielt der sogenannte MEB-Baukasten, auf dessen Basis in den kommenden Jahren Millionen von Elektroautos produziert werden sollen.

„Mit dem MEB hat die Marke Volkswagen die Zukunftsplattform für den gesamten Konzern entwickelt“, sagte Vorstandschef Diess in der vergangenen Woche. Volkswagen könne seine neuen Elektroautos damit deutlich kostengünstiger produzieren als seine Mitbewerber.

Volkswagen hat sich darauf festgelegt, dass der Elektromotor der Antrieb der Zukunft im gesamten Konzern werden soll. Allein bis zum Jahr 2023 investiert der Wolfsburger Autohersteller mehr als 30 Milliarden Euro in die Elektromobilität. Anfang der 2030er-Jahre dürfte der letzte neue Verbrennungsmotor von Volkswagen auf den Markt kommen, der dann noch etwa bis zum Jahr 2040 verkauft wird.

Eine Lebensdauer von etwa zehn Jahren vorausgesetzt, dürfte der letzte Verbrenner um das Jahr 2050 herum von der Straße verschwinden. Der VW-Konzern wagt sich damit in der Branche weit vor. „Es ist eine risikoreiche Wette“, sagt Stefan Bratzel, Professor des Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule in Bergisch Gladbach.

Volkswagen könne die Voraussetzungen dafür, dass die Wette aufgeht, nicht allein erfüllen. Etwa beim Aufbau der Ladeinfrastruktur sei der Autokonzern von etlichen anderen Partnern abhängig. Noch liegt das Ziel der Klimaneutralität in weiter Ferne.

Doch der Umbau des VW-Konzerns zum wichtigsten Hersteller von Elektroautos hat begonnen. Ende des Jahres startet im Werk in Zwickau die Produktion des ersten E-Modells auf der neuen MEB-Plattform. Im September wird der ID.3 – das elektrische Gegenstück zum VW-Erfolgsmodell Golf – auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt präsentiert.

Im Mai startete bereits ein Pre-Booking für das erste Modell aus der ID-Familie. Der ID.3 ist der Beginn einer groß angelegten Elektrooffensive. In den nächsten zehn Jahren wird Volkswagen im gesamten Konzern rund 22 Millionen E-Autos produzieren. Etwa 70 verschiedene Modelle sind dabei geplant.

Bis zum Jahr 2030 will Konzernchef Diess in Europa und in China einen Elektroanteil von etwa 40 Prozent an der eigenen Fahrzeugflotte erreichen. Volkswagen wird auf dem Weg in die Elektromobilität auf jeden Fall Geduld brauchen.

„Wer jetzt damit startet, wird auf absehbare Zeit die Nase vorn haben“, sagt Al Bedwell, Automobilexperte beim Prognoseunternehmen LMC Automotive. Allerdings seien zu Beginn große Investitionen nötig und die wirtschaftlichen Erfolge klein. Auf Dauer werde sich die Strategie jedoch auszahlen, „weil die Produktionskosten bei zunehmenden Stückzahlen deutlich fallen“.

Mehr: Das Marketing von VW digitalisiert sich. Eine neue globale Website mit E-Commerce-Funktion ist geplant. Die Macher erklären die Konsequenzen für Kunden und Konzern.

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