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Volkswagen Betriebsratschef Osterloh dementiert Putsch-Versuch gegen VW-Chef Diess

In Wolfsburg spitzt sich der Streit zwischen Konzernchef Diess und Betriebsratschef Osterloh zu. Nach Problemen mit dem Golf 8 wächst die Kritik aus der Belegschaft.
28.05.2020 Update: 28.05.2020 - 14:44 Uhr 2 Kommentare
VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (links) hat Entscheidungen des VW-Konzernchefs Herbert Diess bereits öffentlich kritisiert. Quelle: dpa
Die mächtigsten Männer im VW-Reich

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (links) hat Entscheidungen des VW-Konzernchefs Herbert Diess bereits öffentlich kritisiert.

(Foto: dpa)

Wolfsburg Die Arbeitnehmerseite im Volkswagen-Aufsichtsrat hat einen Bericht über einen angeblichen Putschversuch gegen VW-Vorstandschef Herbert Diess zurückgewiesen. „Das entbehrt jeder Grundlage“, ließen sich VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann in einer gemeinsamen Stellungnahme vom Donnerstag zitieren. „Diese Meldung ist Quatsch.“ Die „Bild“-Zeitung hatte unter Berufung auf eigene Informationen berichtet, Osterloh und Hofmann hätten sich geeinigt, „VW-Boss Diess müsse weg“.

Bereits am Mittwoch hatte das „Manager Magazin“ berichtet, dass der mächtige Betriebsrat auch eine Vertragsverlängerung des Konzernchefs verhindert habe. Diess habe als Gegenleistung für seine Zustimmung zu einem Deal im VW-Dieselprozess eine längere Laufzeit seines Vertrags eingefordert, hieß es in dem Bericht. Dagegen habe Osterloh sich gesperrt.

Die einflussreichen obersten Vertrauensleute der IG Metall bei Volkswagen gehen die Konzernspitze wegen des öffentlichen Eindrucks durch sich häufende Probleme offen an. Man sei „zunehmend massiv besorgt über die vielen vom Vorstand zu verantwortenden negativen Presseberichte über unser Unternehmen“, hieß es am Donnerstag auf der Internet-Seite der Gewerkschaft bei VW. „Dieses schlechte Bild in der Öffentlichkeit zerstört das über Jahrzehnte gewachsene Kundenvertrauen und gefährdet so unsere Arbeitsplätze.“

Die Vertrauenskörper-Leitungen der deutschen VW-Werke, die eine Art Scharnier zwischen dem Betriebsrat und den in der IG Metall organisierten Belegschaftsmitgliedern sind, nannten das von vielen als rassistisch empfundene Werbevideo auf Instagram und die Anlaufprobleme beim Golf 8 als Beispiele. „Für uns ist das Maß inzwischen unerträglich“, erklärten sie. „Mittlerweile ist ein Zustand erreicht, in dem sich immer mehr Kolleginnen und Kollegen für ihren Arbeitgeber schämen und ihn teilweise sogar verleugnen.“.

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    Die Führungsetage wolle zu viel Neues auf einmal – und reiche große Teile der Verantwortung einfach nach unten durch, heißt es aus der Belegschaft. In einer Brandrede hatte Diess seine Belegschaft auf ein höheres Tempo eingeschworen.

    Betriebsratschef Osterloh echauffierte sich schon im März im Rückblick über die ehrgeizigen Ziele: „Die Folgen dieser unrealistischen Planungen sind ein völlig überzogener Druck auf die Kolleginnen und Kollegen an den Montagelinien.“ Tatsächlich wurden 2019 nicht mal zehn Prozent der zuerst angepeilten 100.000 Golf 8 gebaut.

    Vorstandschef Herbert Diess müsse bei der Sitzung des Aufsichtsrats am Donnerstag nun dezidiert auf die anhaltenden Probleme eingehen, heißt es aus Kreisen der Kontrolleure. Dass die Software in vielen Exemplaren des Autos eine Art Sollbruchstelle ist, ist bereits länger deutlich. Öffentlich schwärmte Diess, der VW in die digitale Zukunft führen will, von einem der besten Anläufe, die es je gegeben habe. Manch ein Kollege an der Linie empfindet das als beinahe zynisch.

    Massive Probleme beim Golf 8

    In der Firmenzeitung „Mitbestimmen“ ging Osterloh das Top-Management frontal an: „Hier wollten überehrgeizige Vorstände zu schnell zu viel Technik in ein Fahrzeug stopfen.“ Die von der Führung nachjustierte „flache Anlaufkurve“ ändere nichts daran, dass der Start der 8er Reihe für den größten Industriekonzern Europas missraten sei. Die Zahlen seien ein Trauerspiel. Und: „Wer so mit dem Golf spielt, spielt auch mit den Arbeitsplätzen der Beschäftigten.“

    Starker Tobak für die VW-Welt, in der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite in Kernfragen meist an einem Strang ziehen – auch im Aufsichtsratspräsidium, dem Osterloh ebenso angehört wie Vertreter des Porsche/Piëch-Clans und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

    Beim Aushandeln des Sparprogramms „Zukunftspakt“ hatte es zwar heftigen Zank mit Diess gegeben, den Osterloh auch schon mal scherzhaft „Onkel Herbert“ nennt. Aber zuletzt gab es etwas wie ein Stillhalteabkommen im Interesse der gemeinsamen Sache: des Wandels vom klassischen Hersteller zum E-Auto- und Digitalkonzern.

    Die IT-Probleme reißen jedoch nicht ab, sondern sollen unverändert hoch sein. Gerade erst kamen Funktionsstörungen beim elektronischen Notrufassistenten des Golf hinzu. VW droht ein Rückruf, der Tochter Skoda ebenso, und auch Modelle bei Audi und Seat könnten betroffen sein.

    Ursache für mögliche Ausfälle des „eCall“: eine fehlerhafte Datenübertragung am Steuergerät, für den Golf und Skoda Octavia gilt ein Lieferstopp. Dabei können die Hersteller weiter anschwellende Lager zurzeit überhaupt nicht gebrauchen. Die Absatzflaute ist wegen der eingebrochenen Nachfrage in der Corona-Krise schon groß genug.

    Wie es in der Golf-Fertigung offenbar zugeht, zeigen auch zusätzliche Details, über die das Online-Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ unter Berufung auf Daten aus der VW-Qualitätskontrolle berichtete. Demzufolge sollen etwa an einem Beispieltag im März weniger als 40 Prozent der Golf-8-Exemplare einwandfrei das Band verlassen haben.

    Es falle „sehr viel Nacharbeit“ an, ist aus dem Werk zu hören. Auch bei Zwischenabnahmen sei die Fehlerquote hoch, ähnlich beim Durchmessen der Softwarefunktionen am Schluss. Die Zahl der täglich insgesamt festgestellten Mängel liege weit jenseits der Toleranzschwelle.

    „Eine Katastrophe für das Image“

    Die Probleme treffen dennoch einen neuralgischen Punkt – symbolisch ist kaum ein anderes Modell so wertvoll für den Konzern. „Der Golf wird zunehmend an Bedeutung verlieren, je mehr die Elektromobilität hochfährt“, glaubt NordLB-Branchenexperte Frank Schwope. „Noch ist er aber das Aushängeschild von Volkswagen.“

    Weitere Verzögerungen kämen daher „imagetechnisch einer Katastrophe“ gleich. Wenn sich die Lage stabilisiere, könnte das auch in der Außenwirkung bald wieder besser aussehen. Wenn nicht, drohe ein „Abstrahlen auf andere Modelle“.

    Der aktuelle Chef müsse den Golf jetzt endlich wirklich zur Chefsache machen, heißt es auch aus der Belegschaft. Die Problemlösung dürfe dabei nicht immer nur an zwischengeschaltete Ebenen und die bereits zahlreichen Taskforces delegiert werden. Diess solle häufiger selbst das Heft in die Hand nehmen und neues Vertrauen aufbauen.

    VW erklärte dazu offiziell, es ließen sich immer Dinge verbessern – aber der Golf 8 sei in vielerlei Hinsicht eben auch ein komplett neues Projekt. Im Vergleich zu manchen anderen Modellanläufen sei man „sehr zufrieden“.

    Ob das am Ende auch für den ID.3 als zweites Großprojekt gilt, bleibt abzuwarten. Das E-Auto soll die neu konzipierte Reihe begründen, die VW ins Elektro-Zeitalter führt. Auch hier gibt es schon Verzögerungen und einen zunächst abgespeckten Funktionsumfang. Grund: die Software.

    Mehr: Der Golf ist plötzlich nicht mehr die Nummer eins in Europa

    • dpa
    • bay
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    2 Kommentare zu "Volkswagen: Betriebsratschef Osterloh dementiert Putsch-Versuch gegen VW-Chef Diess"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • ...sicherlich ist der Druck auf die Belegschaft ist enorm aber diese Belegschaft will auch Job Sicherheit, gute Gehälter und dass in jeder Krise der Staat als Retter "angefahren" kommt, damit die Deutschen brav "ihr " Auto kaufen....alles hat seinen Preis.

    • Herbert Diess hat seine Ingenieure angewiesen, sich ausschlißlich auf Batterietechnik zu konzentrieren. Brennstoffzelle: Fehlanzeige. Jetzt fährt er vor dem ganzen Konzern erst mal den Golf an die Wand. Mich würde nicht wundern, wenn es da in Kürze einen Putsch gäbe.

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