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Volkswagen Der Dieselskandal frisst den Gewinn der VW-Kernmarke auf

Die Marke VW ist auf dem Weg der Besserung, muss aber durch die Dieselaffäre Rückschläge hinnehmen. Auf lange Sicht fehlt es noch an Effizienz.
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„Ausstehende Anleger-Klagen könnten VW noch Milliarden kosten“

DüsseldorfWäre die Dieselaffäre nicht gewesen, dann wäre es ein ziemlich gutes erstes Halbjahr für die Marke Volkswagen geworden. Der Umsatz ist in den ersten sechs Monaten um 7,7 Prozent auf 42,7 Milliarden Euro gewachsen, das operative Ergebnis (vor zusätzlichen Diesellasten) um fast 20 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, wie VW am Donnerstag mitteilte.

Die operative Rendite beträgt nun fünf Prozent – und wird damit im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern langsam konkurrenzfähig. Noch vor gut zwei Jahren lag die Rendite bei gerade einmal einem Prozent. Die Marke VW hat in den ersten sechs Monaten 3,1 Millionen Autos ausgeliefert – so viel wie nie zuvor im ersten Halbjahr.

Doch auch im ersten Halbjahr von 2018 hat Volkswagen noch einmal die Dieselaffäre zu spüren bekommen. Zur rechtlichen Bewältigung des Skandals muss die Marke weitere 1,6 Milliarden Euro als Sonderlasten verbuchen – seit Ende 2015 sind es jetzt insgesamt 27,4 Milliarden Euro geworden.

Damit bleibt von dem eigentlich recht erfreulichen operativen Gewinn von mehr als zwei Milliarden Euro am Ende doch nicht mehr allzu viel übrig. 500 Millionen Euro stehen eher für einen Betrag aus schlechteren Tagen, als die Kernmarke kaum Geld verdiente und bei Vergleichen mit der Konkurrenz meist ganz hinten lag. Eine halbe Milliarde Euro an Ertrag bedeutet eine operative Rendite von gut einem Prozent.

Arno Antlitz, Finanzvorstand der Marke Volkswagen, will sich seinen Optimismus trotzdem nicht nehmen lassen. Er sieht grundlegende strukturelle Verbesserungen, die VW in den zurückliegenden zwei Jahren deutlich nach vorne gebracht hätten. „Die gute operative Performance im ersten Halbjahr zeigt, dass die Neuausrichtung der Marke Volkswagen Schritt für Schritt vorankommt“, sagte er am Donnerstagmorgen.

Nächster SUV ist auf dem Weg zu den Händlern

Die Marke VW profitiere von ihrer jungen Modellpalette, allen voran von ihren vielen neuen SUV (Geländewagen). Anfangs hatte Volkswagen den SUV-Trend ziemlich verschlafen, inzwischen haben die Wolfsburger jedoch deutlich aufgeholt. Der Tiguan hat sich aus VW-Sicht zu einem weltweiten Verkaufsschlager entwickelt. Der vor wenigen Wochen vorgestellte neue Touareg erfreue sich schon jetzt hoher Auftragsbestände.

In wenigen Monaten soll dann der nächste SUV zu den Händlern rollen: Der kleinere T-Cross rundet das SUV-Segment nach unten ab.

Innerhalb eines Jahres hat die Marke VW den SUV-Anteil am weltweiten Absatz von 13 Prozent im ersten Halbjahr 2017 auf nun 18 Prozent erhöht. Besonders deutlich sei der Anstieg in Europa ausgefallen, wo sich der SUV-Anteil binnen Jahresfrist von 17 auf 25 Prozent erhöht habe. In Nordamerika konnte er von zehn auf 38 Prozent nahezu vervierfacht werden.

VW Kernmarke: Dieselskandal frisst den Gewinn auf Quelle: Reuters
VW Tiguan

Die Marke profitiert von ihrer jungen Modellpalette, allen voran von den vielen neuen SUV (Geländewagen).

(Foto: Reuters)

Der Gesamtabsatz hat sich im ersten Halbjahr überall auf der Welt positiv entwickelt. Sowohl im Heimatmarkt Deutschland als auch in den großen Automärkten Westeuropas, in China und in den USA steigerte die Marke ihre Auslieferungen an Kunden im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich. In Russland und Brasilien legte die Marke sogar um jeweils mehr als 20 Prozent zu.

Eine Herausforderung wird in der zweiten Jahreshälfte die Umstellung auf das neue und zeitlich aufwendigere Zulassungsverfahren WLTP sein. Vom dritten Quartal an erwartet die Marke VW dadurch befristete Auswirkungen auf das operative Ergebnis und die Liquidität. Ungeachtet dessen hat der Markenvorstand seine Jahresprognose bestätigt: 2018 werde der Umsatz um bis zu zehn Prozent steigen und die operative Rendite vor Sondereinflüssen wie etwa aus der Dieselaffäre soll bei vier bis fünf Prozent liegen.

Mit dem aktuellen Ertragsniveau gibt sich Finanzvorstand Arno Antlitz nicht zufrieden. Die Marke VW müsse noch einmal deutlich produktiver werden, um dauerhaft konkurrenzfähig zu sein. Dazu gehöre, dass die Ertragskraft der Marke auf ein „wirklich wettbewerbsfähiges und zukunftssicheres Niveau gehoben“ werde. Eine konkrete Zahl nannte Antlitz nicht. Aber die Konkurrenz macht vor, wohin die Reise gehen dürfte: Die operative Rendite des französischen PSA-Konzerns liegt bei mehr als acht Prozent.

Um die notwendigen Vorleistungen für die Transformation zur Elektromobilität und zum autonomen Fahren sowie die digitalen Initiativen der Marke aus eigener Kraft stemmen zu können, müssten zusätzliche Mittel generiert werden. Vorstand und Betriebsrat würden in den nächsten Monaten über weitere Schritte beraten und gemeinsam daran arbeiten, die Marke Volkswagen effizienter zu machen.

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