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Volkswagen Der neue Golf: Eine Ikone mit Ablaufdatum

Einst hat der Golf den VW-Konzern vor dem Absturz gerettet. Mit viel Pomp hat der Autobauer nun die achte Generation vorgestellt. Es wird wohl die letzte sein.
24.10.2019 Update: 24.10.2019 - 21:49 Uhr 1 Kommentar

Wie der neue Golf 8 zur Elektrowende bei VW beitragen soll

Wolfsburg Der neue Golf ist flacher, moderner und sauberer als seine Vorgänger. Und doch hat das Modell ein Ablaufdatum. Der Grund dafür ist die Elektrifizierung, die eine Revolution für die Autoindustrie ist. Die wird jedoch noch einige Jahre dauern.

Und so betonte Vorstandschef Herbert Diess bei der Vorstellung der achten Generation in der Wolfsburger Autostadt die Bedeutung des Modells: „Der Golf ist ein Weltauto.“ Nach seinen Worten wird die Neuauflage des Erfolgsautos einen massenhaften Absatz finden, wie schon die sieben Generationen zuvor.

Diess hat sich auf der breiten Bühne positioniert, wo zuvor noch die Vorläufermodelle standen. Eingehüllt in blaues und magentafarbenes Scheinwerferlicht schlägt er den Bogen in die Vergangenheit.

Mit viel Aufwand zelebriert. Quelle: Reuters
Präsentation

Mit viel Aufwand zelebriert.

(Foto: Reuters)

Als der erste Golf in den 1970er-Jahren auf den Markt gekommen war, hatten sich die Menschen Sorgen wegen Engpässen bei der Benzinversorgung gemacht. Der Golf als „radikal funktionales Auto“ sei die Antwort gewesen, sagte er. Das Fahrzeug war damit die Rettung vor dem damals drohenden Ende.

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    Heute steht VW wirtschaftlich zwar besser da, aber die Branche steht vor dem Umbruch. „Aus der Ölkrise ist die Klimakrise geworden.“

    Die neuste Golf-Generation hat VW zwar mit mehr Technik ausgestattet, aber nach Angaben des Konzerns sind die Umweltwerte deutlich besser geworden. Dabei liege der Einstiegspreis unter 20.000 Euro und sei damit attraktiv, sagte Ralf Brandstätter, im Vorstand der Marke VW für das operative Geschäft.

    Der Golf 8 steht für eine Evolution der Fahrzeugtechnik. Quelle: dpa
    Weltpremiere

    Der Golf 8 steht für eine Evolution der Fahrzeugtechnik.

    (Foto: dpa)

    Wenn er und Vertreter von VW über den neuen Golf sprechen, dann verlieren sie sich gerne in Superlativen. „Zeitlos und modern“ sei das Auto, sagte Brandstätter. Für ihn ist der Golf 8 eine „Augenweide“.

    Vor allem ist der Golf das am meisten gebaute Modell weltweit, der wie der Käfer und der Bully das Image der Wolfsburger geprägt hat. Seit dem Verkaufsstart vor 45 Jahren wurde das Fahrzeug mehr als 35 Millionen Mal an die Kunden ausgeliefert.

    Der Golf ist eine Ikone, die in vielerlei Varianten daherkommt: vom aufgebockten Rentnergefährt bis zum tiefergelegten Rennwagen kann der kantige Wagen jeden Geschmack bedienen. Oder wie VW-Chef Diess sagt: „Er ist klassenlos, passt vor das Opernhaus genauso wie vor das Vereinsheim.“ Der Golf ist vielseitig, sogar als Elektroversion hat VW ihn auf den Markt gebracht.

    Die Zukunft trägt den Namen ID.3

    Das Gespann Diess und Brandstätter mag die Vorteile des Golf 8 beschwören. Eine Bestandsgarantie in alle Zukunft hat das Modell nicht. Immer mehr Kunden satteln aus der Kompaktklasse auf sportliche Geländewagen (SUVs) um; die Absatzbasis für den Golf erodiert.

    Entscheidender als diese Verschiebung ist aber der Branchenwandel. Die Zukunft der Autoindustrie ist elektrisch, und die trägt bei VW den Namen ID.3. Das erste reine Elektroauto mit dem VW-Logo hatte Diess im September auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt vorgestellt.

    Der ID.3 hat eine grundsätzlich andere Fahrzeugarchitektur als der Golf und knüpft doch an dessen Erscheinungsbild an: kantig, flach und am Heck abgehackt. Der optische Sprung vom Käfer zum Golf war größer als der vom Golf zum ID.3.

    So soll die Zukunft bei VW aussehen. Quelle: Reuters
    ID.3 auf der IAA

    So soll die Zukunft bei VW aussehen.

    (Foto: Reuters)

    Revolutionär ist die Veränderung unter der Motorhaube, beim Antrieb. Die Wolfsburger wollen zwar über das Jahr 2030 hinaus Verbrenner verkaufen. Neue Motoren sollen dann aber nicht mehr entwickelt werden, wie Chefstratege Michael Jost bereits vor einem Jahr angekündigt hatte.

    Das Kapital wird in die Entwicklung der Elektromodelle umgeleitet, um im Umbruch zu bestehen. Ab dem kommenden Jahr werden in der Europäischen Union Bußgelder fällig, sollte der Verbrauch der verkauften Flotte zu hoch sein. Bis zum Jahre 2025 will VW daher jedes vierte Auto mit einem Elektroantrieb verkaufen. Auch in China und Nordamerika will und muss der Konzern seine Angebotspalette umstellen.

    Mit den „Fridays for Future“-Demonstrationen und dem steigenden Umweltbewusstsein in der Bevölkerung dürfte sich der Trend zu emissionsarmen Fahrzeugen verstärken. Vorstandschef Herbert Diess trifft da Vorsorge, indem er deutlich gemacht hat, dass er lieber mehr Elektroautos verkaufen will als bislang angekündigt.

    Blick in den Innenraum. Quelle: AFP
    Golf 8

    Blick in den Innenraum.

    (Foto: AFP)

    Gerade nach dem Skandal um gefälschte Abgaswerte, der das Unternehmen bislang 30 Milliarden Euro gekostet hat, will sich VW nicht mehr treiben lassen. Der neue Golf mit Dieselmotor hat daher einen deutlich geringeren Ausstoß von Stickoxiden als seine Vorgänger. Die Emission von Kohlendioxid sei um ein Fünftel reduziert worden, kündigte Brandstätter an.

    Der Golf 8 steht für eine Evolution der Fahrzeugtechnik. Der ID.3 verkörpert als reiner Stromer aber eine Revolution. Der Schwenk von Öl auf Strom als Antriebsmittel wird die Branche und damit Volkswagen viele Milliarden kosten. Zum einen verschlingt die Entwicklung der E-Modelle viel Geld, zudem müssen die Werke umgerüstet werden.

    Das Kapital dafür soll unter anderem mit dem Golf 8 verdient werden. Die nun in Wolfsburg vorgestellte Neuauflage des Erfolgsmodells ist damit das Brückenmodell, mit dem der Sprung in das Elektrozeitalter finanziert werden soll.

    Für die Werke bringt diese Umstellung enorme Veränderungen mit sich. Die Standorte Emden, Zwickau und Hannover rüstet VW bereits zu reinen Elektrofabriken um. Das Stammwerk in Wolfsburg bleibt bislang außen vor. Mit dem Golf wird dieser Zustand zunächst zementiert. Dessen Produktion soll in der Hauptstadt – so nennen Mitarbeiter intern Wolfsburg – gebündelt werden.

    Die Produktion des Golfs wird am Stammsitz des Konzerns gebündelt. Quelle: Photothek/Getty Images
    VW-Werk in Wolfsburg

    Die Produktion des Golfs wird am Stammsitz des Konzerns gebündelt.

    (Foto: Photothek/Getty Images)

    Jährlich will der Konzern fast eine halbe Million Golf in den historischen Hallen fertigen. Dies wäre rund die Hälfte der letztlich angepeilten Jahresproduktion für die Wolfsburger Fabrik. Wie lange die weltweit größte Autofabrik mit dem Golf ausgelastet sein wird, wird sich zeigen müssen.

    Markenchef Ralf Brandstätter jedenfalls gibt sich optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass es nach dem Golf 8 einen neuen geben wird“, erwiderte er auf die Frage, ob der neue Golf der letzte seiner Art sein wird.

    Mehr: VW-Vorstand Sommer verteidigt auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel den Wechsel vom Verbrenner zum E-Antrieb. Doch die Branche muss noch viele Probleme mit Batteriezellen lösen.

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    1 Kommentar zu "Volkswagen: Der neue Golf: Eine Ikone mit Ablaufdatum"

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    • Eine alberne Überschrift und eine unrealistische Erwartung, dass die achte Golfgeneration die letzte sein wird. Meint der Autor, dass überhaupt Bedarf besteht, mit Wolfsburg dann das vierte und größte Montagewerk von VW auf die IQ3-Plattform umzurüsten? Es wäre besser gewesen auszurechnen, was bei dem von VW angegebenen Durchschnittsverbrauch der Golf-VIII-Flotte von 4,5l/100km an Strafzahlungen an die EU erforderlich wird. Schließlich gilt ja ab 2020 die Vorgabe von 95g-CO2/km, was 3,6l-Diesel oder 4,1l Benzin entspricht. Also müssen für die erwarteten 500.000 Golf aus Wolfsburg zum Ausgleich IQ-Modelle verkauft werden, was mangels Ladesäulen und Reichweite, trotz Kaufprämien herausfordernd wird.

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