Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Volkswagen-Dieselaffäre VW-Vorständin Werner: „Einen zweiten Skandal würden wir nicht überstehen“

VW-Vorständin Hiltrud Werner sieht beim Autokonzern keine Alternative zu mehr Integrität und guter Unternehmensführung. Man habe die Dieselaffäre von Anfang an auch als Chance verstanden.
Kommentieren
Der Abgasskandal habe laut VW-Vorständin Hiltrud D. Werner wie ein Katalysator auf VW gewirkt. Quelle: dpa
Hiltrud D. Werner

Der Abgasskandal habe laut VW-Vorständin Hiltrud D. Werner wie ein Katalysator auf VW gewirkt.

(Foto: dpa)

Hannover Mit seinen konzerneigenen Programmen zu besserer Compliance und mehr Integrität will Volkswagen den Erfolg des Unternehmen garantieren. „Einen zweiten Skandal würden wir nicht überstehen“, sagte VW-Rechtsvorständin Hiltrud Werner am Montagabend auf einer Veranstaltung der Leibniz-Universität Hannover zu guter Unternehmensführung. Zugleich habe Volkswagen die Dieselaffäre von Anfang an auch als Chance verstanden. Der Abgasskandal habe wie ein Katalysator gewirkt, der den gesamten Konzern nach vorn gebracht habe.

Die VW-internen Schulungen für Compliance beschränkten sich nicht nur auf den Entwicklungsbereich, wo die Dieselmanipulationen ihren Anfang genommen hatten. „Skandale können in allen möglichen Abteilungen entstehen“, sagte Werner. Deshalb sollten alle 650.000 Mitarbeiter des Volkswagen-Konzerns diese Fortbildungen durchlaufen.

Der Start der vor vier Jahren gegründeten neuen Compliance-Abteilung sei bei Volkswagen trotzdem nicht immer einfach gewesen. „Da war eine Menge Aufklärung nötig“, betonte die Rechtsvorständin von Volkswagen. In einigen Teilen des Unternehmens habe es auch Widerstand gegeben, weil die Verantwortung für den Dieselskandal ausschließlich in der Entwicklungsabteilung gesehen worden sei. Der Konzern müsse alle Mitarbeiter erreichen.

Damit sich eine Unternehmenskultur wie bei Volkswagen dauerhaft verändere, müssten die Prozesse zu mehr Integrität und zu Compliance in den Arbeitsalltag integriert werden. „Sonst funktioniert das nicht“, betonte Werner. Die Compliance-Vorgaben dürften nicht an das Ende eines längeren Arbeitsprozesses gesetzt werden. Die Beschäftigten würden das dann als überflüssig und als Verzögerung der vorangegangenen Arbeit empfinden.

Werner nannte ein Beispiel aus der Entwicklungsabteilung: Die Zulassungsvorschriften für die jeweiligen Länder, in denen Volkswagen seine Autos verkauft, seien in den laufenden Entwicklungsprozess integriert worden. Compliance werde damit zu einem regulären Thema für übliche Arbeitsprozesse.

Vorstand und Management haben Vorbildfunktion

Die Entwicklung zu einem Konzern mit einer verbesserten Unternehmenskultur sei bei Volkswagen aber noch nicht abgeschlossen. Dazu gehöre etwa auch, dass das Unternehmen zusätzlich nach Compliance-Zielen und nicht mehr nur nach klassischen betriebswirtschaftlichen Vorgaben, den sogenannten „KPI“, gesteuert werde. Vorstand und Management hätten eine Vorbildfunktion: Sie müssten den Kulturwandel vorleben und in das gesamte Unternehmen tragen.

Kulturwandel sei zudem nicht nur ein Thema für Volkswagen, auch andere Konzerne beschäftigten sich laut Werner damit. SAP sei ein Beispiel. Dort haben die neue Co-Vorstandschefin Jennifer Morgan angekündigt, dass sie ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Unternehmenskultur legen wolle.

Für VW-Vorständin Werner steht zudem fest, dass die Begriffe Unternehmenskultur und Nachhaltigkeit mittlerweile breiter gefasst werden müssten. In der Vergangenheit sei unter Nachhaltigkeit lediglich verstanden worden, dass sich ein Unternehmen umweltgerecht verhalte. Inzwischen gehöre aber beispielsweise auch soziale Nachhaltigkeit bei den eigenen Mitarbeitern und bei den Beschäftigten der Lieferanten dazu.

Volkswagen nehme deshalb die gesamte Wertschöpfungskette der vorgelagerten Zulieferer in Augenschein. Auch die Vorprodukte müssten die Compliance-Vorgaben erfüllen. „Dadurch kann ein Unternehmen ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft sein“, sagte Werner. Es schaffe bleibende Werte. So habe sich auch Google geändert und kümmere sich inzwischen um Werkswohnungen für die eigenen Mitarbeiter.

Ethisches Verhalten zahle sich inzwischen auch in barer Münze für Unternehmen aus, weil sich dadurch die Finanzierungsbedingungen verbessert hätten, sagte Werner weiter. Unethisches Verhalten könnte hingegen die Existenz von Unternehmen gefährden.

Mehr: Hiltrud D. Werner ist eine der wenigen ostdeutschen Top-Managerinnen. Im Interview spricht sie über Aufstiegschancen, Widerstände und sonderbare Vorstellungsgespräche.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Volkswagen-Dieselaffäre - VW-Vorständin Werner: „Einen zweiten Skandal würden wir nicht überstehen“

0 Kommentare zu "Volkswagen-Dieselaffäre: VW-Vorständin Werner: „Einen zweiten Skandal würden wir nicht überstehen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.