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Volkswagen Eine Ägäisinsel wird zum Zukunftslabor für emissionsfreie Mobilität

Auf Astypalea setzen die griechische Regierung und der VW-Konzern ein Projekt zur ganzheitlichen klimaneutralen Elektromobilität um. Verbrenner sollen auf der Insel verschwinden.
02.06.2021 - 19:51 Uhr Kommentieren
Ein Elektroauto für die Zivilluftfahrthörde, die den örtlichen Flughafen betreibt. Die Verbrenner sollen von der Insel verschwinden. Quelle: Reuters
Astypalea

Ein Elektroauto für die Zivilluftfahrthörde, die den örtlichen Flughafen betreibt. Die Verbrenner sollen von der Insel verschwinden.

(Foto: Reuters)

Astypalea Touristen bewundern auf Astypalea den malerischen Hafen, weißgetünchte Würfelhäuser und eine venezianische Festung, die alles überragt. Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns, sieht etwas anderes. Für ihn ist die idyllische Ägäisinsel „ein Zukunftslabor für die Dekarbonisierung in Europa“.

In einem Pilotprojekt will VW gemeinsam mit der griechischen Regierung in den kommenden fünf Jahren Astypalea zu einer smarten, nachhaltigen Insel umbauen. „Wir erforschen hier in Echtzeit, was die Menschen zum Umstieg auf die E-Mobilität bewegt und welche Anreize es für den Übergang zu einem nachhaltigen Lebensstil braucht“, sagte Diess am Mittwochabend beim offiziellen Start des Projekts.

Etwa 1300 Menschen leben auf Astypalea. Das 96 Quadratkilometer große Eiland in der südlichen Ägäis gehört zur Dodekanes-Inselgruppe um Rhodos. Auf den Straßen von Astypalea verkehren rund 1500 Kraftfahrzeuge, davon ein Drittel Autos und zwei Drittel Zweiräder – alles Verbrenner.

Jetzt soll der gesamte Fahrzeugbestand der Insel durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden. Zugleich entsteht ein flächendeckendes Netzwerk aus privaten und öffentlichen Ladestationen. Betrieben werden die Fahrzeuge mit Ökostrom aus Solarkraftwerken und Windturbinen.

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    Heute bezieht die Insel ihre Elektrizität noch aus vier Diesel-Generatoren. Sie produzieren nicht nur Strom, sondern auch fast 5000 Tonnen CO2 pro Jahr. Ziel des Projekts ist es, die CO2-Emissionen der Insel bis 2026 um 80 Prozent und die Energiekosten um 30 Prozent zu senken.

    Im vergangenen November unterschrieben die griechische Regierung und Volkswagen ein Memorandum of Understanding über die Umsetzung des Projekts. Am Mittwoch gaben Regierungschef Kyriakos Mitsotakis und VW-Chef Diess auf Astypalea vor einem Postkarten-Panorama das offizielle Startsignal.

    Premierminister Kyriakos Mitsotakis stellt das Projekt mit VW-Chef Herbert Diess vor. Quelle: Reuters
    Volkswagen ID.4

    Premierminister Kyriakos Mitsotakis stellt das Projekt mit VW-Chef Herbert Diess vor.

    (Foto: Reuters)

    Mitsotakis lobte die „einzigartige Partnerschaft mit Volkswagen, einem der weltweit dynamischsten und innovativsten Automobilhersteller“. Astypalea sei ein „Prüfstand für die grüne Energiewende: energie-autark und von der Natur angetrieben“.

    Mitsotakis erinnerte in seiner Rede daran, dass Astypalea als die Schmetterlingsinsel bekannt ist. Ihr Umriss, wie er auf Satellitenaufnahmen und Landkarten zu sehen ist, gleicht einem Falter. Der Schmetterling, das sei ein gutes Bild für die Verwundbarkeit des vom Klimawandel bedrohten Planeten. „Wir haben keine Zeit, wir müssen schnell handeln“, mahnte der Premier.

    Das Projekt gehört zu Griechenlands nationalem Aufbau- und Resilenzprogramm „Greece 2.0“, mit dem das Land nach der Pandemie die Weichen zur Klimaneutralität und Digitalisierung stellen will. Erst vor wenigen Wochen hatte der Premier angekündigt, dass Griechenland den Ausstieg aus der Kohleverstromung von 2028 auf 2025 vorziehen wird. „Was wir in Astypalea umsetzen, weist den Weg in eine Welt, die grüner, sauberer und nachhaltiger ist“, sagte Mitsotakis.

    Wissenschaftler der University Strathclyde in Schottland und der griechischen Universität der Ägäis flankieren das Astypalea-Projekt mit einer Begleitstudie. Sie soll vor allem die Reaktionen der örtlichen Bevölkerung dokumentieren, aber auch der etwa 70.000 Touristen, die im Sommer nach Astypalea kommen.

    „Energiesystem und die Mobilitätsangebote vollständig umstellen“

    Auf griechischer Seite koordiniert der für die Wirtschaftsdiplomatie zuständige Vize-Außenminister Costas Fragkogiannis das Projekt. Die Wahl fiel auf Astypalea, sagt Fragkogiannis, weil wir „auf dieser überschaubaren Insel das Energiesystem und die Mobilitätsangebote vollständig umstellen und gut beobachten können, wie das Projekt die Gemeinschaft verändert“.

    Große Insel wie Kreta oder Rhodos kämen dafür aus Kostengründen nicht in Frage, sehr kleine Inseln ebenfalls nicht, weil das Ergebnis nicht repräsentativ wäre. „Astypalea hat mit seinen 1300 Einwohnern die richtige Größe, das Straßennetz reicht aus, um E-Fahrzeuge und Mobilitätsdienste zu testen.“

    VW-Chef Diess übergab am Mittwoch die ersten vier Elektro-Fahrzeuge der Typen ID.3 und ID.4. Sie werden bei örtlichen Behörden wie der Polizei, der Gemeindeverwaltung und der Hafenpolizei eingesetzt.

    Mit einem ID.4 fuhr auch Premier Mitsotakis über die Insel, die aus diesem Anlass zum ersten Mal den Besuch eines Ministerpräsidenten erlebte, wie Bürgermeister Nikos Komineas dankbar feststellte. Der Verkauf von VW-Elektroautos an private Halter startet Ende Juni. Die ersten zwölf Ladesäulen stehen bereits.

    Betrieben werden die Fahrzeuge mit Ökostrom aus Solarkraftwerken und Windturbinen. Quelle: AFP
    Ladesäule

    Betrieben werden die Fahrzeuge mit Ökostrom aus Solarkraftwerken und Windturbinen.

    (Foto: AFP)

    Der Staat fördert den Umstieg mit großzügigen Anreizen: Der Kauf von Elektroautos wird auf Astypalea mit 40 Prozent und bis zu 12.000 Euro bezuschusst, E-Taxis mit 15.000 Euro. Das ist das Doppelte dessen, was es in Griechenland generell an Förderung für E-Mobile gibt.

    Die vier griechischen Geschäftsbanken finanzieren den verbleibenden Kaufpreis. Außerdem bekommen die Einwohner von Astypalea, die ihren Verbrenner aus dem Verkehr ziehen, 3000 Euro Abwrackprämie, Taxibesitzer sogar 4500 Euro.

    Car Sharing und Ride Sharing-Dienste als drittes Element

    Das smarte Mobilitätskonzept für Astypalea steht auf vier Säulen. Neben dem Austausch der Verbrenner gegen Elektrofahrzeuge und der Umstellung der örtlichen Stromversorgung auf erneuerbare Energiequellen gehören dazu als drittes Element Car Sharing und Ride Sharing-Dienste, die den öffentlichen Nahverkehr auf der Insel modernisieren sollen.

    So sollen die beiden betagten Linienbusse, die bisher nur wenige Gegenden der Insel ansteuern, durch elektrische Shuttlebusse ersetzt werden, die 24 Stunden am Tag nach Bedarf alle Orte anfahren. Das geplante intelligente Car Sharing-System für Autos und Zweiräder soll Ressourcen schonen und dafür sorgen, dass die Fahrzeuge möglichst effizient genutzt werden.

    Die Planer hoffen damit die Flotte von jetzt 1500 Fahrzeugen auf unter 1000 reduzieren zu können. Die vierte Säule des Projekts sind Feldversuche zum autonomen Fahren. Dazu muss allerdings erst einmal das 70 Kilometer lange Straßennetz der Insel saniert werden.

    Bei Volkswagen ist Maik Stephan als Leiter der Konzern-Geschäftsfeldentwicklung für das Projekt zuständig. „Auf Astypalea möchten wir zeigen und erproben, wie vernetzte, klimafreundliche und elektrifizierte Mobilität schon heute funktioniert“, so Stephan. „Wir möchten erfahren, wie die Lösungen ankommen, aber auch Schwierigkeiten und Hürden erkennen.“

    Die Zusammenarbeit mit der griechischen Regierung sei „unglaublich gut“, lobt der VW-Manager. Beteiligt sind fünf Ministerien, Regionalbehörden und die Kommune. „Wir arbeiten Hand in Hand, die Kooperation ist so professionell und konstruktiv, wie ich das mit anderen Regierungen überhaupt noch nicht erlebt habe“, sagt Stephan.

    Es soll nicht bei Astypalea bleiben. Als nächste „grüne und smarte Insel“ ist Chalki ausersehen. Das 37 Quadratkilometer große Eiland liegt westlich von Rhodos und hat etwa 500 ständige Einwohner. Hier will die Regierung in Zusammenarbeit mit der französischen Automobilmarke Citroen, dem Baukonzern Vinci und dem auf klimaneutrale Energieerzeugung spezialisierten Unternehmen Akuo Greece ein ähnliches Pilotprojekt umsetzen. Die Vereinbarung könnte noch im Juni unterzeichnet werden.

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