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Volkswagen Eisige Stimmung am Verhandlungstisch: Die Causa Diess schwelt bei VW weiter

Der VW-Chef findet im Aufsichtsrat keine Mehrheit für eine vorzeitige Vertragsverlängerung. Der Konflikt mit den Betriebsräten droht das Unternehmen zu lähmen.
01.12.2020 Update: 02.12.2020 - 11:53 Uhr 3 Kommentare
Das Präsidium des Volkswagen-Aufsichtsrats verhandelte am Dienstagabend über die Zukunft von Konzernchef Herbert Diess. Quelle: dpa
VW-Chef Diess verlangt Zugeständnisse vom Aufsichtsrat

Das Präsidium des Volkswagen-Aufsichtsrats verhandelte am Dienstagabend über die Zukunft von Konzernchef Herbert Diess.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, Frankfurt Ein wieder aufgeflammter Machtkampf zwischen Konzernchef Herbert Diess und dem Betriebsrat unter dessen Vorsitzendem Bernd Osterloh hält den Volkswagen-Konzern seit Tagen in Atem. Als Vertrauensbeweis des Aufsichtsrats hatte Diess deshalb in den vergangenen Tagen auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung gedrängt, hieß es zuletzt in Kreisen des Konzerns. Der Vorstandschef möchte auch die Führungspositionen im Finanz- sowie im Einkaufsressort mit seinen Favoriten besetzen.

Eine Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums in Wolfsburg am Dienstagabend brachte keine Lösung in dem Konflikt. Diess bleibt zunächst Vorstandsvorsitzender, wie aus Konzernkreisen verlautete. Über seine Vertragsverlängerung und die Besetzung verschiedener freier Posten im Konzernvorstand seien keine Beschlüsse gefasst worden.

Vor dem Treffen hieß es im Konzern, dass auch ein Rücktritt von Diess möglich sei, falls die Forderungen des Konzernchefs nicht erfüllt würden. Der Vorstandsvorsitzende hatte der Arbeitnehmerseite schon in der Vergangenheit wiederholt vorgehalten, dass sie eine Blockadepolitik betreibe und wichtige Veränderungen bei Volkswagen verhindere.

Auf dem Treffen des Präsidiums hatte Diess seine Sicht der aktuellen Situation dargelegt. Zuvor hatte das Topgremium des Aufsichtsrats die Sitzung ohne den Vorstandsvorsitzenden begonnen. Die Besprechung des Spitzengremiums dauerte insgesamt drei Stunden. Trotz der Corona-Pandemie war das Präsidium zu einem Präsenztreffen in Wolfsburg zusammengekommen. Die Präsidiumsmitglieder hatten die direkte Aussprache einer Digitalkonferenz vorgezogen.

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    Aus Aufsichtsratskreisen verlautete am Mittwochmorgen, dass die Stimmung am Verhandlungstisch eisig gewesen sei. Die vorangegangene Diskussion in der Öffentlichkeit um eine mögliche Vertragsverlängerung für Diess habe die Gesprächsatmosphäre belastet. „So kann es nicht weitergehen“, hieß es. Die Aufsichtsräte wollten sich nun eine Meinung bilden, wie eine weitere Zusammenarbeit aussehen könne.

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    Für alle Beteiligten blieb ungeklärt, was Diess und sein Umfeld dazu angetrieben hatte, auf eine Vertragsverlängerung zu dringen. „Warum tritt er zu dieser Zeit eine solche Debatte los?“, verlautete aus Kreisen des Aufsichtsrats. Das sei völlig unnötig, da niemand ein Interesse an einer Ablösung des VW-Konzernchefs habe. Zudem habe der Aufsichtsrat im November mehr als 70 Milliarden Euro für die Transformation des Konzerns einhellig gebilligt und damit die von Diess gestartete Neuausrichtung mit Digitalisierung und Elektrifizierung nachhaltig unterstützt.

    Die Vertragsverlängerung sei im Präsidium überhaupt kein Thema gewesen. Schon vor dem Treffen hatten die wichtigsten Anteilseigner signalisiert, dass sie keine Notwendigkeit für eine Vertragsverlängerung sehen. Mit der bestehenden Vertragslaufzeit bis zum Frühjahr 2023 besitze Diess noch ausreichend Gestaltungsspielraum.

    Die Familien stehen hinter Diess

    Das Präsidium besteht aus acht Mitgliedern und ist paritätisch besetzt. Auf der Kapitalseite sind das der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch, die Familienvertreter Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch sowie der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Für die Arbeitnehmerseite sind unter anderem Betriebsratschef Osterloh und der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann im Präsidium vertreten.

    Schon im Vorfeld des Treffens hatte sich abgezeichnet, dass Diess zunächst Vorstandschef von Volkswagen bleibt. Alle wichtigen Gruppen aus dem Aufsichtsrat hatten angedeutet, dass sie sich eine weitere Zusammenarbeit mit Diess trotz der aktuellen Diskussionen vorstellen könnten. Auch Betriebsratschef Osterloh hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, dass er weiter mit Diess zusammenarbeiten wolle.

    Aufseiten der Familie Porsche-Piëch gilt Familiensprecher Wolfgang Porsche als derjenige, der Diess auf jeden Fall im Konzern halten möchte. Die Familie sieht Diess als Garanten dafür, dass die eingeleitete Transformation des Unternehmens mit Elektrifizierung und Digitalisierung konsequent fortgesetzt wird.

    Das Treffen des Präsidiums diente auch der Vorbereitung der letzten Aufsichtsratssitzung des laufenden Jahres in der kommenden Woche. Es gilt im Konzern als wahrscheinlich, dass der 20-köpfige Aufsichtsrat dort ebenfalls keine wesentlichen Beschlüsse treffen wird. Konzernchef Diess werde auch nächste Woche vom Aufsichtsrat keine Vertragsverlängerung bewilligt. Genauso wenig sei an eine schnelle Besetzung der beiden Vorstandspositionen zu denken. Dafür sei auch noch bis zum Frühjahr Zeit, hieß es am Dienstag in Unternehmenskreisen.

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    Über einzelne Personen könne auch deshalb noch nicht gesprochen werden, weil der künftige Zuschnitt der jeweiligen Vorstandsressorts überhaupt nicht geklärt sei. Erst wenn es eine klare Struktur gebe, könne auch über Kandidaten gesprochen werden. Diess hingegen wolle gleich zu Anfang über Personen sprechen.

    So gibt es in Wolfsburg beispielsweise die Überlegung, im Konzernvorstand ein neues IT-Ressort einzurichten. Bislang wird die IT noch von Finanzvorstand Frank Witter mitverantwortet. Offen ist auch der Zuschnitt im Einkauf, wo Volkswagen das Geschäft mit seinen vielen Zulieferern gebündelt hat. Bislang gehört zu diesem Ressort auch der konzerneigene Komponentenbereich, der wie ein externer Zulieferer Teile für die Automobilproduktion liefert. Der Komponentenbereich von Volkswagen könnte zu einem eigenständigen Vorstandsressort aufgewertet werden.

    Im Gegenzug könnte das Vorstandsressort für Integrität und Recht aufgelöst werden. Im Konzern gibt es Stimmen, die dieses Ressort für verzichtbar halten, weil der Konzern das US-Monitorship im September erfolgreich beendet hat. Nach der Dieselaffäre musste sich Volkswagen drei Jahre lang von einem US-Monitor kontrollieren lassen.

    Der Vertrag von Rechtsvorständin Hiltrud Werner hat noch eine Restlaufzeit bis Anfang 2022. Über die Verlängerung ihres Vertrags müsste deshalb Anfang 2021 entschieden werden.

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    Der aktuelle Vertrag von Konzernchef Diess läuft noch bis zum Frühjahr 2023. Würde der Kontrakt jetzt kurzfristig auf insgesamt fünf Jahre aufgestockt, wäre Diess bis Ende 2025 Vorstandsvorsitzender in Wolfsburg. Er wäre dann 67 Jahre alt. Eigentlich sollen VW-Vorstände maximal bis zum 65. Lebensjahr für den Konzern arbeiten.

    Zum Handelsstart an der Frankfurter Börse gehörte das VW-Papier zu den klaren Verlierern im Aktienindex Dax. Am Morgen notierte die Aktie mit einem Minus von etwa zwei Prozent. Unter Investoren machte sich zunächst Enttäuschung darüber breit, dass das Aufsichtsratspräsidium Konzernchef Diess nicht mit einer Vertragsverlängerung den Rücken gestärkt hatte.

    „Das ist die negativste aller möglichen Lösungen“, schrieb Daniel Schwarz, Automobilanalyst bei der Stifel Europe Bank. Damit setze sich die Unsicherheit fort, ob Herbert Diess dauerhaft Vorstandschef von Volkswagen bleiben werde. Die Person Diess werde dadurch geschwächt, und das belaste den Aktienkurs.

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    3 Kommentare zu "Volkswagen: Eisige Stimmung am Verhandlungstisch: Die Causa Diess schwelt bei VW weiter "

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    • Nun der Buchhalter hat fertig- was sonst? Die E-Auto -Strategie mag ja Berliner -Vollpfosten Verein konform sein aber wird nicht funktionieren. Auch der Herr Musk wird schnell seine Grenzen finden- wie schon ein paar Mal. Es kann nicht sein dass nur heiße Luft und ein paar Langstrecken untaugliche AutoScooter mehr Wert sind als die gesamte deutsche Autoindustrie. Wieder eine Blase und ein großer Windmacher. Gnade Gott seinen Jüngern.

    • @Herr Thomas Kranz:
      Natürlich gibt es eine Alternative zu Diess: Musk, er könnte jederzeit VW kaufen und die ideologische e-Auto Strategie der EU jederzeit umsetzen. Besser noch: Er kauft die alle europäische Autohersteller, das würde enorme Synergieeffekte heben und die (Arbeits-) Kosten senken.

    • Gibt es denn Alternativen zu Diess? Wenn ja, welchen Fokus hätten denn diese Kandidaten. Zu Diess bin ich sehr zweigespalten, aber was er derzeit in Richtung Digitalisierung und E-Mobilität ausruft hat alles Hand und Fuß und ich würde es begrüßen, wenn dieses Ziel weiter verfolgt würde.

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