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Volkswagen fällt zurück Der Golf ist plötzlich nicht mehr die Nummer eins in Europa

Der Golf von Volkswagen ist schon seit Jahrzehnten das meistverkaufte Auto in Europa. Doch hat sich im Februar die Rangfolge plötzlich gedreht.
27.03.2020 - 10:08 Uhr Kommentieren
Der neue VW Golf 8 bei seiner Weltpremiere im vergangenen Oktober. Der Verkauf ist nur stockend angelaufen. Quelle: dpa
Ein Golf bereitet Probleme

Der neue VW Golf 8 bei seiner Weltpremiere im vergangenen Oktober. Der Verkauf ist nur stockend angelaufen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Golf von Volkswagen ist das erfolgreichste Auto in Europa. Kein anderes Fahrzeug wird ähnlich oft verkauft, kein anderes Modell reicht an den Marktführer aus Wolfsburg heran. Das gilt schon seit Jahrzehnten als ein Faktum in der Autobranche. Mit der Golf-Klasse hat Volkswagen sogar ein eigenes Segment in der Autowelt geschaffen.

Doch das vermeintlich eiserne Golf-Gesetz vom unantastbaren Spitzenreiter gilt plötzlich nicht mehr. Im Februar ist nicht mehr das Top-Modell von Volkswagen das meistverkaufte Auto in Europa gewesen, sondern der Kleinwagen Clio vom französischen Konkurrenten Renault.

In den kommenden Wochen wird der Golf kaum Boden gutmachen können. Wegen der Coronakrise ruht überall die Produktion. Der Februar wird für längere Zeit der letzte vergleichsweise normale Verkaufsmonat gewesen sein.

Genau 24.914 in Europa neu zugelassene Renault Clio hat das Londoner Analysehaus Jato Dynamics für den Februar gezählt. Der Golf aus Wolfsburg musste sich knapp geschlagen geben: 24.735 Autos reichen dann eben nur noch für den zweiten Platz.

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    Für Volkswagen ist die Silbermedaille auf dem europäischen Automarkt etwas sehr Ungewöhnliches. Denn eigentlich liegt der Golf immer auf dem ersten Platz. VW ist dieser Lapsus schon einmal passiert: Im März 2017 musste sich der Golf zuletzt mit dem zweiten Platz begnügen.

    Dass der VW Golf an Boden gegenüber dem kleineren Clio verloren hat, geht auf einen entscheidenden Grund zurück: Der Golf leidet unter seinem eigenen Modellwechsel. Seit Dezember wird der Golf der achten Generation von den Volkswagen-Händlern verkauft – doch sie bekommen weniger Neuwagen als eigentlich geplant. Vor allem die deutschen VW-Handelsbetriebe waren zum Verkaufsstart nicht ausreichend mit den neuen Golf-Fahrzeugen ausgestattet. Deutschland ist extrem wichtig für den Verkauf des Golf.

    Auf einem Händlerkongress im Januar leistete VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann Abbitte. „Ich habe mich bei den Händlern entschuldigt“, sagte der Volkswagen-Manager damals in Wolfsburg und gelobte Besserung. Die Produktionszahlen sind danach zwar weiter gestiegen. Doch im Februar hat es für Volkswagen trotzdem nicht mehr gereicht, bei den europäischen Verkaufszahlen den ersten Platz in Europa zu verteidigen.

    „Wir haben uns beim neuen Golf für eine stufenweise Markteinführung entschieden. In den kommenden Monaten spielen wir die ganze Golf-Familie aus: Vom GTE und GTD über den GTI bis zum Golf Variant. In Vergleichstests lässt der Golf der achten Generation auch Premium-Wettbewerber souverän hinter sich“, sagte eine Konzernsprecherin dazu.

    Schuldfrage für den Betriebsratschef schnell geklärt

    Erst Mitte dieses Monats hatte sich VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh beim eigenen Vorstand über einen schleppenden Produktionsanlauf beim neuen Golf beschwert. Statt der angekündigten 100.000 Exemplare des Golf in der achten Generation seien im vergangenen Jahr nicht einmal 8500 Stück im Stammwerk Wolfsburg produziert worden, wetterte Osterloh vor zwei Wochen.

    Die Schuldfrage war für den Betriebsratschef schnell geklärt. Die Beschäftigten seien für die Verzögerungen jedenfalls nicht verantwortlich. „Hier wollen übereifrige Vorstände zu schnell zu viel Technik in ein Auto stopfen – und sind damit gescheitert“, schimpfte Osterloh. Ein wichtiger Basismotor werde noch nicht angeboten, auch andere Ausstattungsvarianten fehlten.

    Probleme hat Volkswagen besonders mit der neuen Software des Golf 8. Die meisten Autos wandeln sich immer stärker zu einem „Smartphone auf vier Rädern“, was der Wolfsburger Autokonzern auch beim neuen Golf umzusetzen versucht. Doch die Arbeiten gehen nicht wie gewünscht voran.

    Im Extremfall musste die Software bis zu 160 Mal bei einzelnen Fahrzeugen erneut aufgespielt werden, so die Darstellung aus Betriebsratskreisen. In der Regel liefen in Wolfsburg mehr als 70 Prozent der Autos ohne weitere Verzögerung vom Band. Beim Golf 8 liege die Quote hingegen bei 30 Prozent.

    Konzernchef Herbert Diess wies die Kritik des Betriebsrates umgehend zurück. „Nach den Qualitätskennzahlen, die wir von Kunden und Händlern während jedes Anlaufs sehr genau beobachten, ist der Golf-Anlauf bisher einer der besten, die wir je hatten“, betonte Diess. Er gratuliere deshalb der technischen Entwicklung des Konzerns und der Produktionsmannschaft im Werk Wolfsburg und bedanke sich für den Einsatz.

    Die Software-Probleme im VW-Konzern erstrecken sich jedoch nicht nur auf den Golf 8. Schwierigkeiten macht auch der ID.3, das erste Auto aus der neuen Elektrogeneration von Volkswagen. Im Sommer will VW trotzdem mehr als 30.000 Exemplare an die ersten Kunden ausliefern, auch wenn die Software für das neue Auto noch immer nicht fertig ist. Die Fahrzeuge werden zwar schon jetzt produziert – aber eben ohne Software. Sie soll, sobald sie fertig ist, in den kommenden Wochen nachträglich auf die eigentlich schon fertig produzierten ID.3-Exemplare aufgespielt werden.

    Volkswagen hält auch trotz der Coronakrise und dem damit verbundenen Produktionsstopp in seinen Werken an dieser Planung fest. Die Kurzarbeit betrifft nur die Mitarbeiter in der Fertigung. In der technischen Entwicklung, wo die Software für den ID.3 entsteht, könne unverändert weitergearbeitet werden, versicherte Konzernchef Diess in der vergangenen Woche auf der Bilanzpressekonferenz von Volkswagen. Ende Mai soll die Software für das neue Elektroauto endgültig fertig sein, heißt es dazu in Wolfsburg.

    Mehr: Autoindustrie stellt sich auf Produktionsstopp bis Ostern ein.

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