Volkswagen Geschäfte in Europa und China lassen US-Einbußen vergessen

Die Quartalszahlen von VW belegen den guten Start ins neue Jahr. Die Verkäufe entwickeln sich ordentlich, zugleich verliert die Dieselaffäre ihren Schrecken. Der renditeschwachen Marke VW hilft eine neue Bilanzierung.
Update: 03.05.2017 - 09:53 Uhr Kommentieren
Ein VW Tiguan wird in einem Autohaus in Leipzig mit Rabatt angeboten. Nachlässe und andere Verkaufshilfen gehören zum Standard in der Autobranche. Quelle: dpa
Rabatt auf Autos von Volkswagen

Ein VW Tiguan wird in einem Autohaus in Leipzig mit Rabatt angeboten. Nachlässe und andere Verkaufshilfen gehören zum Standard in der Autobranche.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Volkswagen-Konzern ist besser als erwartet in das neue Jahr gestartet. Insbesondere in Europa und China laufen die Geschäfte ordentlich – die Einbußen in den USA lassen sich damit mehr als ausgleichen. Der Umsatz ist im ersten Quartal 2017 um 10,3 Prozent auf 56,2 Milliarden Euro gestiegen. Der operative Gewinn von 4,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 3,4) bescherte dem Wolfsburger Konzern eine operative Rendite von 7,8 Prozent, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 6,1 Prozent. Sonderlasten wie etwa aus der Dieselaffäre sind bei diesem Vergleich nicht mit einbezogen. Vor Steuern erzielte der Volkswagen-Konzern ein Ergebnis von 4,6 (3,2) Milliarden Euro, die Vorsteuerrendite stieg von 6,3 auf 8,2 Prozent. Nach Steuern betrug der Konzerngewinn in den ersten drei Monaten 3,4 (2,4) Milliarden Euro.

Vor allem die Kernmarke von Volkswagen hat bei Europas größtem Autokonzern am Jahresbeginn zu dem hohen operativen Ergebnis geführt. Die renditeschwache Kernmarke schaffte es im ersten Quartal auf ein operatives Ergebnis von knapp 0,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 73 Millionen Euro). Die operative Rendite der Marke lag im ersten Quartal bei mehr als 4,5 Prozent.

„Die gute Entwicklung der Konzernmarken, die Einführung neuer, überzeugender Produkte und ein solides Ergebnisniveau in Westeuropa haben sich positiv auf unsere Quartalszahlen ausgewirkt“, kommentierte Vorstandschef Matthias Müller das Zwischenergebnis. „Darüber hinaus macht sich bezahlt, dass wir überall im Unternehmen an mehr Effizienz und Produktivität arbeiten“, so Müller weiter. Die vorgelegten Ergebnisse machten Mut, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

Gründe für das Plus bei der Kernmarke seien erfolgreiche Markteinführungen wie der neue VW Tiguan. Auch die übrigen Marken des Konzerns hätten zu der guten Entwicklung beigetragen. Mit 1,2 (Vorjahr: 1,3) Milliarden Euro lag das operative Ergebnis von Audi fast auf dem Niveau des Vorjahres. Das Audi-Ergebnis überrascht, weil die Ingolstädter Premiumtochter massive Probleme auf dem wichtigen chinesischen Markt hat. Wegen eines Streits mit den Händlern sind die Verkaufszahlen dort im ersten Quartal eingebrochen. In den ersten drei Monaten konnte Škoda an die gute Entwicklung des Vorjahres anknüpfen. Das operative Ergebnis stieg um 31,8 Prozent auf 415 Millionen Euro, die Rendite liegt jetzt bei 9,6 Prozent. Skoda schlägt damit die eigentlich ertragsstärkere Schwester Audi, die nur auf 8,7 Prozent kommt. Die Umsätze von Porsche lagen wie im Vorjahr bei fünf Milliarden Euro. Das operative Ergebnis von Porsche ist auf auf 932 (Vorjahr: 855) Millionen Euro angestiegen. Die operative Rendite liegt damit bei 18,5 Prozent – mehr als im gesamten vergangenen Jahr, als es 17,4 Prozent waren. Auch die spanische Tochter Seat, die dem Konzern über viele Jahre nur Verluste beschert hatte, verdient wieder Geld. Das operative Ergebnis liegt bei 56 Millionen Euro, die Rendite beträgt damit 2,3 Prozent.

Die Probleme von Audi sind in erster Linie dafür verantwortlich, dass die Absatzzahlen des gesamten Konzern im ersten Quartal leicht zurückgegangenen sind. 2,495 Millionen verkaufte Fahrzeuge bedeuten im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 0,5 Prozent. Audi hofft, dass die Probleme in China bald gelöst werden könnten – und dass die Verkaufszahlen dort bald wieder das gewohnte Niveau erreichen werden.

Das sind die Bestseller von VW
Platz 10: VW Up - 158.795 verkaufte Fahrzeuge
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Trotz gesunkener Verkaufszahlen reicht es noch für Platz zehn: Der Kleinstwagen von VW überzeugt mit pfiffigen Lösungen auf engstem Raum. Agilität in der City und geringe Kosten, damit kann der Zweitürer ebenso punkten.

Quelle: VW Konzernbericht 2017

Platz 9: VW Gol – 203.148 verkaufte Fahrzeuge
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Der Kleinwagen wird speziell für den lateinamerikanischen Markt gebaut und ist dort eines der erfolgreichsten Autos überhaupt. 2017 konnte Volkswagen den Absatz deutlich steigern.

Platz 8: VW Santana - 293.313 verkaufte Fahrzeuge
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Auch die dritte Generation ist ein echter Verkaufserfolg. In Deutschland führte das damals noch sehr kantige Modell eher ein Langweiler-Schattendasein, machte aber international Karriere: 2013 wurde ein komplett neu entwickelter Santana speziell für den chinesischen Markt vorgestellt.

Platz 7: VW Bora - 334.900 verkaufte Fahrzeuge
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Dass der Name der fünftürigen Limousine zwischen Golf- und Passat-Größe überhaupt noch geführt wird, ist der Bedeutung des chinesischen Automarktes zu verdanken, der für die Wolfsburger so unglaublich wichtig geworden ist. Und egal was man von der Formgebung in Europa hält: Chinesen lieben nun mal klassische Limousinen.

Platz 6: VW Lavida - 507.574 verkaufte Fahrzeuge
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Und noch eine Limousine, wobei diese untere Mittelklasse sogar in China entwickelt wurde. Den hierzulande unbekannten Lavida bietet VW seit zwei Jahren auf dem größten Wachstumsmarkt an. Mit Erfolg.

Platz 5: VW Passat/Magotan - 660.996 verkaufte Fahrzeuge
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Platz, Qualität und High-Tech überzeugen viele Käufer. Die geräumige untere Mittelklasse ist in Deutschland vor allem als Kombi für Dienstwagen-Fuhrparks gefragt, der Rest der Welt findet die Limousine interessanter. Den Absatz des Bestsellers, den es schon seit mehr als 40 Jahren gibt, ging im Vergleich zum Vorjahr etwas zurück.

Platz 4: VW Polo – 755.506 verkaufte Fahrzeuge
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Egal welche Generation - der deutsche Kleinwagen-Klassiker dominiert die Neuzulassungsstatistiken oft Monat für Monat in Folge. 2017 präsentierte VW-Markenvorstand Herbert Diess die neueste Variante des Polo.

Die Kernmarke ist wegen ihrer Ertragsschwäche der große Problemfall des VW-Konzerns, der zuletzt von den ertragsstärkeren Töchtern wie Porsche und Audi profitierte. Im gesamten Jahr 2017 rechnet Volkswagen weiter mit einer operativen Rendite zwischen 6,0 und 7,0 Prozent. Konzernchef Matthias Müller erwartet für 2017 konzernweit ein Umsatzplus von bis zu vier Prozent.

2016 war die Volkswagen-Kernmarke beim Gewinn noch abgerutscht. Die Autos mit dem VW-Logo warfen ein geringeres Ergebnis im laufenden Geschäft ab – selbst ohne Betrachtung von Faktoren wie der Abgas-Affäre ging das Betriebsergebnis der Kernmarke um Golf, Passat und Tiguan 2016 um 11,1 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz fiel um 0,6 Prozent auf 105,7 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr lag die operative Umsatzrendite der Marke Volkswagen gerade einmal bei 1,8 Prozent. Bei Volkswagen dürfte jetzt zudem auch immer stärker das neue Sparprogramm greifen. Im vergangenen Jahr hatte die Marke bei den Fixkosten immerhin schon Einsparungen von rund 800 Millionen Euro erreicht.

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