Volkswagen Katar schickt Militärexperten in VW-Aufsichtsrat

Das Stühlerücken im Aufsichtsrat von Volkswagen geht weiter. Auch Großaktionär Katar nimmt eine Neubesetzung vor. Das Emirat will einen als Militärexperten bekannten Scheich zum Aufseher des Autobauers machen.
Update: 27.04.2015 - 12:17 Uhr 1 Kommentar
Der Aufsichtsrat des Autokonzerns wird neu besetzt. Quelle: dpa

Der Aufsichtsrat des Autokonzerns wird neu besetzt.

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Wolfsburg/KatarVolkswagen-Großaktionär Katar plant eine personelle Neubesetzung für eines seiner zwei Aufsichtsratsmandate. Das Emirat, das 17 Prozent der Stimmrechte an Europas größtem Autobauer hält, will den Militärwissenschaftler und Luftwaffenpiloten Sheikh Abdullah Bin Mohammed Bin Saud Al-Thani ins Kontrollgremium der Wolfsburger entsenden. Das geht aus den jüngsten Unterlagen für die am 5. Mai geplante Hauptversammlung hervor.

Der 55-Jährige, der nach seiner umfangreichen militärischen Ausbildung in den Staatsdienst des Emirats eintrat, soll den bisherigen Aufsichtsrat Ahmad Al-Sayed ersetzen. Dieser hatte seine Kontrolleursfunktion erst 2013 begonnen und würde sie damit nun vorzeitig beenden, wie ein Konzernsprecher am Montag bestätigte.

Weiterhin offen ist, wie es an der Spitze des Gremiums weitergeht. Am Samstag hatte VW-Patriarch Ferdinand Piëch den Vorsitz des Aufsichtsrats abgeben. Der frühere IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber übernimmt nun kommissarisch den Vorsitz. Auch Piëchs Ehefrau Ursula gibt ihr Mandat ab.

Als gesetzter Piëch-Nachfolger galt bisher Martin Winterkorn. Er kennt den Konzern seit Jahrzehnten und war eine unangreifbare Autorität bei VW. Bis sein beruflicher Ziehvater Piëch ihn fallen ließ und der Vorstandschef vor dem Aus stand. Der 67-Jährige gilt mehr als Qualitätsfanatiker, denn als Visionär. „Die Stärke von Winterkorn ist es, auch die letzte Schraube an der Sitzverstellung zu optimieren – und nicht die Strategie des Unternehmens“, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Setzt Winterkorn trotzdem zum rasanten Durchmarsch an die Spitze des Aufsichtsrats an? Die Rückendeckung der mächtigsten Aufseher hat er als Konzernchef bereits schriftlich. Außerdem könnte ein Sprung in den Aufsichtsrat ihn davor bewahren, zum Vorstandschef mit beschnittenen Kompetenzen zu werden.

Die Politik blickt mit Sorgen auf die Zukunft von Volkswagen. Unionsfraktions-Vize Michael Fuchs warnte vor einer längeren Phase der Unsicherheit. „Eine Hängepartie in der Führung kann sich VW nicht leisten“, sagte Fuchs der „Rheinischen Post“ (Montagausgabe). „Der Konzern braucht so schnell wie möglich einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden“, sagte der CDU-Wirtschaftspolitiker. „Das Wichtigste ist jetzt, dass jetzt das Gerede von einer Krise bei Volkswagen aufhört“, sagte der frühere Chef der Grünen-Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Das Hauptproblem, vor dem Volkswagen jetzt steht, ist kein personelles.“

Piëchs Top- und Flop-Modelle
Porsche Typ 356 2 (Gmünd) Coupé 1948
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Im Wagen: Ferry Porsche; Kinder v.l.n.r.: Ferdinand Piëch, Sohn von Ghislaine Kaes (nicht sicher, ob Edwin oder Phillipp), und Michel Piëch. Über den gelernten Maschinenbau-Ingenieur und Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche hört man oft, er habe „Benzin im Blut“. Die Leidenschaft des Autonarren und Technikfreaks erschöpfte sich indes nicht nur in Fantasien. Piëch bewies immer wieder Stehvermögen, konnte seine Ideen trotz Gegenwinds langfristig durchboxen und den Spieß gegenüber Gegnern und Kritikern umdrehen ...

Benzin im Blut - VW-Patriarch Ferdinand Piëch
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Vorstandsmitglied (Technische Entwicklung) Ferdinand Piëch steht auf diesem Archivbild von 1982 neben einem Audi 100. Am 17. April 1937 wurde der VW-Aufsichtsratsvorsitzende in Wien geboren. Er gilt als leidenschaftlicher Auto- und Technikfreak. Neun Jahre lang - von 1993 bis 2002 - stand er an der Spitze des Wolfsburger Autobauers Volkswagen, danach wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrates. "Autos bauen", nannte er einmal als sein größtes Hobby. Das hat der Österreicher fast sein ganzes Leben lang getan: erst bei Porsche und Audi, dann bei VW ...

Ferdinand Piech
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Ferdinand Piech mit dem Porsche Bergspyder 909 aus dem Jahr 1968. „Burli“, wie er genannt wurde, wuchs mit Autos auf: Sein Vater leitete in der NS-Zeit das Werk in Wolfsburg, das von Käfer- auf Kriegsproduktion umgestellt wurde. Großvater und Onkel Ferry konstruierten nur wenige Jahre nach Kriegsende die ersten Sportwagen, auf VW-Basis. Mutter Louise übernahm den VW-Import nach Österreich. So war es kein Wunder, dass Autos auch das Berufsleben von Piech bestimmten ...

Gulf Porsche 917
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In Zürich studierte Piech Technik an der ETH, schloss mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren 1962 ab und ging zu Porsche in die Versuchsabteilung. Piech machte Blitzkarriere: nach vier Jahren Abteilungsleiter und weitere fünf Jahre danach technischer Geschäftsführer. Piech ist technikbesessen, er baute etwa die Rennmaschine Porsche 917 ...

Porsche 917
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Der Porsche 917, hier beim Einsatz im 24-Stunden-Klassiker von Le Mans im Jahr 1971, war ein riesiger Imageerfolg für die Sportwagenschmiede. Das extrem schwer beherrschbare und leichtgewichtige PS-Monster spielte praktisch mit der Konkurrenz in den Rennsaisons 1970 und 1971. 14 Rennnsiege wurden allein in diesen beiden Jahren verbucht.

Ferdinand Piech
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1972 musste Piech Porsche verlassen, weil die Familien Porsche und Piech nach Querelen beschlossen, kein Familienmitglied dürfe mehr bei dem Sportwagenbauer arbeiten. Der Techniker wechselte in den VW-Konzern, zu Audi. Der Aufsichtsrat der Audi NSU Auto Union AG ernennt ihn im Sommer 1975 zum Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung.

Bei Audi in Ingolstadt
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Auch bei Audi setzt Piech seine Ideen durch: Allradantrieb, TDI-Motor, rostfreie Karosserie. Piech machte Audi zu einer Perle im VW-Konzern, 1988 wurde er Chef in Ingolstadt. Am 9. Januar 1990 präsentiert er im Werk Ingolstadt den Jubiläumswagen, einen Quattro. Seit Anlauf der Produktion im Jahr 1965 wurden in dem Werk sieben Millionen Autos der Marke Audi produziert ...

Seit Jahren schwächle die Kernmarke VW trotz der Erfolge von Skoda und Audi, der Konzern hinke zudem wie die gesamte deutsche Autoindustrie den Entwicklungen des Marktes hinterher, sagte Trittin weiter. Der Grünen-Politiker begrüßte es, dass der frühere IG Metall-Chef Berthold Huber kommissarisch den Aufsichtsrats-Vorsitz übernommen hat. „Berthold Huber ist ein kluger Gewerkschafter, der die Übergangszeit sicher sehr gut meistern wird“, sagte der Grünen-Politiker.

Es seien die Arbeitnehmer und die IG Metall gewesen, die Volkswagen zusammen mit Ferdinand Piëch aus der großen Krise der 90er Jahre herausgeführt hätten. „Auch Mitbestimmung hat Volkswagen zur Weltmarke und einer der größten Automobilproduzenten der Welt gemacht“, betonte Trittin, der im VW-Stammland Niedersachsen von 1990 bis 1994 Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten war.

  • dpa
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1 Kommentar zu "Volkswagen: Katar schickt Militärexperten in VW-Aufsichtsrat"

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  • „Die Stärke von Winterkorn ist es, auch die letzte Schraube an der Sitzverstellung zu optimieren – und nicht die Strategie des Unternehmens“, sagt Branchen-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.
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    Genau das ist es. Auch wenn diese Aussage eigentlich von Herrn Dr. Piech stammt, so freut es mich, dass es auch von extrenen Experten bestätigt wurde.

    Der Lotse geht von Bord.

    Wie es weitergeht, erkennt man am Niedergang des dt. Reiches, nachdem ein dummer Kaiser-Rüpel Otto von Bismark vor die Tüer gesetzt hatte.

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