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Volkswagen Matthias Müller redet sich frei

Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller wirkt nach Monaten der Aufarbeitung und Neuausrichtung im Konzern fast wie zu alten Porsche-Zeiten. Den schwersten Gang tritt er aber erst Anfang des kommenden Jahres an.
10.12.2015 - 17:00 Uhr Kommentieren

„Können finanzielle Folgen nicht abschätzen“

Wolfsburg Keine drei Monate arbeitet Matthias Müller jetzt zwischen historischer Krise und radialem Umbau. Seit dem 25. September ist er der Chef von Europas größtem Autobauer. Er muss mit seinen 62 Jahren eine Aufgabe bewältigen, für die er sich nicht unbedingt beworben hat. Man hat ihn inständig gebeten, weil es in dem sich auftürmenden Horrorszenario auf die Schnelle keinen Besseren gab. Nach gut vier Jahrzehnten im Konzern hat er natürlich nicht abgelehnt.

Seither wirkt Müller wie ein Getriebener. Großen Respekt haben sie für ihn zwar in Belegschaft und Aufsichtsrat, wissen sie doch, dass die ganze Last auf ihm liegt. Aber auch im obersten Kontrollgremium ist schon aufgefallen, dass Müller angegriffen und manchmal reizbar wirkt. Sie haben es registriert. Und darüber hinweggesehen. Was will man denn machen, wenn die Not groß ist und es um die gemeinsame Sache geht.

Auch am Donnerstag wirkt Müller anfangs angespannt, als gut 150 Journalisten und mehr als ein Dutzend Kameras ihn anblickten. Müller blickte mürrisch zurück. 33 Minuten lang, solange sprach nämlich sein oberster Aufseher Hans Dieter Pötsch vor ihm.

Neues Leben für die Gläserne Manufaktur
Erster E-Golf aus Dresden
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Nach Monaten des Stillstands hersscht wieder Bewegung in die Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden: Von den Fließbändern aus Holz, auf denen einst der Luxuswagen Phaeton durch die Hallen schwebte, rollt seit Montag der neue E-Golf vom Band.

(Foto: AP)
35 Autos pro Tag
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Mit der Entscheidung des Konzerns wird Dresden - neben Wolfsburg - zum zweiten Produktionsstandort für den neuen E-Golf. 35 Autos pro Tag sollen zunächst montiert werden. Wie sich die Stückzahl weiter entwickelt, hängt von der Nachfrage ab. Ausgelegt ist die Manufaktur für bis zu 100 Fahrzeuge am Tag.

(Foto: AP)
Arbeiter kehren zurück
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Gefahren wird die Manufaktur zunächst im Ein-Schicht-Betrieb. Damit kehrt ein Teil der Beschäftigten, die nach dem Phaeton-Aus auf andere VW-Standorte verteilt wurden, nach Dresden zurück.

(Foto: AP)
Gläserne Manufaktur in Dresden
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Die Gläserne Manufaktur ist der ganze Stolz von Volkswagen. Fast 190 Millionen Euro hatte der Konzern einst Ende der 1990er-Jahre investiert. Eine neue Form des Automobilbaus sollte entstehen. In Zentrumsnähe ganz bei den Sehenswürdigkeiten von Dresden, zudem im Gegensatz zu den anderen, mittlerweile gut 120 Werken des Konzerns, ohne Zaun und Zugangssperre.

(Foto: Reuters)
Schritt in die Luxusklasse
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Direkt im „Großen Garten“, Dresdens Prachtpark, erhebt sich die Manufaktur seither wie eine moderne Burg – umgeben von Wassergraben und Brücke.

(Foto: dpa)
Ferdinand Piëch
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Mit dem edlen Produktionsstandort sollte der Schritt von VW in die automobile Luxusklasse nach außen jedem klar werden. So beschrieb es Ferdinand Piëch, abgetretener Patriarch und einst Oberverantwortlicher für das Projekt, in seiner „Auto. Biographie“ im Jahr 2002.

(Foto: Picture Alliance)
VW Phaeton
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Die VW-Manufaktur wurde für die Produktion des VW Phaeton errichtet. 2002 begann die Serienproduktion der Luxuslimousine mit zuerst 20 Wagen täglich. Bei voller Auslastung sollten 800 Mitarbeiter täglich 150 Nobelkarossen montieren.

(Foto: dpa)

Dann durfte er endlich. Ruhig verlas er seinen Text, sprach erst über seinen Fünf-Punkte-Plan aus Aufklärung des Skandals und Umsetzung der neuen Strategie, er zeigte Demut, er entschuldigte sich und demonstrierte dennoch Offensivdrang. Der wurde mit der Zeit immer stärker. Gerade ab da, als er mit seinem 35 Minuten langen Redetext fertig war und endlich frei reden konnte. Zunehmend wich die Angespanntheit einer gewissen Lockerheit. „So floskelhaft das auch klingen mag, aber die Krise ist doch auch eine Chance“, rief er den Journalisten fast wie zur Rechtfertigung der aktuellen Situation zu.

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    Es ist vor allem seine Chance. Müller hat jetzt viel mehr Möglichkeiten zur Veränderung als sie sein Vorgänger Martin Winterkorn je hatte. Gefangen durch den rasanten Aufstieg der vergangenen Jahre konnte der nicht all das anpacken, was nötig war. In guten Zeiten fallen Reformen eben doppelt schwer.

    Hier in Wolfsburg ist Müllers Credo nach Veränderung angekommen. „Mein Plädoyer gilt den Neugierigen, den Unangepassten“, so Müller. Leuten, die nicht bereits an die Konsequenzen eines Scheiterns denken, wenn sie neue Projekte angehen.

    Müller redet sich warm. Und findet plötzlich fast so etwas wie Spaß an der Veranstaltung. Die offizielle Wortwahl hat er da ohnehin längst verlassen. Wann er sich endlich in die USA wage, wird er gefragt. „Ich werde von Detroit aus von Dienstag bis Freitag durch die USA reisen“, äußert sich Müller endlich zum weiteren Vorgehen in dem Land, in dem Volkswagen von der Aufarbeitung des Diesel-Skandals am weitesten entfernt ist.

    Die lange Liste der Offenbarung
    Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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    Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

    Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

    Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

    (Foto: PR)
    Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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    Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

    Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

    (Foto: PR)
    Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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    Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

    Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

    Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

    (Foto: PR)
    Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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    Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

    (Foto: PR)
    Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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    Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

    Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

    (Foto: PR)
    Angeblich betroffen: Audi Q5
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    Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

    (Foto: PR)
    Betroffen: Audi A6 quattro
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    Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

    (Foto: PR)

    Am Sonntag und Montag also Automesse, danach Aufarbeiten der Krise in der Höhle des Löwen. Es gebe nun endlich eine Lösung, die den Behörden bald vorgestellt wird. Davor wollte er nicht rüber, weil es nichts zu sagen gab.

    Müller stellt die Beziehung der US-Behörden zu Volkswagen wie die in einem alten Ehepaar da. Da hat man sich lange gut verstanden, dann gebe es mal Ungereimtheiten. Weil man aber so lange schon weiß, was man aneinander hat, rauft man sich dann auch wieder zusammen. „Ich verstehe natürlich, dass die Behörden dort sauer und vergrätzt waren“, verfällt Müller einmal mehr in Umgangssprache.

    Selbstbewusst werde er auftreten, natürlich wird er sich auch entschuldigen. Aber ein optimistischer Blick geht nach vorne. Bei Porsche habe man Müller häufig so erlebt, berichten Vertraute. In der Zentrale in Wolfsburg noch nicht so oft. Vielleicht ändern sich gerade die Zeiten.

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