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Volkswagen Porsche telefoniert noch mit Winterkorn

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Porsche über Piëch: „Wir sind unterschiedlich“

So groß ist die VW-Familie

Mitte Mai 2015 hatte ein Mitarbeiter der Rechtsabteilung Hinweise auf „einen möglichen Einsatz eines sogenannten Defeat Device“ erhalten, wie es in dem Dokument heißt. Volkswagen hat bei bis zu elf Millionen Dieselautos mit einer illegalen Software („Defeat Device“) die Abgaswerte gedrückt, um die Grenzwerte einhalten zu können. Mehrere Behörden ermitteln daher gegen den Konzern. Trotz dieses schwerwiegenden Verdachts unternahm der Rechtsexperte laut der Klageerwiderung nichts.

Dies war indes nicht der einzige Hinweis. Am 27. Juli 2015 trafen sich der damalige VW-Chef Martin Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess mit einigen Technikern, um über Mängel an Modellen zu sprechen. Abseits des Protokolls wurde dem Dokument zufolge über die „Hintergründe der Dieselthematik“ gesprochen. „Bei dieser Besprechung teilten einzelne VW-Mitarbeiter aber möglicherweise erstmals mit, dass der Dieselthematik eine Softwareveränderung zur Beeinflussung des Abgasverhaltens auf dem Prüfstand zugrunde liegt.“

Winterkorn habe daraufhin die Mitarbeiter aufgefordert, „den Sachverhalt weiter aufzuklären“. Der Dieselbetrug wurde schließlich am 18. September von den US-Umweltbehörden EPA und Carb öffentlich gemacht. Diese werfen VW vor, die Aufarbeitung seit dem Frühjahr 2014 verschleppt zu haben.

Winterkorn hatte im September wenige Tage nach Bekanntwerden des Abgasskandals seinen Posten als VW-Chef abgegeben. „Wir haben damals hinterfragt, ob gerade er, der so viel für den Konzern geleistet hat, zurücktreten muss“, sagte Porsche. „Er hat es dann getan - und das war sicher die richtige Entscheidung.“ Er selbst stehe noch mit Winterkorn in Kontakt. „Ich telefoniere ab und zu mit ihm und frage ihn, wie es ihm geht. Er hat dem Volkswagen-Konzern fast 35 Jahre gedient, das sollten wir nicht vergessen.“

An dem neuen VW-Chef Müller hat er nichts auszusetzen. „Ich finde, dass Matthias Müller einen wirklich guten Job macht“, sagte Porsche. „Ich hoffe, er macht den Job noch lange.“ Der VW-Konzern und Aufsichtsrat sollten nicht von externen Managern geleitet werden, die das Unternehmen nicht kennen. „Man muss die Strukturen in Wolfsburg verstehen, sonst hat man keine Chance.“ Vom neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch erwarte er sich ganz generell eine starke Führung. „Und es hängt jetzt ziemlich viel von ihm ab.“ Die Familie hatte sich im Oktober für den ehemaligen VW-Finanzchef als neuen Aufsichtsratschef stark gemacht.

Laut „Bild am Sonntag“ hatte Pötsch bereits am 8. September 2015 als damaliger VW-Finanzchef Kenntnis darüber erhalten, dass der Autobauer US-Behörden gegenüber eine Betrugssoftware eingeräumt hat. Pötsch informierte VW-Anleger jedoch nicht sofort darüber. Nun werden Juristen entscheiden müssen, ob das richtig war oder ob Pötsch damit gegen die Regeln der Ad-Hoc-Publizität verstoßen hat. Wolfgang Porsche und die Familie stünden fest hinter Pötsch und Müller, hatte ein Sprecher der Porsche SE am Sonntag betont.

Porsche sprach sich auch für eine neue Gesprächskultur in den Führungsgremien aus: „Wir müssen mehr miteinander reden statt übereinander. Und das ist etwas, was wir im Konzern noch verbessern müssen“, sagt Porsche. Die Familie trete heute geschlossener und mehr als Gesamtfamilie auf als das vielleicht früher der Fall gewesen sei, sagte der VW-Kontrolleur. Neben Porsche sitzen sein Neffe Ferdinand Oliver Porsche, sein Cousin Hans Michel Piëch und dessen Nichte Louise Kiesling in dem Kontrollgremium bei VW.

Damit ist auch die vierte Generation der Familie inzwischen in der Pflicht, andere Mitglieder sitzen in den diversen Kontrollgremien der SE und der VW-Töchter. „Die nachfolgenden Generationen müssen an diese Aufgabe hingeführt werden.“ Es werde aber akzeptiert, wenn jemand sich nicht im Konzern einbringen wolle.

Seinen Cousin Ferdinand Piëch (78) trifft Porsche noch bei Gremiensitzungen wie im Aufsichtsrat der Porsche SE. „Wir sind sicher unterschiedlich, aber wir haben auch gemeinsame Verpflichtungen. Und wir haben eine gemeinsame Verantwortung für die 600.000 Mitarbeiter des VW-Konzerns.“ Piëch war im vergangenen Frühjahr nach einem internen Machtkampf als VW-Aufsichtsratschef zurückgetreten.

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  • dpa
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