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Volkswagen Schwacher Absatz bei Golf und Passat – der nächste VW-Vorstand geht

Auch Vertriebschef Jürgen Stackmann soll nun seinen Job verlieren. Er warnte früh vor Problemen beim neuen Golf – soll aber für das Auto auch zu wenig geworben haben.
22.07.2020 - 16:00 Uhr 2 Kommentare
Das Umfeld schätzt den Vertriebsvorstand für seine Gradlinigkeit. Quelle: Friso Gentsch / Volkswagen AG
Jürgen Stackmann

Das Umfeld schätzt den Vertriebsvorstand für seine Gradlinigkeit.

(Foto: Friso Gentsch / Volkswagen AG)

Frankfurt An einem Mangel an Zuversicht leidet Jürgen Stackmann nicht. Noch am Dienstag erinnerte der Volkswagen-Manager in einem Beitrag auf dem Jobportal LinkedIn an den Dieselskandal, der den Autobauer vor fünf Jahren erschüttert hatte. „Was als unsere dunkelste Stunde erschien, wurde zu einer größten Chance“, schrieb Stackmann.

Eine freundliche Umschreibung für einen Kriminalfall, der Volkswagen mehr als 30 Milliarden Euro kostete und über elf Millionen Kunden mit manipulierten Dieselautos zurückließ. Stackmann ist Vertriebsvorstand der Kernmarke VW und als erster Verkäufer des Hauses offenbar zu Optimismus verpflichtet.

Diese Rolle allerdings wird der 58-Jährige bald verlieren. Denn bei den Oberen in der VW-Welt ist er in Ungnade gefallen. Stackmann werde daher den Job als Vertriebsvorstand von Volkswagen abgeben müssen, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Das Unternehmen selbst wollte sich dazu nicht äußern

Für die Ablösung des Norddeutschen gibt es in den Reihen von Volkswagen verschiedene Erklärungen. Eine lautet, dass Stackmann aus Sicht des Konzernvorstands zu wenig für den Vertrieb der Modelle Passat und Golf getan habe.

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    Die Absatzzahlen für diese Fahrzeuge hätten besser sein können, wenn Stackmann stärker die Werbetrommel gerührt hätte, hieß es. Anders als seine Vorgänger war der Golf 8 in seiner Klasse nicht führend bei den branchenweiten Verkäufen..

    Massive Mängel beim Golf

    Eine andere Begründung für die geplante Demission: Stackmann habe Widerworte gegeben. Konkret geht es um die Frage, wann der neue Golf eingeführt werden sollte. Das Fahrzeug hat VW in seiner achten Auflage an den Start gebracht – allerdings mit erheblichen Problemen.

    So verfügten die Autos nicht über alle im Vorfeld angekündigten technischen Funktionen; zeitweise musste der Konzern die Auslieferung stoppen. Der Grund dafür waren Softwarefehler beim Notrufsystem, die inzwischen behoben sind.

    Stackmann gilt zwar als manchmal sperrig, insgesamt aber als gradlinig. Dafür wird er von seinem Umfeld geschätzt. Als die Frage nach dem Verkaufsstart für den Golf aufkam, soll er dem Vernehmen nach mit Verweis auf die Mängelliste für eine Verschiebung plädiert haben.

    Dagegen soll vor allem VW-Chef Herbert Diess gewesen sein, der zu der fraglichen Zeit auch die Leitung der Kernmarke hatte. Stackmann habe sich mit seinen Einwänden nicht durchsetzen können, da VW für den Fall ein Imageproblem befürchtet hatte, sagte ein mit den Vorgängen vertrauter Manager. VW lehnte einen Kommentar dazu ab.

    Stackmann ist nicht die einzige Personalie, die das Unternehmen kurz vor den bald beginnenden Werksferien beschäftigt. In den vergangenen Tagen hat VW eine Reihe von Veränderungen unter seinen Topleuten bestätigt. Betroffen sind davon weite Teile der zweiten Führungsebene. Skoda-Chef Bernhard Maier muss ebenso gehen wie der Leiter der Van-Sparte, Thomas Sedran, und Truck-Boss Andreas Renschler.

    Streit im Aufsichtsrat

    Auch der Vorstand der Kernmarke VW wurde weitgehend verändert. So muss auch Christian Senger kurz nach seiner Beförderung zum obersten Softwarechef weichen. Eine Veränderung gab es zudem an der Spitze: Diess musste die Leitung der Kernmarke an Ralf Brandstätter abgeben.

    Vorangegangen war eine massive Auseinandersetzung mit dem Aufsichtsrat. Diess hatte Anfang Juni auf einem Meeting mit mehr als 3000 Managern dem Gremium Rechtsbrüche vorgeworfen, diese dann aber nicht belegen können. Über diese Anschuldigungen und die Art und Weise, wie sie vorgebracht wurden, seien die im Aufsichtsrat vertretenen Mitglieder des Betriebsrats und der Familie Porsche/Piech erzürnt gewesen, wie es in deren Umfeld hieß.

    Von ihrer anfänglichen Überlegung, Diess als Vorstandsvorsitzenden zu entlassen, nahmen die Aufseher nach einer Bedenkzeit Abstand. Ein überhasteter Wechsel an der Spitze sei angesichts der wirtschaftlichen Verwerfungen durch die Coronakrise nicht angebracht gewesen, sagten Aufsichtsräte im Anschluss.

    Um die Macht von Diess zu beschränken, aber auch weil die Kernmarke gegen Absatzprobleme ankämpfen muss, musste er die Leitung über den umsatzstärksten Konzernteil abgeben. Nach dem Eklat begann das Aussieben in der zweiten Führungsebene.

    Ob nun Stackmann Teil des VW-Konzerns bleibt, ist dem Vernehmen nach offen. Einige der zuvor abgelösten Manager wechseln auf andere Positionen. Stackmann ist seit genau zehn Jahren Teil des Unternehmens. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre hatte er zunächst für Ford in Europa gearbeitet, bevor er im Juli 2010 zur VW-Tochter Skoda wechselte. Nach einer Station als Chef der Konzernschwester Seat wurde er dann vor fünf Jahren auf den Posten bei der Kernmarke Volkswagen berufen.

    Mehr: Volkswagen-Kernmarke holt Seat-Manager als Produktionschef.

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    2 Kommentare zu "Volkswagen: Schwacher Absatz bei Golf und Passat – der nächste VW-Vorstand geht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Man glaubt, dass man durch Auswechslung vieler Vorstände das Rad neu erfindet. Auch bei VW ist der AR leider etwas dümmlich.

    • Man hat das Gefühl, die Elektrofraktion bei VW gerät so langsam in Panik.

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