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Volkswagen Showdown in Wolfsburg: Bleibt Herbert Diess VW-Chef?

In diesen Stunden trifft sich das Präsidium des VW-Aufsichtsrats, um über die Zukunft des Konzernchefs zu beraten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Machtkampf.
01.12.2020 Update: 01.12.2020 - 20:38 Uhr 4 Kommentare
Der VW-Chef braucht mehr Verbündete in Wolfsburg, um seinen Kurs in der Konzernzentrale durchsetzen zu können. Quelle: dpa
Herbert Diess

Der VW-Chef braucht mehr Verbündete in Wolfsburg, um seinen Kurs in der Konzernzentrale durchsetzen zu können.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Volkswagen-Chef Herbert Diess und seine Vertrauten haben in den vergangenen Wochen ein Drohszenario aufgebaut: Wenn seine Forderung nach einem neuen Vertrag vom Aufsichtsrat nicht erfüllt wird, würde er seinen noch bis zum Frühjahr 2023 laufenden Vertrag von sich aus aufkündigen – und den Wolfsburger Autohersteller vorzeitig verlassen.

Das Kalkül von Diess: Er setzt darauf, dass der VW-Aufsichtsrat in der aktuellen Situation keinen Wechsel an der Konzernspitze möchte. Die von Diess eingeleitete Transformation in Richtung Elektromobilität und Digitalisierung soll unter seiner Führung kraftvoll fortgesetzt werden.

Seit 18 Uhr tag das Präsidium des Aufsichtsrats als das zentrale Lenkungsgremium der obersten Konzernkontrolleure. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Treffen:

1. Was verlangt Diess konkret?

Aus dem Diess-Umfeld verlautete während der vergangenen Tage immer wieder, dass er sich einen Vertrauensbeweis durch den Aufsichtsrat wünscht. Das sei am ehesten durch eine vorzeitige Verlängerung seines Vorstandsvertrags möglich.

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    Dem VW-Chef schwebt eine sofortige Verlängerung um weitere fünf Jahre vor. Ein neuer Vertrag würde also bis Ende 2025 laufen, Diess wäre dann 67 Jahre alt.

    2. Was will Diess noch?

    Im Konzernvorstand sind mehrere wichtige Posten frei. Finanzchef Frank Witter geht Mitte 2021 in den Ruhestand und verlässt den Vorstand damit nach sechs Jahren. Zudem ist schon seit dem Sommer die Position des Einkaufschefs vakant, im Juni hatte Stefan Sommer Volkswagen vorzeitig verlassen.

    Diess drängt darauf, dass seine Kandidaten auf die freien Posten gesetzt werden. Am wichtigsten ist ihm die Berufung von Arno Antlitz als Witter-Nachfolger. Antlitz ist im Moment Audi-Finanzvorstand in Ingolstadt und gilt als strenger Kassenwart. Als Finanzchef der Marke Volkswagen Pkw hatte er sich in früheren Jahren immer wieder Auseinandersetzungen mit Betriebsratschef Bernd Osterloh geleistet.

    Neuer Einkaufsvorstand und damit Sommers Nachfolger soll Murat Aksel werden, der zurzeit den Einkauf für die Marke Volkswagen Pkw leitet.

    3. Was bezweckt Diess mit den Personalien?

    Der VW-Chef braucht mehr Verbündete in Wolfsburg, um seinen Kurs in der Konzernzentrale durchzusetzen. Diess selbst war vor gut fünf Jahren von BMW zu VW gewechselt. Zunächst arbeitete er als Vorstandschef der Marke Volkswagen Pkw, im April 2018 übernahm er den gesamten Konzern.

    Diess ist es auch in fünf Jahren nicht gelungen, ein starkes Netzwerk mit eigenen Verbündeten in Wolfsburg aufzubauen. Er kennt Arno Antlitz aus der gemeinsamen Zeit bei der Marke Volkswagen, mit Murat Aksel hat er noch bei BMW zusammengearbeitet.

    4. Wozu braucht Diess mehr Verbündete?

    Der VW-Chef spricht immer wieder von der „Festung Wolfsburg“, die sich nicht schnell genug auf jene Veränderungen einstelle, die Elektrifizierung und Digitalisierung ausgelöst hätten. Der US-Wettbewerber Tesla sei Volkswagen um Jahre voraus, der deutsche Konzern müsse sein Innovationstempo unbedingt erhöhen.

    Mit neuen Konzernvorständen, die ähnlich wie er selbst denken, will Diess gerade in der Zentrale in Wolfsburg für mehr Tempo sorgen.

    5. Wer ist der größte Gegenspieler von Herbert Diess?

    Die wichtigste Konfliktlinie in Wolfsburg bricht regelmäßig zwischen Diess und dem mächtigen Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh auf, der auch im Aufsichtsrat sitzt. Immer wieder werden diese Konflikte auch in der Öffentlichkeit ausgetragen, wie zuletzt im Frühjahr.

    Der Betriebsrat machte damals den Vorstandsvorsitzenden für die massiven Softwareprobleme bei neuen Modellen wie dem Golf 8 und dem ersten Elektroauto ID.3 verantwortlich. Beide Modelle waren erst mit Verspätung auf den Markt gekommen.

    Als Mitglied des Aufsichtsrats sitzt Osterloh am längeren Hebel und entscheidet mit über den Vertrag von Diess. Quelle: dpa
    Betriebsratschef Osterloh (l.) und Herbert Diess

    Als Mitglied des Aufsichtsrats sitzt Osterloh am längeren Hebel und entscheidet mit über den Vertrag von Diess.

    (Foto: dpa)


    6. Wie reagierte Herbert Diess darauf?

    Der VW-Konzernchef machte der einflussreichen Arbeitnehmerbank seinerseits schwere Vorwürfe. Der Betriebsrat sei in Wahrheit der große Blockierer, der am Konzernsitz bei wichtigen Themen entscheidend bremse. Die „Festung Wolfsburg“ sei dadurch geprägt, dass IG Metall und Betriebsrat bis in die letzten Verästelungen des Konzerns hinein ihren Einfluss ausübten und mitbestimmten.

    Mitglieder des Topmanagements fürchteten den Betriebsrat und gingen einer offenen Auseinandersetzung mit Osterloh aus dem Weg.

    7. Wie agieren die anderen Mitglieder des Aufsichtsrats?

    Die anderen wichtigen Akteure im VW-Kontrollgremium sind die Familie Porsche-Piëch und das Land Niedersachsen als größte Anteilseigner des Autokonzerns. Familie und Land haben bislang versucht, mäßigend auf den Konflikt einzuwirken und eine offene Konfrontation zu vermeiden.

    Auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, ein langjähriger Vertrauter der Familie, sucht nach einem möglichen Kompromiss. Sowohl die Familie als auch das Land erkennen an, dass Diess den Konzern bei der Elektrifizierung und der Digitalisierung entscheidend vorangebracht hat.

    8. Wer trifft sich am Dienstagabend?

    Am Dienstag kommt das Präsidium des Aufsichtsrats zusammen, das zentrale Lenkungsgremium der obersten Konzernkontrolleure. Darin sind jeweils vier Vertreter der Kapitalseite und der Arbeitnehmer vertreten.

    Zu den Mitgliedern des Präsidiums gehören Aufsichtsratschef Pötsch, die Familienvertreter Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch sowie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Auf der Arbeitnehmerseite sind unter anderem Bernd Osterloh und IG-Metall-Chef Jörg Hofmann dabei.

    Trotz der Corona-Pandemie ist eine Präsenzsitzung in Wolfsburg und keine Digitalkonferenz geplant. Das unterstreicht die Bedeutung, die alle Beteiligten dieser Sitzung beimessen.

    Grafik


    9. Welcher Ausgang ist zu erwarten?

    Die meisten Beobachter in Wolfsburg erwarten, dass Herbert Diess zunächst VW-Vorstandsvorsitzender bleiben wird. Ihm sei es während der vergangenen Tage vor allem darum gegangen, ein Drohpotenzial aufzubauen und den Aufsichtsrat zu schnellen Entscheidungen zu bewegen.

    Dass Diess von sich aus hinwirft, gilt in Wolfsburg als eher unwahrscheinlich. Er hat selbst großes Interesse daran, den von ihm eingeleiteten Transformationsprozess in Wolfsburg fortzusetzen. Diess möchte in die Konzerngeschichte als derjenige eingehen, der bei Volkswagen die entscheidenden Veränderungen eingeleitet hat – und vor allem auch zu Ende bringt.

    10. Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

    Es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass Betriebsratschef Osterloh einer Vertragsverlängerung für Diess zustimmen wird. Auch unter den anderen Aufsichtsräten gibt es Bedenken. Der aktuelle Vertrag habe noch fast zweieinhalb Jahre Laufzeit, Diess besitze damit ausreichend Gestaltungsspielraum, heißt es in Aufsichtsratskreisen.

    Um dem Konzernchef an anderer Stelle entgegenzukommen, könnte das Aufsichtsratspräsidium die von Diess vorgeschlagenen Vorstandskandidaten durchwinken.

    11. Wäre der Konflikt mit einem Kompromiss dauerhaft gelöst?

    Wahrscheinlich nicht. Nach der letzten größeren Auseinandersetzung zwischen Aufsichtsrat und Konzernchef hieß es im Frühsommer, dass fortan alle Streitigkeiten beigelegt seien. Der aktuelle Konflikt zeigt das genaue Gegenteil.

    Deshalb bleibt die Gefahr, dass die bestehenden Konfliktlinien schon in wenigen Monaten erneut aufbrechen werden. Vorausschauend könnten die Familie Porsche-Piëch und das Land Niedersachsen damit beginnen, nach einem möglichen neuen Vorstandschef Ausschau zu halten.

    Mehr: Neuer Machtkampf bei VW: Selbst das Aus von Diess ist jetzt möglich

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    4 Kommentare zu "Volkswagen: Showdown in Wolfsburg: Bleibt Herbert Diess VW-Chef?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herbert Diess könnte bei Schwierigkeiten zu Tesla gehen. Dies wäre der Supergau!!!

    • Herbert Diess hat vollkommen recht, dass Volkswagen noch einen langen Weg vor sich hat bei der Transformation zur E-Mobilität. VW hat zwar Elektroautos, aber keine einzige Zeile Softwarecode in Sachen autonomous driving. Das macht aber den entscheidenden Unterschied auf dem Weg zum Erfolg. Das Transformationstempo muss erhöht werden. Nicht nur Tesla gibt das Tempo vor, sondern auch China mit Xpeng und Nio. Auch diese Unternehmen sind in der Lage Ende 2021 autonomous driving anzubieten. Am Dienstag entscheidet sich, ob der VW-Konzern umfirmiert in VEB Volkswagen oder die erfolgreiche VW AG bleibt. (Christoph Platz)

    • Von der e-Strategie VWs halte ich nichts. Gut wäre eine kombinierte e+Hybrid Strategie:
      Viele Europäer möchten Hybride, ich persönlich aus folgenden Gründen:
      Mit meiner Photovoltaikanlage kann ich gut eine Hybrid mit 70km Reichweite betanken. Mehr Reichweite würde bedeuten: Andere Ladestation, mehr Kohle/Atomstrom, größere Batterie - mit entsprechend großer Umweltverschmutzung bei deren Produktion.
      Die Kosten der Batterie sind günstiger und mein Photovoltaikstrom auch.
      e-Autos mag ich nicht - Diess auch nicht.
      @Herr Torsten Gröschel:
      Wasserstoff hört sich guuuht an!

    • Dass Batterie-Diess sich überhaupt so lange im Konzern halten konnte, ist bereits sehr verwunderlich. Ich frage mich, ob er mutig oder dumm genug ist, nach seinem beinahe-Rauswurf vor nur wenigen Monaten schon wieder so große Töne zu spucken. Statt Tesla hinterherzuhächeln, wäre sicher eine gute Wasserstoffstrategie für die Zukunft des Konzerns wichtig gewesen. Die gibt es aber nicht. Auch keinen Plan B. Oder doch? Vielleicht bei Audi? Je früher Diess geht, desto besser. Zum Glück gibt es Osterloh.

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